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CJD Musikschule vor der Übernahme

Wird der Vaihinger Oberbürgermeister „Chefdirigent“ bei der CJD Jugendmusikschule? Es deutet viel darauf hin, dass es bis 2019 einen Wechsel in der Trägerschaft geben wird.

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Hier ist die CJD Musikschule Vaihingen untergebracht: Gebäude an der Grabenstraße. Foto: Arning

Ludwigsburg. Derzeit laufen Gespräche zwischen der Stadt Vaihingen und dem Christlichen Jugenddorfwerk. „Es wird geprüft, ob wir die Schule in kommunale Trägerschaft übernehmen“, bestätigt Oberbürgermeister Gerd Maisch. Immerhin sponsert man bisher schon jeden Schüler jährlich mit 517 Euro.

„Der CJD Jugendmusikschule geht es gut.“ So drückte sich deren Leiter Peter Kopp im März aus, als er im Kultur- und Sozialausschuss des Vaihinger Gemeinderats den Jahresbericht gab. Er wolle nicht meckern, meinte Kopp, der die Geschicke der Einrichtung seit 25 Jahren verantwortet. Er schwärmte von einem großen Konzert im kommenden Jahr. Gemeinsam mit Chören, dem Musikverein und dem städtischen Kulturamt wolle man im Juli eine große Vaihinger Orchesternacht auf die Beine stellen. Zwischen 250 und 300 Mitwirkende werden dabei voraussichtlich auf dem Verkehrsübungsplatz gemeinsam musizieren. Über einen möglichen Trägerwechsel wurde kein Wort verloren. Doch der wird sehr wahrscheinlich. Das Christliche Jugenddorfwerk und vor allem der Standort Vaihingen stellt sich aktuell neu auf. Eine Musikschule passe nicht mehr ins Portfolio, sagt Harald Gerharth, Gesamtleiter CJD Württemberg. Eine kommunale Trägerschaft sei deshalb besser und insgesamt für die Musikschule zukunftsfähig. Nach seiner Ansicht „treffen sich dabei in Vaihingen zwei Interessen“. Und es sei keineswegs so, dass man Vaihingen zwinge, die Schule weiterzuführen, etwa mit dem Argument: „Wenn ihr sie nicht übernehmt, machen wir dicht.“

Wie Vaihingens Oberbürgermeister Maisch wissen lässt, liegt der Verwaltung ein Antrag der Fraktion der Grünen zur Prüfung der Übernahme der Musikschule in städtische Trägerschaft vor. Auch Sondierungsgespräche mit den beteiligten Gemeinden hätten bereits stattgefunden. Ziel sei es, die Musikschule gemeinsam weiterzuführen – unter der Regie der Stadt Vaihingenn.

Der Vaihinger Gemeinderat soll noch vor der Sommerpause dazu Stellung nehmen. „Wir brauchen bei einer solchen Betriebsübernahme ein Jahr Vorlauf“, sagt Gerd Maisch. Die Mitarbeiter kann er beruhigen: „Es soll keine Kündigungen geben. Nichts würde sich unter kommunaler Führung ändern, allenfalls das Konto.“

Die Musikschule auf dem Kaltenstein ist in den 1970er-Jahren vor allem als Angebot für Spätaussiedlerkinder geschaffen worden (Instrumentalunterricht und Ensemblespiel). Dieses Angebot wurde nach und nach erweitert, so dass sich auch Kinder und Jugendliche aus der Umgebung für die „Jugendmusikschule im Jugenddorf“ interessierten. Bald waren es viel mehr diese Schüler, die den Großteil der Belegung ausmachten.

Im Jahre 1983 wurde mit der Stadt Vaihingen ein Kooperationsvertrag geschlossen. Der damalige Oberbürgermeister Heinz Kälberer musste mächtig trommeln, um im Gemeinderat eine 19:11-Mehrheit dafür zustande zu bringen. Vor allem vom Musikverein, zu dem sich das Verhältnis inzwischen normalisiert hat, wurde damals heftig quergeschossen. Der Vorwurf schon damals: „Das Jugenddorf lässt sich seine Musikschule von der Stadt bezahlen.“

In der Tat ist es so, dass Vaihingen zusammen mit Illingen und Eberdingen, die kurze Zeit später beitraten, sowie mit Sersheim, das 2006 seine eigene Musikschule auflöste und ebenfalls dazustieß, den Abmangel zu hundert Prozent abdecken. Für 2017 plant die Musikschule mit regulären Einnahmen von 553 000 Euro; um die Ausgaben von 834 834 Euro decken zu können, kommen aus den beteiligten Gemeinden in diesem Jahr pro Schüler satte 517 Euro (2015: 423 Euro).

Bis Juli 1998 war die JMS im Schloss untergebracht. Anschließend dann in den städtischen Räumen der ehemaligen Kassenblockfabrik, Grabenstraße 18, mit dem Eingang in der Keltergasse. Auf drei Etagen findet hier Unterricht statt.

Ein Rückblick auf das Jahr 1983. Wie sagte damals Stadtrat Horst Laier im Gemeinderat prophetisch? „Wenn wir alles genau betrachten, sind wir im Endeffekt gar nicht so weit weg von einer eigenen kommunalen Musikschule.“