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Liebhaberei

Buntes Völkchen mit bunten Autos

Auffallend wie ein bunter Hund ist der Harlekin, ein Auto der 1990er aus dem Hause Volkswagen. Am Samstag war eine ganze Parade von ihnen im Landkreis unterwegs. Eine farbenfrohe Landpartie.

Bei der Harlekinade am Monrepos dürfen auch die Accessoires farbig sein: Hund mit buntem Schal und Schuhe, passend zum Fahrzeug. Fotos: Ramona Theiss
Bei der Harlekinade am Monrepos dürfen auch die Accessoires farbig sein: Hund mit buntem Schal und Schuhe, passend zum Fahrzeug. Foto: Ramona Theiss
Bei der Harlekinade am Monrepos dürfen auch die Accessoires farbig sein: Hund mit buntem Schal und Schuhe, passend zum Fahrzeug. Fotos: Ramona Theiss
Bei der Harlekinade am Monrepos dürfen auch die Accessoires farbig sein: Hund mit buntem Schal und Schuhe, passend zum Fahrzeug. Foto: Ramona Theiss
Bei der Harlekinade am Monrepos dürfen auch die Accessoires farbig sein: Hund mit buntem Schal und Schuhe, passend zum Fahrzeug. Fotos: Ramona Theiss
Bei der Harlekinade am Monrepos dürfen auch die Accessoires farbig sein: Hund mit buntem Schal und Schuhe, passend zum Fahrzeug. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Der linke Kotflügel blau, die Türe gelb, die Motorhaube grün und das Dach rot. Was für die Kritiker eine optische Netzhautpeitsche ist, war für seine Fans einfach ein Spaßauto, das gute Laune macht. Sowohl bei Passanten, als auch beim Fahrer. Das Auto polarisiert“, meint Kenner und Oldtimerexperte Bernd Hahn. Der 63-jährige Hesse hat fünf Harlekine zu Hause stehen. Der Elektroniker Axel Klages, 33 Jahre alt, besitzt ebenfalls fünf von ihnen. Der Hamelner wird noch deutlicher: „Entweder man hasst ihn oder man liebt ihn.“

Aus ganz Deutschland strömten die seltenen Autos nach Pflugfelden. Im Goldenen Pflug nahmen ihre Besitzer Quartier, der gerade 15-jähriges Jubiläum feierte und sorgten für den Farbklecks beim Oktoberfest. Seit 2005 treffen sie sich jedes Jahr einmal, kreuz und quer über die Republik verteilt. „Aber es werden immer weniger“, bedauert Valerie Miersch aus Stuttgart, die das Treffen in Ludwigsburg arrangierte. Immer mehr werden von Rost und Unfällen, Motor- und Getriebeschäden sowie vom TÜV hinweggerafft. „Manchmal rechnet es sich einfach nicht mehr, weiter Geld reinzustecken“, sagt Klages.

„Es ist und bleibt ein einfacher kleiner Polo“, betont Hahn. Ein Alltagsauto, das in den meisten Fällen täglich bei Wind und Wetter fährt. Es gebe Exemplare, die haben schon 300 000 Kilometer auf dem Tacho. Für einen Kleinwagen ist das schon eine reife Leitung.

Entstanden ist der Harlekin als Marketing-Gag. Im Sommer 1994 hielten im VW-Konzern erstmals Ausstattungspakete Einzug. Die waren günstiger, als jedes Extra einzeln zu bestellen. Und sie waren vier Farben zugeordnet: Flashrot, Chagallblau, Pistaziengrün und Ginstergelb. 20 Polos wurden in diesen Farben kunterbunt lackiert und ausgewählten deutschen Autohäusern fürs Schaufenster zur Verfügung gestellt. Hahn hat zwei von diesen „Uris“.

Das stach ins Auge. Einige Kunden wollten so ein Gefährt im ungewöhnlichen Design haben. Einige wenige Vertragswerkstätten ließen sich breitschlagen und lackierten einen Polo von der Stange um. Die große Nachfrage erreichte auch die Zentrale in Wolfsburg. Sie ließ 1000 fertige Polos von der Stange auseinandernehmen und bunt wieder zusammensetzen. Sie tauften ihn wegen seines Äußeren „Harlekin“, eine Figur, bekannt aus der italienischen Commedia dell’arte. Wer bestellte, konnte keine bestimmte der vier Farbkombination auswählen. Er musste nehmen, was geliefert wurde. Dafür gab’s ein Zertifikat für die limitierte Auflage und einen eigenen Schlüsselanhänger mit Schriftzug.

Der Hype um den schräg-bunten Vogel wurde durch das Gewinnspiel einer Fast-Food-Kette weiter angefacht. Von da an war der Harlekin in aller Munde. Als flippiges Auto, das sich von der Masse des Einerlei abhob. Bis Juni 1997 wurden so 3806 Exemplare gebaut. Aktuell dürften es nur noch weniger als 600 sein. Unter anderem mit speziell bezogenen Sportsitzen, Harlekin-Schaltknauf und Schriftzug am Heck sowie einem blauen Lenkrad. Daran erkennen Spezialisten ein Original.

Auch wenn in manchen Oldtimer-Sammlungen ein Harlekin ein Muss ist, avancierte er doch nicht zum begehrten Kultauto. Die allermeisten sind mittlerweile ziemlich heruntergekommen und schon für ein paar hundert Euro zu haben. Neu kostete er je nach Motorisierung und Ausstattung bis zu 23 000 D-Mark. Heute sind es junge, kleine Dinosaurier und vom Aussterben bedroht. Die erste große Todeswelle kam mit der Abwrackprämie von 2009.

Sich vom Harlekin trennen? „Freiwillig niemals!“, waren sich die 25 Fahrerinnen und Fahrer einig.

In bunter Kolonne fuhren sie auf den Hohenasperg und ans Seeschloss Monrepos. Am Parkplatz vom Freibad Hoheneck grillten sie, bevor es zu Schillers Geburtshaus nach Marbach ging. In Hessigheim probierten und kauften sie Wein und paradierten durch die Besigheimer Alt- stadt. Immer staunend beäugt, immer erkannt und immer mit einem Grinsen im Gesicht.

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