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Corona

Corona-Impfungen: Nachfrage bei Hausärzten steigt, lange Schlangen bei Einkaufszentrum in Ludwigsburg

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben sich für eine Auffrischungsimpfung für alle vollständig Geimpften ausgesprochen. In den Hausarztpraxen steigt bereits jetzt die Nachfrage – auch in Ludwigsburg. Zudem gibt es lange Schlangen beim „Impfen to go“ im Breuningerland.

Bei den niedergelassenen Ärzten werden wieder mehr Spritzen aufgezogen, denn die Nachfrage nach der Impfung steigt. Foto: S. Gollnow/dpa
Bei den niedergelassenen Ärzten werden wieder mehr Spritzen aufgezogen, denn die Nachfrage nach der Impfung steigt. Foto: S. Gollnow/dpa

„Wir erleben gerade eine verstärkte Nachfrage nach Impfungen“, sagt Dr. Heinrich Mollenkopf, der zusammen mit Dr. Sabine Gröbe und Dr. Hans-Ulrich Gulden eine Hausarztpraxis in Eglosheim betreibt. Diese Erfahrung eines Ludwigsburger Arztes ist landesweit zu beobachten. In den vergangenen vier Wochen stieg die Zahl der Impfungen durch die niedergelassenen Ärzte nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) kontinuierlich an, wie eine Sprecherin der KVBW in Stuttgart mitteilte. Wurden in der ersten Oktoberwoche noch rund 85000 Impfdosen verteilt, waren es in den beiden Wochen darauf bereits 97000 und 104000 Impfdosen. In der vergangenen Woche stieg die Zahl der verimpften Dosen auf 107000.

In der Praxis von Dr. Mollenkopf gibt es jede Woche einen Impftag. In etwa drei Stunden werden dann 50 bis 60 Menschen geimpft. Wenn Patienten Interesse an einer Impfung haben, werden sie in eine Liste für einen bestimmten Tag eingetragen. „So eine Liste zu führen, ist organisatorisch natürlich schwierig“, sagt Dr. Sabine Gröbe. Patienten könnten sich keinen Wunschtag aussuchen. Aber anders sei das nicht zu machen. Schließlich können aus einer Ampulle vom Biontech-Impfstoff sechs Impfdosen gezogen werden. Diese müssen aber, wenn sie einmal aufgezogen wurden, innerhalb von maximal sechs Stunden verimpft werden. Wie berichtet, haben Hausärzte bereits kritisiert, dass sie an einem Tag die Impfdosen nicht ganz aufbrauchen. Deshalb hat sich die Praxis Dr. Mollenkopf dazu entschieden, einen Impftag pro Woche einzuführen.

Bei den Menschen, die sich jetzt zum ersten Mal impfen lassen, sei ein Großteil Schülerinnen und Schüler sowie Studierende, sagte ein Sprecher des Hausärzteverbands Baden-Württemberg. Ein Beweggrund sei etwa, auf die regelmäßigen Tests verzichten zu können. Andere Schüler kämen, weil sie bei einer Impfaktion in einer Schule geimpft wurden, nun aber ihre Zweitimpfung benötigten.

In die Praxis Mollenkopf kommen zur Impfung viele ältere Patienten – vor allem wenn es um die Drittimpfung geht. Die Jüngeren würden eher weniger in die Praxis kommen, vermutlich sprechen Impfungen ohne vorherige Terminvergabe wie etwa im Breuningerland (siehe im Text weiter unten) sie eher an. „Die Patienten kommen von sich aus und fragen nach der Auffrischung“, sagt Dr. Mollenkopf. Ob sich das jetzt, wo die Gesundheitsminister die Drittimpfung für alle empfehlen, ändert, bleibt abzuwarten. Dr. Mollenkopf vermutet, dass der Großteil eher zu Beginn des neuen Jahres kommen wird. Denn zwischen Zweitimpfung und Auffrischung müssen mindestens sechs Monate liegen.

Mollenkopf glaubt nicht, dass seine Praxis mit den Impfungen an eine Grenze stoßen wird, auch wenn noch mehr Impfwillige dazukommen. „Wir können noch mindestens auf das Doppelte aufstocken“, sagt er. Er kann jedoch verstehen, dass der Andrang vor allem in kleineren Praxen zu groß werden könnte.

Die derzeitige Nachfrage könnten die Ärzte noch gut bewältigen, sagte auch der Sprecher des Hausärzteverbands. Probleme bereite aber weiter die Logistik. Da die Corona-Impfdosen bislang nur alle zwei Wochen bestellt werden könnten, bestehe wenig Flexibilität. Für seine Praxis, so Mollenkopf, sei das kein Problem. Die Listen für die jeweiligen Impftage stünden schon frühzeitig fest. Nach der Konferenz der Gesundheitsminister am Freitag wurde mitgeteilt, dass die Lieferfristen für die Corona-Impfstoffe in Deutschland von zwei auf eine Woche reduziert werden. Dies hatte auch Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) in einem Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gefordert.

Was es auf keinen Fall braucht, so Heinrich Mollenkopf, sind Impfzentren. „Die Impfzentren waren wirklich eine katastrophale Idee“, sagt der Hausarzt. Gerade alte Menschen hätten keine Termine bekommen, außerdem seien die Zentren zu teuer, zu bürokratisch und zu aufwendig gewesen.

Bei der Impfstation im Breuningerland ist viel los. Eine lange Schlange zieht sich durch das Einkaufszentrum, manche Impfwillige geben auf und wollen es doch beim Hausarzt versuchen. „Das zeigt, dass wir mit dem Angebot einen Nerv getroffen haben“, sagt Dr. Roland Kolepke. Seine Praxis ist nicht nur die Ludwigsburger Schwerpunktpraxis für die Corona-Impfungen, sondern stellt auch ein Team für die Impfungen im Breuningerland zur Verfügung. Rund 150 bis 200Menschen werden täglich im Breuningerland geimpft. Jedoch ist die Impfstation dort nicht jeden Tag geöffnet, sondern derzeit donnerstags und freitags von 13 bis 17Uhr und samstags von 11 bis 15Uhr. Vonseiten Kolepkes könnte dieses Angebot ausgebaut werden. „Die Möglichkeit und der Bedarf sind da“, sagt er. Man sei gerade in Gesprächen mit den Verantwortlichen im Breuningerland, das Impfangebot im Einkaufszentrum auszuweiten. Die große Nachfrage im Breuningerland zeige, dass ein Großteil der Menschen ein niederschwelliges Impfangebot wünscht, so Kolepke. Viele wünschten sich eine „Impfung to go“, ohne vorher einen Termin zu vereinbaren. „Auch für Erstimpfungen entscheiden sich viele Menschen spontan“, sagt Kolepke. Deswegen seien auch weiterhin niederschwellige Angebote ohne Terminvereinbarung, wie zum Beispiel im Breuningerland, wichtig. (cars)

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