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Ausflüge in futuristische Visionen vergangener Zeiten

Treff der Steampunks im Favoritepark – Kleidung mit viktorianischer Prägung und Accessoires im Stil der Zukunftsromane von Jules Verne

Ein Blickfang: Steampunks bei ihrem Ausflug zum Favoriteschloss. Fotos: Ramona Theiss
Ein Blickfang: Steampunks bei ihrem Ausflug zum Favoriteschloss. Foto: Ramona Theiss
Die Kostüme sind inspiriert von den Anfängen der Science-Fiction-Welt im 19. Jahrhundert.
Die Kostüme sind inspiriert von den Anfängen der Science-Fiction-Welt im 19. Jahrhundert.

Ludwigsburg. Ein Bild der ganz ausgefallenen Art hat sich am vergangenen Samstag im Favoritepark geboten: der Ludwigsburger Steampunk Stammtisch hatte sich zu einem Ausflug verabredet.

Ähnlich auffällig wie die Kostüme und Gestalten ist der Name der Gruppe, die das Treffen angestoßen und organisiert hatte: die Ehrenwerte Teeduell Gesellschaft Württemberg. Sie wurde aus dem Steampunk Stammtisch heraus geboren, der sich einmal Monatlich im Ratskeller in Ludwigsburg trifft. Sechs Damen vom „KomiTEE“ planen und veranstalten jährlich ein Steampunk Picknick mit Teeduell, die letzten Jahre ging es immer zum Schloss Monrepos. „Leider ist das in diesem Pandemiejahr nicht möglich. Auch der Stammtisch musste monatelang ausfallen“, erzählt Christina Dieterle, die mit ihrem Steampunk-Namen Cerid C. von Dieterelle als Vorsitzende des „KomiTEEs“ fungiert.

Sie fasste den Entschluss, einen schönen Spaziergang im Ludwigsburger Favoritepark zu organisieren. Natürlich von der Personenzahl begrenzt und mit den nötigen Schutzmaßnahmen. „Denn von den zeitreisenden Individuen aus der viktorianischen Zeit dürfen selbstverständlich keine Krankheitserreger in andere Zeitzonen verschleppt werden“, versichern die Organisatoren m it einem Augenzwinkern.

Wer und was sind eigentlich Steampunks? So beschreibt sich die Gruppe selbst: „Das sind vornehm gekleidete Ladies und Gentlemen aus der Zeit um 1900, die sich gerne mit Zylindern, Korsagen und Schweißerbrillen kleiden. Die meisten Accessoires und kuriosen Kreationen sind meist eigene Erfindungen, selbstgebaut und auch die Kostüme werden oft selbst geschneidert. Da dampft ein Zylinder, dort drehen sich Zahnräder, hier leuchten Taschen. Diese retrofuturistischen Elemente lassen die Zukunftsvisionen à la Jules Verne und H.G. Wells wahr werden und machen das bizarr Besondere der Gruppe aus, die sich gerne zu vornehmen Picknicks und zum Lustwandeln trifft.“

Ordnung muss natürlich auch bei Zeitreisen sein, darüber wacht bei den Steampunks das Amt für Aetherangelegenheiten. Die Autorin Anja Bagus hat in ihren Steampunk-Büchern dieses Amt erfunden und es kurzerhand auch in der Welt der Steampunk-Treffs ins Leben gerufen. Das Amt für Aetherangelegenheiten gibt Zeitreisepässe aus, die dann mit Temporalmarken bei verschiedenen Events von veritablen Punk-Beamten eingeklebt und gestempelt werden. Sie sind bei vielen Steampunks beliebt als Erinnerungsstück für viele Events. Dieterle: „Deshalb, und weil Zeitreisen ohne gültigen Pass natürlich verboten sind, hat fast jeder Steampunk hier so einen Zeitreisepass bei sich.“

Und was ist eigentlich ein Teeduell? Hier die Erklärung der Steampunks: Ein lustiger Wettstreit, bei dem die Kontrahenten einen Keks in eine Teetasse tunken, ihn wieder herausnehmen und mit ruhiger Hand, den Gegner stets im Blick, vor sich in die Höhe halten. Der getunkte Keks wird schnell weich und instabil. Ziel ist es, den Keks schnell in den Mund zu schieben und zu verspeisen, bevor er fällt. Wer den Keks länger halten kann und dabei nicht fallen lässt, ist der Sieger. (red)