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Mut zu Alter und grauen Haaren
Bettina Bihr aus Ludwigsburg punktet als Model mit natürlicher Schönheit

Tägliche Spaziergänge mit Bulli halten Bettina Bihr, hier in einem Outfit von Heidi Höfer, in Form. Foto: Fotoatelier Füßinger/p
Tägliche Spaziergänge mit Bulli halten Bettina Bihr, hier in einem Outfit von Heidi Höfer, in Form. Foto: Fotoatelier Füßinger/p
Die grauen Haare sind so etwas wie ihr Markenzeichen und eine Botschaft zugleich. Denn Bettina Bihr ist mit 63 Jahren ein gefragtes Silvermodel. Sie will anderen Frauen Mut machen, zu ihrem Alter und ihrer natürlichen Schönheit zu stehen.

Ludwigsburg. Bettina Bihr ist ein echtes Multitalent und hat in ihrem Leben schon viele unterschiedliche Dinge gemacht. Momentan geht sie ihren Lieblingsbeschäftigungen nach: Sie modelt, vermittelt gemeinsam mit ihrem Partner anderen Menschen die Freude am Tanzen und betreut Gäste im Hotel Sonnenhof in Aspach.

Das ist Bettina Bihrs Geheimnis für frisches Aussehen

In ihrer Freizeit verbringt sie viel Zeit mit ihrem Hund Bulli, einer Mischung aus Labrador und Berner Sennenhund. Zweimal am Tag geht sie mit ihm spazieren und kommt so auf 23.000 bis 27.000 Schritte am Tag. „Das ist meine Auszeit“, sagt Bettina Bihr. Und die Bewegung an frischer Luft ist sicherlich das Geheimnis für ihr frisches Aussehen. Make-up, so verrät die 63-Jährige im Gespräch, benutzt sie nur in Maßen. „Ich bin ein natürlicher, sportlicher Typ“, beschreibt sie sich selbst. Der Schönheit mit Hyaluron oder Botox nachzuhelfen, kommt für sie nicht infrage. Sie setzt lieber auf klassische Mittel. „Viel Wasser trinken, viel Schlaf, kein Alkohol und kein Nikotin“, so die Ludwigsburgerin.

„Ich fand mich nie schön, hielt mich immer für zu dick, trotz Kleidergröße 36 bis 38“, erinnert sie sich. Inzwischen hat sie eine andere Einstellung zu sich und ihrer optischen Wirkung gefunden. „Das Aussehen hat viel mit der Lebenseinstellung zu tun“, ist sie überzeugt. Sie findet es schlimm, dass vielen Menschen der Mut fehlt, so zu sein, wie sie sind. „Die Linien in meinem Gesicht erzählen meine Lebensgeschichte“, so Bettina Bihr, die in Hoheneck zu Hause ist.

Diese Laufbahn hat sie früher eingeschlagen

Eigentlich wollte sie Maskenbildnerin werden, hatte den ersten Teil der Ausbildung bereits absolviert. Doch es war schwierig, an eine Stelle in einem Theater oder einem Fernsehsender – die vielen Privatsender gab es damals noch nicht – zu gelangen. Bettina Bihr fing bei der Post an und schlug eine Laufbahn als Beamtin ein. Sie heiratete, bekam zwei Söhne, die heute 34 und 31 Jahre alt sind. Später gab sie Baby- und Kleinkind-Schwimmkurse, arbeitete als Fitnesstrainerin, bei einem Juwelier und in einer Drogerie.

Diesen Platz belegte sie bei der Wahl zur „Miss 50 Plus Germany“

Ihr Leben nimmt eine entscheidende Wende, als sie vor zehn Jahren an der Wahl zur „Miss 50 Plus Germany“ teilnimmt und auf dem zweiten Platz landet. Den Job in der Drogerie hängt sie an den Nagel, das Modeln wird zum Hauptjob. Sie steht für Imagefilme großer Unternehmen ebenso vor der Kamera wie für Werbekampagnen von Versicherungen, Banken oder Casinos. Dort ist sie nicht nur die natürliche Schönheit mit Ausstrahlung, sondern verwandelt sich auch mal in eine Diva mit großem Make-up und toupierter Hochfrisur.

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Es gibt für sie allerdings Grenzen: Einen Pelz würde sie auch für ein Fotoshooting nie tragen und auch keine Werbung für Fleisch machen.

Auch einige Rollen als Komparsin hatte sie bereits

„In Ludwigsburg wurde ich von Studenten der Filmakademie angesprochen, ob ich nicht Lust habe, als Komparsin mitzuwirken“, erinnert sie sich in einem Gespräch. Seitdem hat sie in einigen Fernsehproduktionen mitgewirkt, wie bei der Vorabendserie Soko Stuttgart oder bei dem SWR-Fernsehfilm „Carl und Bertha“ im Jahr 2014. Besonders gerne erinnert sie sich an die Werbekampagne eines Schweizer Pharmaunternehmens, für die sie in die Rolle einer coolen Motorradfahrerin schlüpft. Die lebensgroßen Aufsteller waren damals in vielen Apotheken in der Schweiz zu sehen. „Ich erinnere mich sehr gerne an die Dreharbeiten und das zugehörige Shooting. Es war total spannend“, so die 63-Jährige. Doch auch bei Modeschauen ist sie über den Laufsteg gegangen und hat die neusten Trends präsentiert.

Bettina Bihr hat eine weitere Leidenschaft

Sie hat nie viel Aufhebens um sich gemacht:„Viele Jahre wussten meine Bekannten nicht, dass ich modele.“ Aufgrund von Corona, aber auch wegen privater Ereignisse hat sie ihre Model-Karriere in den vergangenen drei Jahren etwas aufs Eis gelegt, startet jetzt aber wieder voll durch.

Und dann gibt es noch eine andere Leidenschaft: das Tanzen. Gemeinsam mit ihrem Partner bietet sie im Ratskeller in Ludwigsburg Discofox-Workshops mit anschließendem Übungstanzen an. Auch im Hotel Sonnenhof in Aspach werden Tanzkurse und -abende mit dem Schwerpunkt Discofox angeboten. Die Hotelgäste lernen aber nicht nur, sich mit den passenden Schritten zum Rhythmus der Musik zu bewegen. Als Gästebetreuerin im Hotel Sonnenhof bietet Bettina Bihr Führungen über das große Areal und Weinausflüge mit Verkostungen in die nähere Umgebung an. Und sie dekoriert die zahlreichen Schaukästen des Hotels. „Mir wird nie langweilig“, so die 63-Jährige.

Sie ermutigt andere Frauen, zu ihren grauen Haaren zu stehen

Ihre grauen Haare trägt sie mit großem Selbstbewusstsein, seit sie sich vor etwa zehn Jahren dafür entschieden hat, sie nicht mehr zu färben. Aufträge, für die sie die Farbe ihrer langen Haare ändern müsste, kommen deshalb für sie nicht infrage. Im Gegenteil will sie andere Frauen dazu ermutigen, zu der ergrauten Haarpracht zu stehen. Und das ist ihr auch schon einige Male gelungen.

Den Satz „Wegen Ihnen lasse ich mir meine Haare nicht mehr färben“ hat sie in den vergangenen Jahren bereits einige Male gehört. Sei, wie du bist, lautet das Credo, mit dem Bettina Bihr gerade jüngeren Frauen Mut machen will, die durch die sozialen Medien mit einem verzerrten Schönheitsideal konfrontiert werden. „Die Fotos, die von mir gemacht werden, werden nicht bearbeitet“, betont Bettina Bihr. Ihre natürliche Ausstrahlung will sie sich auch in Zukunft nicht nehmen lassen – und anderen Frauen Mut machen, zu sich zu stehen.