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Innenstadt

Auf die Plätze, fertig, weiß!

Der Dresscode war Weiß, die Stimmung fröhlich und der Andrang riesig. In ein „Quartier Blanc“, ein weißes Viertel, haben sich am Samstagabend die Eberhardstraße und der Bereich rund um die katholische Kirche verwandelt. So viele Menschen wie nie zuvor wollten bei der fünften Auflage des Diner en Blanc, des Weißen Dinners, eine Party der besonderen Art feiern.

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Ludwigsburg. Sie wollten an Tischen mit weißen Tüchern dinieren, über die Straße flanieren, sehen und gesehen werden. 160 Hocketsebänke, an denen jeweils bis zu zehn Personen Platz finden, hatten die Veranstalter in diesem Jahr aufbauen lassen. Nicht mitgezählt die zahlreichen Plätze, die in der stark vertretenen Außengastronomie ohnehin zur Verfügung stehen. Wer einen Sitzplatz reserviert hatte, war klar im Vorteil. Und so verwandelte sich die Eberhardstraße zum größten Open-Air-Restaurant der Region.

Sichtlich zufrieden zeigte sich Axel Müller, Projektleiter bei Luis, dem Zusammenschluss Ludwigsburger Einzelhändler, der sich mit einem (natürlich weißen) Hut auf dem Kopf unter das Volk mischte. „Es stimmt einfach alles. Das Wetter spielt mit, die Leute haben gute Laune“, so der Ideengeber dieses Events, das längst über die Grenzen von Ludwigsburg hinaus bekannt geworden ist. „Ich habe gestern erst erfahren, dass heute in Ludwigsburg eine white night stattfinden soll“, erzählte eine Stuttgarterin. Ehrensache, dass sie sich gemeinsam mit einigen Freunden auf den Weg in die Barockstadt begeben hatte.

Weiß scheint sich positiv auf die Stimmung auszuwirken: So viele gut gelaunte Menschen auf einem Fleck sind sonst selten zu sehen. Ob schickes Kleid, sportliche Hose, Leinen oder Spitze, Seide oder Baumwolle, mit oder ohne Hut: Hauptsache Weiß – so lautete der Dresscode für das Quartier Blanc. So manche Besucherin setzte das Motto konsequent um – vom weißen Blumenkränzchen auf dem Haupt über die Spitzenhandschuhe bis zu schneeweißen Sandaletten. Wie das Motto umgesetzt wurde, blieb der Fantasie jedes einzelnen Besuchers überlassen.

Erstmals eröffnete Oberbürgermeister Werner Spec dieses Event und war sichtlich beeindruckt von dem weißen Straßenfest. „Es ist erstaunlich, was durch eine Baustelle entstehen kann“, spielte er auf die Sanierung der Eberhardstraße vor einigen Jahren an. Während der Bauzeit war die Geduld der Anwohner und Geschäftsleute auf eine harte Probe gestellt worden. Entstanden ist eine gut funktionierende Gemeinschaft mit vielen Ideen, wie der zu dem Weißen Dinner. Heute ist die malerische Eberhardstraße eine beliebte Einkaufs- und Genussmeile mit vielen verschiedenen Einkehrmöglichkeiten.

Selbstbewusst nennt sich dieser Teil der Innenstadt Quartier E. Und es gibt immer mehr, die sich zugehörig fühlen. Zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung beteiligte sich Lange am Markt an diesem Event. Vertreten war auch die Schwarz-Weiß-Bar, die an der Alten Gasse ansässig ist, sowie die Weinbergkinder von der Holzmarktstraße. Erst vor einigen Wochen eröffnet, mischte auch das Café Bønne fleißig mit und verwandelte sich zu später Stunde in eine After-Show-Location. Die Neulinge trugen ebenso wie die anderen Gastwirte dazu bei, dass es hell, rot und rosé in den Weingläsern der Besucher funkelte und für deren leibliches Wohl gesorgt war.

Weil das Picknick der Grundgedanke des Weißen Dinners ist, hatten sich einige Besucher ihre Speisen, Geschirr, Besteck und Deko mitgebracht. Wer nicht zu den Selbstversorgern gehörte, hatte die Qual der kulinarischen Wahl. Was wäre eine Party ohne Musik? DJ Dan Ostendorf heizte den Besuchern auf dem unteren Teil der Eberhardstraße ein. Für sanfte Hintergrundmusik sorgte Pianist Martin Schlierf im Schatten der katholischen Kirche. Das Akustik Trio machte an verschiedenen Stellen Station und verwandelte für kurze Zeit sogar den Eingang der Lotter-Tiefgarage in einen Konzertsaal unter freiem Himmel.

Wem nach dem Dinieren und Flanieren der Sinn nach Feiern und Tanzen stand, kannte am Samstag nur ein Ziel: den Innenhof des Stadtmuseums MIK: Auf den weißen Stühlen hielt es kaum jemanden. Antonio Arnesano, Inhaber des Café Zichorie, sorgte mit gelegentlichen fein dosierten Duschen aus der Wasserflasche für Abkühlung im Party-Hotspot. Und so schwoften bis Mitternacht viele weiß gekleidete Menschen über die Tanzfläche und ließen das Fest ausklingen.