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Auf Booten gegen die Castoren

Kernkraftgegner protestieren gegen den genehmigten Atom-Transport auf dem Neckar – Polizei meldet keine Zwischenfälle

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Stopp am Kernkraftwerk. Erstmals findet eine Demonstration auf dem Neckar statt.Foto: Alfred Drossel

Ludwigsburg. Mit Booten auf dem Neckar hat das Bündnis „Neckar castorfrei“ gestern gegen die genehmigten Atommüll-Transporte protestiert. Am Ufer wurden die Boote von Radfahrern begleitet. Der Wasserprotestzug hatte in Kirchheim begonnen, legte am Kernkraftwerk eine Protestpause ein und fuhr, entgegengesetzt zur Transportstrecke, bis Lauffen.

Boote, Kajaks, Kanus, große aufblasbare Piratenenten und andere Wasserfahrzeuge wurden gestern Nachmittag an der Kirchheimer Neckarwiese zu Wasser gelassen. Sie waren geschmückt mit Bannern und Fahnen. Auf dem Fluss patrouillierten indessen ein Motorschiff der Wasserschutzpolizei und zwei Schlauchboote der Polizei. Die DLRG hatte zwei Boote mit sechs Mann Besatzung gestellt. Insgesamt hatten die Kernkraftgegner 35 Boote zu Wasser gelassen, die rund 60 Demonstranten aufnahmen. Weitere 40 Mitstreiter begleiteten die kleine Armada mit dem Fahrrad. Die Polizei hatte auf beiden Seiten des Neckar Streifen zusammengezogen. Zwischenfälle wurden nicht bekannt.

Mitorganisator Herbert Würth (Ludwigsburg) zeigte sich überrascht von der Zahl der ersten Demonstration auf dem Wasser gegen den Transport. Auf der Zwischenkundgebung gegenüber des Kernkraftwerks sprach Franz Wagner von der „Energiewende Heilbronn“. Dazwischen riefen die Demonstranten immer wieder: „Abschalten, Abschalten!“

Der Protest richtete sich gegen Pläne des Energieunternehmens EnBW zum Schiffstransport von Castoren mit radioaktivem Müll auf dem Neckar von Obrigheim ins unterirdische Zwischenlager von Neckarwestheim. „Wir wollten den Neckar entern“, stellte Herbert Würth fest, wohl wissend, dass ein Protest mit Booten während des Transports der Brennelemente unmöglich sein wird.

EnBW will, wie berichtet, 15 Castorbehälter mit 342 abgebrannten Brennelementen nach Neckarwestheim bringen. Im Februar hatte das Unternehmen einen Probelauf mit Castoren ohne radioaktives Material für den umstrittenen Transport unternommen. Für die Schiffstransporte mit echten Brennelementen ist jetzt vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit die Genehmigung erteilt worden.

Das Widerstandsbündnis wehrt sich dagegen, dass die hochradioaktiven Stoffe mitten durch Heilbronn transportiert werden, „inklusive Anschlagsgefahr und der Gefahr von Schiffsunfällen“. Man wolle auch auf das große Sicherheitsrisiko hinweisen, wenn die Atommüllbehälter bis zum Schiffstransport über Wochen im Freien stehen müssten, sagte Franz Wagner. Der Grünenpolitiker und Umweltminister Franz Untersteller verspreche zwar, dass er genau überwachen wolle, dass die Transporte „die höchsten Sicherheitsstandards einhalten“ werden. „Wir kennen die Sicherheitsstandards“, sagte Wagner „Sie erfüllen nämlich immer nur das gesetzlich vorgeschriebene Maß.“