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Kriminalität

Bienendiebe im Kreis unterwegs

Auf eine ungewöhnliche Beute haben es Diebe im Kreis Ludwigsburg abgesehen: Sie stehlen Bienenvölker. Die Polizei hat in diesem Jahr bereits vier Fälle registriert: Neun Bienenstöcke samt ihrer Bewohner sind in den vergangenen Wochen gestohlen worden.

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Vor dem Diebstahl: die Kästen der vier gestohlenen Bienenvölker in Aldingen. Foto: privat
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Ein Volk besteht aus rund 40 000 Bienen und kostet etwa 150 Euro. Archivfoto: Daniel Maurer/dp

Ludwigsburg. Martina Lausmann und ihr Mann Rolf Schmutzler aus Pattonville gehören zu den Hobby-Imkern, die besonders stark betroffen sind. Ihnen wurden gleich vier Völker gestohlen.

Sie hatten die Bienenkästen, die sogenannten Beuten, auf ihrem Stückle in Remseck-Aldingen im Gebiet Waldweingärten stehen. Als Rolf Schmutzler am 23. April dorthin fuhr, um als Schutz vor der Varroamilbe die Drohnenbrut herauszuschneiden, fand er nur noch die leere Abstellfläche vor. Von den Kästen fehlte jede Spur, vier Bienenvölker waren gestohlen worden. Ein Volk besteht aus rund 40 000 Bienen, das pro Saison bis zu 25 Kilo Honig liefert.

Später stellte Schmutzler fest, dass das Schloss am Gartentor aufgebrochen worden war. Auch eine drei Meter lange Aluleiter, die an einem Kirschbaum lehnte, war verschwunden. Das Grundstück sei zwar auf den ersten Blick nicht gut einsehbar, die Bienenkästen aber durchaus zu sehen, so Martina Lausmann.

Für die Streuobstwiesenpädagogin handelt es sich bei den Bienen um mehr als nur um Insekten. „Das sind Lebewesen, für die ich mich verantwortlich fühle“, sagt sie. Für ihren Mann und sie steht fest, dass es sich bei dem Dieb um jemanden gehandelt haben muss, der sich mit den Nutztieren auskennt. Und er muss mit einem relativ großen Auto vorgefahren sein, um die Beute abzutransportieren. Allein die entwendete Leiter misst zusammengeklappt drei Meter.

Weil sich noch Wachsplättchen und Pollen auf der Ablagefläche befanden, gehen die beiden Imker davon aus, dass sich der Diebstahl erst kurz zuvor ereignet haben kann. Dazu passt es ihrer Meinung nach, dass ungefähr zum gleichen Zeitpunkt im nur wenige Kilometer entfernten Bad Cannstatt sechs Bienenvölker eines Demeter-Imkers gestohlen wurden. Martina Lausmann ist davon überzeugt, dass es sich bei den Dieben um echte Profis handelt, die die Völker und Behälter weiterverkaufen. In den kalten Wintermonaten seien viele Bienenvölker eingegangen, entsprechend groß die Nachfrage, so die Streuobstwiesenpädagogin. Ein Volk kostet rund 150 Euro, hinzu kommen die Kosten für die Kästen. Den entstandenen Schaden, inklusive Leiter, beziffert sie mit rund 1700 Euro. Deshalb setzen ihr Mann und sie eine Belohnung in Höhe von 500 Euro für Hinweise aus, die zum Auffinden ihrer Völker oder des dreisten Bienendiebs führen.

Auch für Peter Widenhorn, Sprecher der Ludwigsburger Kreispolizeibehörde, steht fest, dass als Täter eigentlich nur Menschen infrage kommen, die sich mit Bienenhaltung auskennen: „Ein Diebstahl, um die Bienenstöcke anschließend zu zerstören, ist eher unwahrscheinlich.“ Am 23. Februar wurden zwei Völker zwischen Ludwigsburg und Freiberg gestohlen, Anfang März wurden ebenfalls zwei Völker in Ingersheim entwendet, ein weiterer Fall von Bienendiebstahl wurde in der Zeit vom 15. bis zum 17. April aus Kleinsachsenheim gemeldet. In Tamm allerdings hat ein Unbekannter zwei Bienenstöcke mutwillig zerstört. „Tatverdächtige wurden bei den Diebstählen nicht ermittelt. Das liegt vor allem daran, dass Bienenstöcke in der Regel in Gewannen außerhalb von Wohngebieten angesiedelt sind“, so Widenhorn. Die Diebe können dort fast unbemerkt agieren. Vermutlich geschieht das in den Nachtstunden, wenn sich die Bienen in ihren Stock zurückgezogen haben und eine gefahrlose Annäherung möglich ist. Damit die Diebe ermittelt werden können, ist die Polizei auf Zeugenaussagen angewiesen.