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Arbeitsmarkt

Betrieb klagt über Jobvermittlung

Ludwigsburger Firma sammelt schlechte Erfahrungen mit Vorschlägen der Arbeitsagentur – IHK und Handwerk: Einzelfall

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Die Firma Ott sucht Arbeitskräfte. Von der Arbeitsagentur vorgeschlagene Bewerber melden sich aber nicht. Foto: Sven Hoppe/dpa

Ludwigsburg. Rainer Hildenbrand muss sich schwer wundern. Seit zwei Jahren bekommt der Geschäftsführer der Ludwigsburger Firma Ott – Haus der Fußböden und Innenausstattung Vermittlungsvorschläge der Agentur für Arbeit. Arbeitslose sollen sich bei ihm um eine Stelle bewerben. „Von etwa 30 Personen hat sich keine einzige bei uns gemeldet. Noch nicht mal telefonisch abgesagt. Die scheinen auch so ganz gut über die Runden zu kommen“, spekuliert Hildenbrand – und fragt sich, inwieweit die Behörde dies nachverfolgt und ahndet.

Experten aus dem Handwerk sehen darin einen Ausnahmefall. Auch Martin Scheel, Leiter der Ludwigsburger Arbeitsagentur, ist überrascht. Normalerweise setzen sich die Unternehmen direkt mit ihrem Ansprechpartner beim Arbeitgeberservice in Verbindung und schildern die Problematik. So macht das auch Hildenbrand: Das Formular der Arbeitsagentur sendet er in der Regel zwei bis drei Wochen später zurück. Umso unerklärlicher scheint, woran es hakt.

Die zuständigen Vermittler prüfen und thematisieren die Rückmeldungen mit dem Jobsuchenden. Um deren Bezüge zu kürzen, müsse aber schon mehr passieren. „Eine Sperrzeit wird nicht automatisch verhängt, da gehen wir mit Augenmaß vor. Da muss schon der Eindruck einer Verweigerungshaltung zu spüren sein“, erklärt Scheel. Im Falle einer missglückten Vermittlung seien die Mitarbeiter angehalten, über andere Wege nachzudenken, so Scheel. Das könne eine Art Ursachenforschung im Unternehmen sein: Hat die Stellenausschreibung vielleicht zu viele Anforderungen? Was könnte Bewerber abschrecken? Man könne auch alle Betroffenen zu einem Gespräch in die Agentur einladen. „Wichtig ist die unmittelbare Rückmeldung der Arbeitgeber, darauf sind wir angewiesen“, betont Scheel.

Dass ein Bewerber nicht beim Unternehmen erscheint, kann mehrere Gründe haben, erklärt Scheel: Es mangelt bekanntlich an Fachkräften, auch im Handwerk. Die Bewerber haben viele Möglichkeiten unterzukommen. Zudem bekommen Arbeitssuchende, die beispielsweise im Rems-Murr-Kreis wohnen, auch Stellen in Ludwigsburg angeboten – und bevorzugen dann den Job in ihrer Nähe. Hinzu komme: Viele Arbeitgeber hätten gerne eine Auswahl an zehn, zwölf Bewerbern.

„Wir orientieren uns an den Wünschen der Betriebe. Der Anspruch ist stets, eine hundertprozentige Deckungsgleichheit mit den Anforderungsmerkmalen der Stellenausschreibung zu erreichen“, sagt Scheel. Oft sei dies nicht möglich. Dann werde nach Kandidaten geschaut, die nur zu 90 Prozent passen, in denen die Agentur aber Potenzial sieht, oder sie entsprechend weiterqualifiziert.

Zum Verständnis: Im Monat werden der Agentur etwa 1000 Stellen gemeldet. Daraus ergeben sich für seine 24 Beschäftigten im Arbeitgeberservice 10 000 bis 12 000 Vermittlungsvorschläge.

Kreishandwerksmeister Albrecht Lang hat jedenfalls von keinem anderen solch extremen Fall wie bei der Firma Ott gehört. „Oft bekommen Arbeitslose mehrere Angebote und bleiben dann woanders“, so auch seine Erfahrung. Lang lobt ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit der Agentur. Nicht nur, dass der Arbeitgeberservice in die Betriebe komme, um deren Bedürfnisse zu analysieren. Es gebe regelmäßige Treffen mit Infos über bundesweite Programme und deren Umsetzung vor Ort. Scheel nennt hier auch Treffen mit Branchen, die händeringend Leute suchen, etwa die Parkettleger, mit denen man ein Konzept für den Girls Day entworfen hat.

Die Arbeitsagentur habe sich, so Scheel, vor etwa zehn Jahren bundesweit zum Ziel gesetzt, effektiver zu werden, die Arbeitsvermittlung grundlegend zu ändern und zum Dienstleister zu werden. Offenbar mit Erfolg: „Früher war da mehr Bürokratie, das hat sich zum Positiven gewandelt“, lobt Lang. Jochen Haller, Chef der IHK Bezirkskammer Ludwigsburg, sieht das genau so. Dass vom Amt keine vernünftigen Bewerber geschickt würden – diesen Satz habe er schon lange nicht mehr gehört. Die Agentur achte viel mehr auf Passgenauigkeit zwischen Bewerber und Stelle als noch vor Jahren, die Erfolgsquote in der Vermittlung sei spürbar gestiegen. „Doch auch die Agentur kann den perfekten Bewerber natürlich nicht backen“, gibt Haller zu bedenken. Aber über eine ähnliche Häufung wie beim Betrieb Ott sei ihm nichts bekannt.