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Rundgang

Bald dürfen Schafe beim Solarpark auf die Weide

Am Römerhügel ist nicht nur Deutschlands größte Solarthermieanlage in Betrieb gegangen, dort ist auch ein neues Biotop entstanden – Technik und Natur direkt nebeneinander

Blick von der für alle zugänglichen Aussichtsplattform über die Kollektorenfläche, im Hintergrund der alte, aber funktionstüchtige Wasserturm.
Blick von der für alle zugänglichen Aussichtsplattform über die Kollektorenfläche, im Hintergrund der alte, aber funktionstüchtige Wasserturm. Foto: Holm Wolschendorf
Im Technikgebäude wird das erwärmte Wasser weitergepumpt.
Im Technikgebäude wird das erwärmte Wasser weitergepumpt. Foto: Holm Wolschendorf
Der lange Steg führt zum neu angelegten Sonnenpfad.
Der lange Steg führt zum neu angelegten Sonnenpfad. Foto: Holm Wolschendorf
Der Wärmespeicher, ohne den es nicht geht.
Der Wärmespeicher, ohne den es nicht geht. Foto: Jans
Großflächige Landschaften für Eidechsen sind entstanden.
Großflächige Landschaften für Eidechsen sind entstanden. Foto: Jans
Blumen auch zur Freude der Spaziergänger.
Blumen auch zur Freude der Spaziergänger. Foto: Jans

Beeindruckend vor allem von der Aussichtsplattform, was sich am Römerhügel vor einem ausbreitet: Solarpanel an Solarpanel, und das auf einer Fläche von 14800 Quadratmetern. Wer noch eine Zahl braucht, um sich die Dimension vorstellen zu können – es sind 1088 Kollektoren, mit denen nicht Strom, sondern Wärme erzeugt wird. Totes Land ist es trotz der vielen Technik nicht. Es grünt schon ganz ordentlich in dem eingezäunten Gelände, teils schon so, dass die Stadtwerke überlegen müssen, wie das gepflegt wird. Mit einem Schäfer hat man Kontakt aufgenommen, nächstes Jahr werden die ersten Schafe anrücken. Damit die Kollektoren nicht leiden, hat man sie sogar schon auf stabilere Pfosten gestellt, so Stadtwerke-Geschäftsführer Johannes Rager.

Natur und Technik sollen sich nicht ausschließen, so die Bauherren, die nicht zu Unrecht stolz auf die 13 Millionen Euro teure Anlage sind. Gehen doch aus der ganzen Republik Anfragen dazu ein. Projektleiter Steffen Kurz führt immer wieder Neugierige von Hochschulen und Energiedienstleistern über das Gelände. „Es ist ein Aushängeschild für uns“, sagt Rager. Es ist die größte solarthermische Anlage, die es derzeit in Deutschland gibt, der Bund hat denn auch mit zehn Millionen kräftig mitfinanziert.

Ziel des Projekts ist, so der Vorsitzende der Geschäftsführung, Christian Schneider, in der Wärmeversorgung den Anteil regenerativer Energie zu erhöhen. 150 Millionen Kilowattstunden geben die Stadtwerke ab, 66 Prozent davon stammen inzwischen aus erneuerbaren Energien – wie etwa dem Holzheizkraftwerk oder Geothermieanlagen. Im Sommer übernimmt der Solarpark die Wärmeversorgung, das Holzheizkraftwerk kann runtergefahren werden. Beide Systeme, so die Fachleute, ergänzen sich. Ziel ist, die Hälfte des Wärmebedarfs der Stadt abzudecken, was 500 Millionen Kilowattstunden entsprechen würde. Doch das braucht Zeit. „Eine Arbeit für zwei Jahrzehnte“, so Rager.

Oben heiß, unten laut

So heiß es oben auf der Plattform ist, so laut ist es unten im Technikgebäude. Was die Solarexperten freut. Denn das heißt, dass die Pumpen arbeiten, sie transportieren das von der Sonne erwärmte Gemisch zum Wärmetauscher, und dort wird in dem getrennt laufenden System das Wasser erhitzt und weitergeleitet. Nur bei wolkenverhangenem Himmel und Regen ist es still hier. Jetzt brennt die Sonne herab auf die Kollektoren, heißes Wasser fließt. Die Finger verbrennen kann man sich dennoch nicht an den mächtigen, silbern glänzenden Rohren. Sie sind dick ummantelt.

Mit der neuen Anlage wurden fünf Kilometer neue Fernwärmeleitungen verlegt, bis ins Rotbäumlesfeld und bis hinüber nach Kornwestheim, die Anlage wurde zudem in bestehende Netze eingebunden. Manchmal war auch Geschick gefragt. Wenn etwa hinterm Lärchenholz mit den Rohren ein Bahngleis überbrückt werden musste, um den Speicher zu erreichen, der beim Holzheizkraftwerk steht. Ein Warmwasserspeicher wie zu Hause, mit einer Breite von 14 Metern und einer Höhe von 20 Metern etwas größer dimensioniert. Er speichert zwei Millionen Liter Warmwasser, was in Ludwigsburg an einem Tag für alle zum Duschen reichen würde.

Um den Speicher hat es viel Aufsehen gegeben. Im Wohngebiet Lärchenholz fürchtete man um die Sicht. Doch die Stadtwerke haben das Gespräch gesucht, ein Kompromiss ist gefunden, heißt es. Der kleine Koloss wurde farblich gestaltet, dahinter wurde eine Böschung angelegt, auf der vier große Pappeln gepflanzt wurden. Wenn diese kräftig werden, sollte das 2000-Tonnen-Teil nicht mehr so stören. Der Speicher steht auf einer Betonplatte, diese wiederum musste mit 19 dicken Pfählen gesichert werden, die tief in den Boden hinein reichen.

Zurück am Römerhügel zeigt sich das Gelände von einer ganz anderen Seite. Auf dem Areal gibt es viele Zaun- und Mauereidechsen, für die die Stadt ein neues Biotop angelegt hat. Direkt hinter dem Technikgebäude beginnt ein Gemisch aus Blumenwiesen, Stein- und Holzlandschaften. Für die Begutachtung wurde eigens der Kenner und Landschaftsökologe Hubert Laufer hinzugezogen. Neu angelegt wurde durch das Habitat hindurch ein Spazierweg, der unter schattigen Bäumen bis vor zum Wasserturm führt, dem Wahrzeichen des Römerhügels. Es ist ein Weg, wie Kurz sagt, vom Warmwasser zum (kalten) Trinkwasser, das ebenfalls die Stadtwerke bereitstellen.

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