Logo

Corona

Auffrischimpfungen vor dem Start - Fragen und Antworten zur Drittimpfung

Ab 1. September können sich bestimmte Menschen eine dritte Impfung abholen – Letzte Impfung muss sechs Monate her sein

Foto: Sven Hoppe/dpa
Foto: Sven Hoppe/dpa

Ludwigsburg. Nächste Woche können erste Personengruppen eine Auffrischimpfung bekommen. Wer genau ist berechtigt und wie kommt man an einen Termin? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wer kann seine Impfung auffrischen?

Die Gesundheitsministerkonferenz hat beschlossen, dass folgende Menschen ihre Impfung auffrischen können: über 80-Jährige, Personen, die in Pflegeeinrichtungen behandelt, betreut, gepflegt werden oder dort leben und Pflegebedürftige, die zu Hause gepflegt werden. Außerdem Menschen mit einer Immunschwäche oder unter einer Therapie, die das Immunsystem unterdrückt.

Was gilt für Personen, die zuerst einen Vektorimpfstoff bekommen haben?

Vektorimpfstoffe sind die Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson&Johnson. Wer ausschließlich mit einem dieser beiden Vakzine geimpft wurde, bekommt unabhängig von Alter oder einem medizinischen Grund eine Auffrischimpfung.

Bekommen Pflegekräfte noch mal eine Impfung?

Für Pflegekräfte, die mit vulnerablen Gruppen arbeiten, werde eine Auffrischung derzeit nicht grundsätzlich empfohlen, so das Sozialministerium. Wenn Pflegekräfte das aber wünschen, können sie nach entsprechender ärztlicher Aufklärung auch ab 1.September erneut geimpft werden.

Gelten die jetzt berechtigten Personen nur dann als vollständig geimpft, wenn sie eine Auffrischimpfung bekommen haben?

Wie auch die generelle Impfung ist die Auffrischimpfung nicht verpflichtend, so ein Sprecher des Sozialministeriums. Die Auffrischung sei auch für die 3G-Regel nicht relevant. Das heißt: Vollständig geimpft ist man unabhängig von Alter und Gesundheitszustand auch nach zwei Impfungen – oder im Fall von Johnson&Johnson und bei Genesenen nach der einmaligen Impfung.

Warum bekommt nicht einfach jeder eine Auffrischimpfung?

Weil es nicht jeder braucht. Studienergebnisse weisen inzwischen darauf hin, dass es bei bestimmten Gruppen vermehrt zu einer reduzierten oder schnell nachlassenden Immunantwort kommen könne. Dies gelte insbesondere für relevant immungeschwächte Menschen sowie für Höchstbetagte und Pflegebedürftige, sagen Experten. Hintergrund ist: Das Immunsystem alter Menschen reagiert nicht so gut wie das von Jüngeren. Die eigentlich hohe Wirksamkeit der Impfstoffe kommt bei ihnen nicht voll zum Tragen. Ähnlich kann das bei Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sein.

Ab wann nach der letzten Impfung kann eine Auffrischung erfolgen?

Bei allen vorher genannten Gruppen muss die Zweitimpfung – oder bei Johnson&Johnson oder Genesenen die einmalige Impfung – mindestens sechs Monate zurückliegen.

Ich wurde schon vor länger als sechs Monaten geimpft. Bin ich jetzt nicht mehr geschützt?

Laut Sozialministerium bedeutet ein längerer Abstand zwischen Zweit- und Auffrischimpfung nicht, dass der Impfschutz in dieser Zeit nachlässt. Wie lange der Impfschutz gegen Corona hält, können Fachleute bisher noch nicht richtig beantworten. Der Schutz vor schwerer Erkrankung wird jedoch als länger anhaltend eingeschätzt, das gilt nach bisherigen Erkenntnissen auch bei der Delta-Variante.

Mit welchem Impfstoff werden die Auffrischimpfungen gemacht?

Nur die beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna werden für die Auffrischimpfung genutzt. Wenn die erste Impfung bereits mit einem mRNA-Impfstoff erfolgt ist, gibt es die Auffrischung mit dem Vakzin desselben Herstellers. Auch Personen, die eine Kreuzimpfung – also erst Astrazeneca, dann einen mRNA-Impfstoff – erhalten haben, sollen als Auffrischung einen Impfstoff des Herstellers bekommen, mit dem die zweite Impfung erfolgt ist. Personen, die bisher ausschließlich mit Astrazeneca oder Johnson&Johnson geimpft wurden, können für die Auffrischimpfung Moderna oder Biontech erhalten.

Muss ich für die Auffrischung auch zweimal geimpft werden?

Nein. Eine einzelne Impfdosis ist ausreichend, so das Sozialministerium.

Wo bekomme ich die Impfung?

Sowohl im Impfzentrum als auch bei den Hausärzten. Die Impfzentren werden in Baden-Württemberg nur noch bis Ende September betrieben. Das Sozialministerium geht davon aus, dass viele ältere Menschen sowieso mit dem Hausarzt oder der Hausärztin sprechen werden und sich dann auch dort impfen lassen werden, so ein Sprecher des Ministeriums.

Wie komme ich an einen Termin im Ludwigsburger Kreisimpfzentrum?

Wie ein Sprecher des Landratsamtes mitteilte, erfolgt die Terminvergabe analog zu den Erstimpfungen über die landesweite Hotline 116117. Eine Online-Terminvergabe sei im Fall der Auffrischimpfungen nicht möglich, so das Sozialministerium. Denn über den Impfterminservice könne kein Impfstoff ausgewählt werden, was beim Auffrischen aber nötig ist.

Kann ich auch ohne Termin im Impfzentrum eine Auffrischimpfung bekommen?

Ja, das ist möglich. In Ludwigsburg stehen alle Impfstoffe zur Verfügung. Es wird jedoch empfohlen, einen Termin zu vereinbaren, um Wartezeiten zu vermeiden. Erstimpfungen gibt es im Ludwigsburger Impfzentrum weiterhin auch ohne Termin.

Muss ich etwas mitbringen zur Auffrischimpfung?

Die Erst- und Zweitimpfung muss nachgewiesen werden. Das geht mit dem gelben Impfausweis oder dem digitalen Impfnachweis. Außerdem müssen sich die Menschen ausweisen. Personen, die aus medizinischen Gründen berechtigt sind, müssen ein ärztliches Attest oder einen Arztbrief mitbringen. Pflegekräfte, die eine Auffrischimpfung bekommen wollen, müssen eine formlose Bescheinigung des Arbeitgebers mitbringen.

Gibt es ausreichend Impfstoff für die Auffrischung? Oder kommt es wieder zum Terminchaos wie im Frühjahr?

„Der entscheidende Unterschied zum Start der Impfungen ist, dass wir jetzt deutlich mehr Impfstoff haben und zugleich ja nur eine kleine Gruppe von Personen von der Auffrischimpfung betroffen ist“, so ein Sprecher des Sozialministeriums. Deshalb sei die Situation bei den Auffrischimpfungen nicht mit jener zu Beginn des Jahres vergleichbar, als es darum ging, ein ganzes Bundesland zu impfen. Das Problem im Frühjahr sei gewesen, dass in ganz Deutschland einfach zu wenig Impfstoff zur Verfügung stand.

Wie bereitet sich das Ludwigsburger Impfzentrum auf die Auffrischimpfungen vor?

Das Landratsamt rechnet mit einem großen Andrang für die Auffrischimpfung. „Deshalb haben wir alle Straßen im Impfzentrum geöffnet und halten ausreichend Personal vor“, so der Sprecher.

Was sagt das Gesundheitsamt: Sind die Auffrischimpfungen überhaupt notwendig?

Das Ludwigsburger Gesundheitsamt ist der gleichen Meinung wie viele Experten zu diesem Thema: Eine Auffrischung für Personen mit Immunschwächen und Hochbetagte wird empfohlen, für alle anderen Personengruppen jedoch noch nicht.

Und was sagt die Ständige Impfkommission (Stiko)?

Die Stiko befasst sich gerade umfassend mit der Thematik. Eine Empfehlung für oder gegen eine Auffrischimpfung hat die Kommission bisher noch nicht ausgesprochen.

Ab wann fahren mobile Teams in Ludwigsburg Pflegeheime für die Auffrischimpfung an?

Die aktuelle Planung des Landratsamtes sieht vor, dass mobile Impfteams den gesamten September über im Landkreis unterwegs sind. „Wir stehen in direktem Kontakt mit sämtlichen Pflegeheimen des Kreises, in denen die erste und zweite Impfung durchgeführt wurde“, so der Sprecher des Landratsamtes. Es sei geplant, im September jeden Tag mindestens zwei Heime für die Auffrischimpfung anzufahren.

Werden jetzt dauerhaft alle sechs Monate Auffrischungen nötig sein?

Davon gehen Fachleute nicht aus. Von anderen Impfstoffen wisse man, dass eine späte Auffrischung die Gedächtniszellen nochmals so anrege, dass man auch ein, zwei Jahre, hoffentlich mehr, keine Impfung mehr benötigt. Auch das Virus dürfte sich Experten zufolge später – wenn die meisten Menschen immun sind – nicht mehr so schnell verändern: Nach einigen Jahren sei mit einer längeren Haltbarkeit der Impfstoffe zu rechnen, so das Fazit von Charité-Forschern zu ihrer Studie in einem Fachmagazin.

Autor: