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Behörden am Brückentag

Bürger bleiben draußen vor der Tür

Stocksauer war ein Leser aus Remseck, der am vergangenen Montag, dem Brückentag vor zwei Feiertagen, beim Landratsamt vor verschlossenen Türen stand. So wie ihm war es auch anderen ergangen – und das nicht nur beim Landratsamt. „Wo bleibt da die Kundenfreundlichkeit?“ fragte sich daraufhin nicht nur dieser Leser.

Kreis Ludwigsburg. Wir haben uns in Sachen Kundenfreundlichkeit von Behörden mal umgehört.

Ein Montag zwischen zwei Feiertagen: „Da nehme ich einen Tag frei und erledige endlich mal lästige Behördengänge“, dürfte sich manche(r) gedacht haben. Einer davon war unser Leser aus Remseck, der bei der Kfz-Zulassungsstelle im Landratsamt etwas zu erledigen hatte. Was er an diesem Montag erlebt hat, fasst er noch am gleichen Tag in einer E-Mail an unsere Zeitung so zusammen: „Leider stand ich wie viele Menschen vor verschlossenen Türen, obwohl im Internet stand, dass heute von 7.30 bis 15 Uhr offen sei. Viele haben extra frei genommen. Ich habe für 4,80 Euro Fahrtkosten. Wo bekomme ich die ersetzt? Einige hatten bereits Parkscheine gelöst. Die Leute waren alle verärgert. Die Kfz-Stelle in Waiblingen war geöffnet.“

Energiesparen im Landratsamt

Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte ein Sprecher des Landratsamtes, die Schließung sei rechtzeitig in der Presse, durch Aushang am Gebäude sowie auf der Homepage des Landratsamtes bekannt gemacht worden.

Als Grund dafür, die Behörde gerade an diesem Brückentag zu schließen, an dem viele Bürger Gelegenheit gehabt hätten, dort etwas zu erledigen, führte das Landratsamt „Gründe der Wirtschaftlichkeit“ an („Stichwort: Energieeinsparung“). Andernfalls hätte man das Haus wegen eines einzigen Arbeitstags „hochfahren“ müssen. Um das zu vermeiden, habe man den Montag als freien Brückentag genutzt – „wie viele andere Behörden und Firmen auch“. Das bedeutet „Zwangsurlaub“ für die Mitarbeiter? „Die Mitarbeiter hatten die Wahl, Urlaub oder Gleitzeit zu nehmen und haben das Angebot gerne angenommen“, heißt es aus dem Landratsamt. Auch der Personalrat habe sich für diesen Brückentag eingesetzt.

Das Energiespar-Argument hält Aspergs Bürgermeister Ulrich Storer für „ein Argument aus den 1970er Jahren“. Überhaupt war das Asperger Rathaus am Montag eine rühmliche Ausnahme. In Asperg ist das Rathaus an Brückentagen grundsätzlich geöffnet. Mitarbeiter, die selbst am Brückentag freinehmen wollen, dürfen das, eine Notbesetzung sei jedoch immer da. Auch das Standesamt sei besetzt gewesen. „Wer am Montag seinen Pass verlängern lassen wollte, konnte das tun“, sagte Storer, „vielleicht hat er dabei fünf Minuten länger warten müssen, weil wir nicht mit voller Besetzung gearbeitet haben.“

„Mitarbeiter wollen auch frei“

Einen standesamtlichen Notdienst hat man auch im Großbottwarer Rathaus bereit gehalten. Andere Amtsgeschäfte erledigen? Fehlanzeige. „Ich habe auch Mitarbeiter, die frei haben wollen“, rechtfertigt Bürgermeister Ralf Zimmermann die Schließung des Rathauses am Brückentag. Das werde einmal im Jahr so gemacht und sei deshalb in Ordnung, findet der Rathaus-Chef, zumal „wir ganz selten zumachen“. Am vergangenen Montag habe es sich eben angeboten.

Auch bei der Verwaltung in Bietigheim-Bissingen setzte man eher auf Mitarbeiter- denn auf Kundenfreundlichkeit. „Unsere Mitarbeiter haben auch ein Recht auf Urlaub“, heißt es bei der Stadt. Viele wollten diesen Brückentag als Urlaubstag in Anspruch nehmen und statt nur „halblebig“ da zu sein, habe man das Rathaus lieber gleich ganz zu gemacht. Die Bücherei und die Stadtinfo dagegen hatten offen.

Die Schließung sei rechtzeitig kommuniziert worden, deshalb habe es keine Beschwerden gegeben. Problematischer hingegen sei gewesen, dass krankheitsbedingte Ausfälle das Bürgeramt gebeutelt hatten. „Wir mussten schließen, weil keiner mehr da war. Da gab es eher Klagen“, heißt es aus dem Rathaus.

Auch in Ludwigsburg war geschlossen; die Rathaus-Information, die Bürgerbüros im Rathaus und in den Stadtteilen Neckarweihingen und Poppenweiler, die Tourist Information und der Ticket Service im MIK, sowie die Telefonzentrale waren nicht besetzt. Die Stadt hatte das auf ihrer Internetseite angekündigt. „Wir haben als Stadtverwaltung die besondere Kombination aus Schulferien und mehreren Feiertagen genutzt, um allen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen freien Tag zu ermöglichen“ heißt es dazu aus dem Ludwigsburger Rathaus.