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Tierheim

Blinder Hund sucht ein Zuhause

Für einen Jagdhund mag der Name Bambi auf den ersten Blick unpassend erscheinen. Auf den zweiten Blick jedoch sieht man, dass die sechs Jahre alte Deutsch Kurzhaar-Hündin so ruhig und verschmust ist, dass sie wohl kaum einem Reh hinterherjagen würde. Könnte sie aber auch gar nicht: Bambi ist blind.

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Jürgen Berger hofft, für Bambi ein gutes Zuhause zu finden. Die Hündin ist blind, ihre Augenlider sind zugenäht. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Bambi liegt auf dem blauen Sofa, das mit einem Überwurf abgedeckt ist. Die Beine langgestreckt, den Kopf entspannt abgelegt. Als sie hört, dass etwas in der Wohnung vor sich geht, hebt sie neugierig den Kopf und macht Anstalten, vom Sofa zu springen. Jürgen Berger hält sie zurück und krault sie hinter dem Ohr, was sie sich gerne gefallen lässt.

Die Bergers sind Bambis Pflegefamilie. Bis sie ein richtiges Zuhause gefunden hat. Aber das ist nicht ganz leicht. „Wir suchen schon seit ein paar Wochen“, sagt Ursula Gericke, Leiterin des Ludwigsburger Tierheims am Kugelberg. Um Bambi den Zwinger im Tierheim zu ersparen, haben sie die Hundedame übergangsweise bei sich aufgenommen. „Wir würden sie gerne dauerhaft behalten, aber das geht leider nicht“, bedauert Jürgen Berger. Die Familie hat zwei Kinder (4 und 10), die Eltern sind beide berufstätig. „Wir können ihr auf lange Sicht nicht gerecht werden.“

Doch im Tierheimzwinger wäre Bambi auch nicht gut aufgehoben. „Sie kann sich dort nicht orientieren. Da wäre sie völlig hilflos“, sagt Berger. Nun hofft die Familie, dass sich möglichst schnell ein neues Zuhause für Bambi findet. Bis maximal Pfingsten kann die Familie die Hündin bei sich beherbergen. Wenn sich dann niemand findet, muss sie wohl ins Tierheim.

Bambi ist über eine Tierschutzorganisation aus dem Ausland nach Deutschland gekommen. Über Umwege landete sie im Tierheim am Kugelberg. „Als wir sie bekommen hatten, war klar, dass sie blind ist“, sagt Gericke. Ursache dafür ist aller Wahrscheinlichkeit nach eine nicht behandelte Augenentzündung. Mit einer Operation habe man versucht, Bambi zumindest das Erkennen von Licht und Schatten zu ermöglichen. Vergeblich. Ein erhöhter Augeninnendruck hat der Hündin zudem dauerhaft Kopfschmerzen verursacht. „Deshalb haben wir uns entschlossen, die Augen entfernen zu lassen.“ Die Operation ist erst wenige Tage her. Damit sie nicht die Nähte aufkratzt, muss Bambi kurze Zeit einen Trichter tragen.

Wenn Jürgen Berger mit der Hündin die Eingangstreppe am Haus hinunterläuft, ruft er vorher laut: „Achtung!“ Bambi weiß, dass jetzt Treppen kommen und läuft vorsichtig hinunter. Dreimal am Tag gehen die Bergers mit ihr Gassi, im Notfall springt eine Nachbarin ein. Wenn die Hündin allein zu Hause ist, kommt sie in einen Käfig. Dort hat sie ein kuschliges Hundebett und wartet geduldig bis zu fünf Stunden, bis sie wieder Gesellschaft hat. „Das ist kein Problem, das macht sie sehr gut mit. Stubenrein ist sie auch.“

So wie erblindete Menschen, machen sich auch blinde Hunde ihre Umgebung auf andere Art und Weise vertraut. „Das können Hunde sogar deutlich besser als Menschen“, so Gericke. Ein neues Zuhause sollte der Hündin vor allem Beständigkeit bieten. „Man sollte nicht alle paar Wochen die Möbel umstellen.“

Man könne mit Bambi ebenso in eine Hundeschule gehen wie mit einem sehenden Hund. „Mitleid hilft nicht, man muss sie beschäftigen und mit ihr arbeiten.“ Dass das auch gut in einer Familie mit Kindern funktioniert, stellt Bambi gerade bei den Bergers unter Beweis. „Das Wichtigste, das sie braucht, ist Zuneigung“, meint Jürgen Berger, während sich Bambi an ihn heranschmust und sich Streicheleinheiten abholt. Das funktioniert bekanntlich auch blind.

Info: Wer sich vorstellen kann, Bambi ein neues Zuhause zu geben, setzt sich mit dem Tierheim, Telefon (0 71 41) 25 11 45, in Verbindung. Bambi ist geimpft und kastriert. Tierarztkosten übernimmt zunächst noch das Tierheim.