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Körperverletzung

Beckers Prügelattacke jetzt vor Gericht

Wegen vorsätzlicher Körperverletzung muss sich der Schauspieler Ben Becker nächste Woche vor dem Ludwigsburger Amtsgericht verantworten. Im März hatte er einen Fotografen der Bietigheimer Zeitung ins Gesicht geschlagen. Der Fotograf unserer Zeitung wird als Zeuge aussagen.

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Ben Becker als Judas: In dieser Rolle war der Sänger und Schauspieler auch in Ludwigsburg zu Gast. Ein Besuch mit Folgen.Archivfoto: dpa

Ludwigsburg. Er ist als Rüpel und Exzentriker bekannt: Am kommenden Mittwoch steht Ben Becker wegen Körperverletzung vor Gericht. Bei einer Lesung im Forum hatte er einen Fotografen mit dem Ellenbogen geschlagen. Der Fotograf erstattete Anzeige, die Staatsanwaltschaft Stuttgart verhängte daraufhin einen Strafbefehl mit einer Geldstrafe in Höhe von 30 Tagessätzen gegen Becker. Damit wollte sich dieser aber nicht abfinden und legte Einspruch dagegen ein. Deshalb kommt es jetzt zur Verhandlung.

Ob der Schauspieler persönlich kommt, ist noch nicht bekannt

Laut dem Richter Ulf Hiestermann vom Amtsgericht ist das persönliche Erscheinen von Ben Becker zwar angeordnet, „er kann sich in der Hauptverhandlung aber auch durch einen Verteidiger vertreten lassen.“ Ob Becker oder seine Anwälte die Strafe herunterhandeln können, ist unklar. Nach Einschätzung eines Experten dürfte am Ende in jedem Fall eine Geldstrafe bestehen bleiben.

Zumal der Fall recht klar liegt und vor den Augen von Hunderten Zuschauern und damit Zeugen stattgefunden hat. Am 15. März war Ben Becker mit dem Monolog „Ich, Judas“ im Ludwigsburger Forum zu Gast. Mit dem Veranstalter, der SBEntertainment-Gesellschaft, war vereinbart worden, dass Pressefotografen die Möglichkeit haben, in den ersten zehn Minuten der Aufführung zu fotografieren.

Die Absprache war aber offenbar ohne den Schauspieler getroffen worden. Becker fühlte sich jedenfalls vom Klicken der Kameras gestört. „Hört auf mit dem Scheiß“, hat er zunächst in Richtung der Fotografen gerufen. Dann verließ er blitzschnell die Bühne und stürmte auf den Fotografen der Bietigheimer Zeitung zu. Zunächst entriss er ihm die Kamera, dann bekam der Fotograf noch einen Ellenbogen von Becker ins Gesicht. Nach dem Übergriff kehrte Becker zurück auf die Bühne und setzte seinen Judas-Monolog fort, als wäre nichts gewesen. Erst am Ende der Vorstellung ging er nochmals auf das Geschehen ein. „War ja nicht so bös gemeint. Die Fotografen werden es schon verkraften.“

LKZ-Fotograf Oliver Bürkle stand am 15. März direkt neben seinem Kollegen von der Bietigheimer Zeitung. Neben vier anderen Zeugen wird er am kommenden Mittwoch vor Gericht aussagen. Bürkle erinnert sich noch genau, wie Becker von der Bühne gestürmt und auf die Fotografen losgegangen ist.

„Der Kollege stand etwa eineinhalb Meter von mir entfernt. Zuerst hat Becker ihm die Kamera aus der Hand gerissen“, schildert er. Der Kollege habe dann ganz verdutzt erwidert: „Was soll das denn jetzt?“, und habe sich die Kamera zurückgeholt. Daraus habe sich ein Wortgefecht ergeben, am Ende habe Becker dem Fotografen dann seinen Ellenbogen ins Gesicht geschlagen. „Wir sind dann beide sofort zum Management des Schauspielers hinter die Bühne und haben uns beschwert“, erinnert sich Oliver Bürkle. Doch den Manager habe der Vorfall überhaupt nicht interessiert. Am nächsten Tag wurde Bürkle von der Polizei als Zeuge vernommen.

Er schlägt den Fotografen

vor vollen Publikumsrängen

Der Fall ist für Oliver Bürkle bis heute völlig unverständlich. Zum einen haben sein Kollege und er sich beim Fotografieren an die Vorgaben gehalten. Zum anderen hat den LKZ-Fotografen erschreckt, dass es im Publikum überhaupt keine Reaktion gegeben habe. Obwohl Hunderte Leute gesehen hätten, dass Becker den Fotografen geschlagen hat, sei niemand aus dem Publikum aufgestanden oder habe gegen Beckers Verhalten protestiert. „Schon eine komische Geschichte“, so das Resümee von Bürkle.

Der betroffene Fotograf kam mit einer leichten Lippenverletzung davon. Weder vom Schauspieler noch von dessen Management gab es in den ersten Tagen nach dem Vorfall eine Entschuldigung oder Worte des Bedauerns. Presseanfragen wurden nicht beantwortet.

Auch die Anfrage unserer Zeitung, warum Becker Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt habe und ob er vorhabe, persönlich auf dem Ludwigsburger Amtsgericht zu erscheinen, blieb bis gestern Abend unbeantwortet.