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blühendes barock

Barocke Kunst auf Sand gebaut

Sechs Künstler zeigen noch bis Mittwoch, was sich aus dem Material alles machen lässt – Besucher bestimmen den Sieger

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Kevin Crawford lässt seine Dame in einer barocken Welt entstehen.
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Michaela Ciappini schwelgt mit ihren Formen im üppigen Barock.Fotos: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. In ein offenes Atelier hat sich das Blühende Barock verwandelt: Sechs Künstler beteiligen sich am Internationalen Sandskulpturen-Wettbewerb. Bis zum kommenden Mittwoch lassen sie sich dabei zuschauen, wie sie aus Sand überdimensionale Figuren kreieren. Die Besucher stimmen darüber ab, welches Werk ihnen am besten gefällt.

Bekanntlich haben die Götter vor den Erfolg den Schweiß gesetzt – im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor auf der Haut und einen Hut auf dem Kopf, so schützen sich die Sandkünstler vor der Sonne. Und die knallte vor allem am Samstag auch in der Broderie des Nordgartens gnadenlos vom Himmel.

Kevin Crawford ist hohe Temperaturen gewohnt. Er lebt in Australien, genauer gesagt in Perth an der Westküste. Seine Leidenschaft für die vergänglichen Kunstwerke aus Sand hat der gebürtige Amerikaner in Kalifornien entdeckt. Damals habe er „just for fun“, also aus Spaß, Kunstwerke am Strand gebaut, erzählt er. Das ist jetzt 37 Jahre her, erinnert sich der 61-Jährige im Gespräch. Aus dem Spaß wurde nach etlichen gewonnenen Wettbewerben und Lehrjahren bei anderen Sandkünstlern ein richtiger Beruf, für den er heute weltweit unterwegs ist. Im australischen Winter tourt er durch Europa und macht jetzt erstmals Station in Ludwigsburg. „Amazing“, findet er das Schloss. Der Sand sei „pretty good und clean“, so der Experte, und lasse sich gut bearbeiten. Seinen Beruf als Architekt hat er an den Nagel gehängt und baut heute lieber Kunstwerke aus Sand.

Seine berufliche Herkunft spiegelt sich in seiner Skulptur wider. Er gestaltet eine Dame aus der Barockzeit, die auf ein Fest geht. Ihr Ballkleid geht über in die Elemente einer barocken Stadt. Mit einer Wasserwaage misst Crawford nach, ob die vertikalen Linien gerade sind. Bis seine barocke Lady ausgehen kann, dauert es noch etwas. Fünf Tage haben die Sandkünstler Zeit. Sie arbeiten täglich zwischen acht und neun Stunden, bis ihre Skulpturen am Mittwoch fertig sind. Sie bleiben mindestens bis Ende August dort stehen.

Jeoren van de Vlag ist nicht nur als Sandkünstler beim Wettbewerb dabei, sondern auch der künstlerische Leiter des Sandkunst-Events im Blüba. „Die Hitze ist brutal“, findet der Niederländer. Doch nicht nur die Temperaturen machen ihm zu schaffen. „Am Anfang ist es schwer, das, was man im Kopf hat, in den Sand zu bringen“, sagt er. Aber das sei eigentlich bei jeder Skulptur so. Vor Regen haben seine Kollegen und er keine Angst. Für alle Fälle haben sie Folien dabei, mit denen sie ihre Kunstwerke abdecken können.

Michaela Ciappini geht als einzige Frau bei diesem Wettbewerb ins Rennen. Konzentriert arbeitet sie an ihrer Skulptur und trägt Kopfhörer. Im Jahr 2004 habe sie die Sandkunst für sich entdeckt und sei in diesem Jahr schon in Dänemark, Holland und sogar Vietnam gewesen, erzählt die 41-Jährige. „Wow“ und „very nice“ lautet ihr Urteil über das Residenzschloss und die Grünanlagen ringsum. Voll des Lobes ist sie auch über die Qualität des Sandes: Der sei sehr „strong“, also fest. Deshalb ließen sich damit auch vertikale Flächen gestalten. Außerdem sei das Material sehr sauber, enthalte keine Muschelreste oder ähnliches. Etwa ein Drittel aller Sandkünstler – weltweit sind es zwischen 150 und 200 – seien Frauen.

Insgesamt 350 Tonnen Sand, das entspricht 15 voll beladenen Kieslastern, sind für die Veranstaltung Sandkunst ins Blüba gebracht worden. Das Material wird in Holzverschalungen angehäuft und mit Pressluftstampfern verdichtet. Die Künstler beginnen von oben nach unten zu carven, also mit Schaufeln, Spachteln und Pinseln zu schnitzen. Dabei entfernen sie jeweils die nächste Ebene der Verschalung, bis sie am Sockel angelangt sind und die Sandskulptur fertigstellen.

Als Regenschutz dient eine Leim-Wassermischung, die auf die fertigen Figuren aufgetragen wird. Von den Besuchern im Blüba bestaunt und fotografiert wurden vor allem die Skulpturen, die im Vorfeld des Wettbewerbs entstanden sind. Die überdimensionale barocke Dame mit prächtigem Kleid und Fächer fasziniert durch die detailgenaue Gestaltung. Zu bestaunen sind aber auch die Nachbildung der württembergischen Krone und das Konterfei von König Friedrich. In Blickachse zum eingerüsteten Schloss Favorite ist ein kleines Sand-Abbild entstanden.

Doch nicht nur Schauen ist angesagt: Passend zur Sandkunst sind große Sandkästen aufgebaut worden, in denen die Sandkünstler von morgen schon mal üben können. Liegestühle laden zum Chillen ein und sorgen – abgerundet durch das kulinarische Angebot – für entspannte Urlaubsstimmung.

Info: Sandkunst im Blühenden Barock bis zum 31. August, Infos im Internet unter www.sandkunst-ludwigsburg.de