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Karlshöhe

Corona besondere Herausforderung

Auf der Karlshöhe gibt es den ersten Covid-19-Fall. Eine Frau in der Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung wurde positiv getestet und in ihrer Wohngruppe isoliert. Mit Krisenstab, spezieller Betreuung und eigenem Pandemieplan sieht sich die Karlshöhe gut vorbereitet – sucht aber wie alle Einrichtungen verzweifelt nach Schutzausrüstung.

Ausgehend vom Kinderheim 1876 hat sich das Diakoniewerk Karlshöhe zu einem Zentrum diakonischer Einrichtungen entwickelt. In Ludwigsburg finden sich: die Altenhilfe „Haus am Salon“, das Ausbildungszentrum für Qualifizierung und Berufsausbildung, das
Ausgehend vom Kinderheim 1876 hat sich das Diakoniewerk Karlshöhe zu einem Zentrum diakonischer Einrichtungen entwickelt. In Ludwigsburg finden sich: die Altenhilfe „Haus am Salon“, das Ausbildungszentrum für Qualifizierung und Berufsausbildung, das „Haus auf der Wart“ für Männer und Frauen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten und zusätzlichen Angeboten für psychisch erkrankte Menschen, Hilfen für Menschen mit geistiger Behinderung und die Kinder- und Jugendhilfe. Foto: Werner Kuhnle

Ludwigsburg. Am vergangenen Sonntag wurde in der Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung auf der Karlshöhe die Covid-19-Erkrankung diagnostiziert. Damit ist das Virus auch auf der Karlshöhe angekommen, die angesichts der Corona-Krise ohnehin vor einer großen Herausforderung steht. Sofort nach der Diagnose sei die betroffene Frau auf ihrem Zimmer isoliert worden, so die Karlshöhe. „Ihr geht es gut“, sagte der Pressesprecher der Karlshöhe, Michael Handrick. Die zehn Bewohner der Wohngruppe, die zu ihrem Schutz in ihren Zimmern betreut werden, seien getestet worden und befinden sich in häuslicher Quarantäne, wie auch die Mitarbeiter der Kategorie 1, die engen Kontakt hatten.

„Wir haben prinzipiell einen hohen Hygienestandard“, sagt Handrick, bereits seit 13. März habe es in der Einrichtung ein Besuchsverbot gegeben. 70 Personen leben in unterschiedlichen Wohngemeinschaften auf der Karlshöhe, die seit diesem Tag keine Kontakte untereinander gehabt hätten. „Wir haben das Gesundheitsamt, die Heimaufsicht und die Mitarbeitenden informiert“, so Nicole Sicking, Geschäftsbereichsleiterin des Bereichs Hilfen für Menschen mit geistiger Behinderung der Karlshöhe.

Die Mitarbeitenden der Behindertenhilfe hätten die Nachricht sehr gefasst aufgenommen. „Sie sind für diesen Fall geschult und vorbereitet“, sagte Sicking.

Die Karlshöhe hatte bereits Ende Februar einen Pandemiestab mit dem Vorstand und den Abteilungsleitern gebildet, der täglich per Videokonferenz tagt, und einen Pandemieplan ausgearbeitet. Mit sogenannten PSA-Boxen (persönliche Schutzausrüstung mit Kittel, Handschuhen, Mundschutz, Desinfektionsmittel) wurden mobile Pflegestationen aufgebaut, übergreifend wurden im Pandemieplan der Karlshöhe wesentliche betriebliche Funktionen und Hygienestandards definiert sowie mögliche Szenarien bei einem Anstieg von Sars-CoV-2-Infektionen festgelegt. Alle Geschäftsbereiche, so Handrick, hätten zudem zusätzliche Pandemiepläne erstellt, die auf ihre speziellen Bedürfnisse abgestimmt seien.

Speziell ist auch die Betreuung in den Wohngruppen. Grundsätzlich sei es für Menschen mit Behinderung nicht einfach, mit Veränderungen zurechtzukommen, sagt Michael Handrick auf Nachfrage. Routine spiele eine große Rolle – vor drei Wochen hatten sie davon schon einen wichtigen Teil verloren: Am 16. März waren die Theo-Lorch-Werkstätten mit all ihren Arbeitsplätzen für Behinderte geschlossen worden. Auch das Besuchsverbot mache zu schaffen, alle Gemeinschaftsaktivitäten sind gestoppt.

Um Ängsten zu begegnen und mit der Veränderung klarzukommen, wurde eine Hotline für Angehörige eingerichtet, auch um den Kontakt zu halten. Der Nachtdienst wurde zudem erweitert, um sich gezielt um Verdachtsfälle kümmern zu können. Geschultem Personal unterstützt die Mitarbeitenden über ein telefonisches Beratungs- und Begleitangebot. Trainiert wurden der Umgang mit persönlicher Schutzausrüstung wie auch die Maßnahmen bei der Pflege einer infizierten Person.

Die gute Vorbereitung mache sich bezahlt, sagt Dr. Dörte Bester, Direktorin und Theologischer Vorstand der Karlshöhe, die ihr Team ausdrücklich lobt. Die Mitarbeiter seien „mit großartigem Engagement und hoher Professionalität für die von uns betreuten Menschen da“. Alle Bemühungen jedoch helfen nichts, wenn nicht genug Material da ist, das vor dem Virus schützt. „Wir haben in begrenztem Umfang Basis-Schutzausrüstung“, sagt Handrick.

Die Bundes-Lieferung von Masken, die an die Landkreise weitergeleitet wurde, kam auch in Ludwigsburg an. Für die Karlshöhe gab es FFP3-Masken „in kleinem Umfang“. Die Karlshöhe warnt: „Die Versorgung ist im Falle von Coronavirus-Erkrankungen in keiner Weise ausreichend“. Mehr Fälle von Covid-19 und lange Krankheitsdauer könnten so nicht gestemmt werden. „Auf Hochtouren auf unterschiedlichen Kanälen“ habe die Karlshöhe versucht, an Schutzausrüstung zu kommen. „Bisher leider erfolglos.“

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