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Kirche

Corona: Vesperkirche mit Abholservice

Die Vesperkirche passt sich den Coronazeiten an: Statt drei Wochen lang jeden Tag in der Friedenskirche Mittagessen und Kaffee zu servieren, gibt es 2021 sechs Wochen lang Essen to go. Zehn Gastronomen geben drei Tage in der Woche Essen zum Abholen aus – in dem Jahr nur für diejenigen, die einen Tafelausweis besitzen.

Miteinander essen und reden sowie Menschen aus allen Gesellschaftsschichten kennenlernen: Dies wird es kommendes Jahr nicht geben. Essen zum Abholen, Ansprache vom Vesperkirchenteam und ein en Podcast für das Wort des Tages jedoch schon.Archivfoto: W
Miteinander essen und reden sowie Menschen aus allen Gesellschaftsschichten kennenlernen: Dies wird es kommendes Jahr nicht geben. Essen zum Abholen, Ansprache vom Vesperkirchenteam und ein en Podcast für das Wort des Tages jedoch schon. Foto: Wolschendorf

Ludwigsburg. Es ist das zwölfte Mal, dass die Vesperkirche ihre Tore öffnet, doch diesmal ist alles ganz anders. Corona lässt so viele Menschen, die gemeinsam essen und nah beieinandersitzen, nicht zu. Statt einen Monat lang Gasthaus in der Friedenskirche wird es kommendes Jahr vom 19. Januar bis 25. Februar einen Abholservice geben, an drei Tagen die Woche. Die Organisatoren von der Kreisdiakonie haben zehn Gastronomen gefunden, die in dieser Zeit dienstags, mittwochs und donnerstags Essen kochen, das abgeholt werden kann. Sieben Euro, so die Veranstalter, wurde als Preis ausgemacht, wie auch eine feste Abnahme von Essen. „Somit zeigen wir uns solidarisch mit den Ludwigsburger Gastronomen, die durch Corona ebenfalls schwere Zeiten durchmachen müssen.“ Das Essen wird dort direkt abgeholt.

Essen gibt es 2021 nur mit Tafelausweis

Die Vesperkirchengäste bekommen das Essen wie üblich für 1,50 Euro, davor müssen die Gutscheine in der Diakonie abgeholt werden. Die Verkaufsstelle befindet sich im Haus der Kirche & Diakonie in der Unteren Marktstraße 3. Gewählt wird auch der Tag, ein Tafelausweis muss vorgelegt werden, montags bis donnerstags wird von 10 bis 12 verkauft. „Ganz bewusst begrenzen wir jetzt das Essensangebot auf Menschen, die einen gültigen Tafelausweis besitzen.“ Mit dabei sind: Fräulein Cluss, Kullman‘s Diner, Metzgerei Lemberger, Bäckerei Luckscheiter, Bäckerei Lutz, Ratskeller, Rossknecht im Sudhaus, La Signora Moro, Da Tafuro und Weinstube Klingel.

„Wir können in der Friedenskirche nicht zusammen an einem Tisch sitzen, essen und ins Gespräch kommen“, sagt Bärbel Albrecht von der Kreisdiakonie, die die Vesperkirche seit Anbeginn betreut. „Wir können uns gut vorstellen, dass die Menschen mehr davon haben, weil die Essen gerade für ältere Leute gegebenenfalls auch für zwei Tage reichen. Zudem ersparen wir ihnen Wege unter Corona-Bedingungen“, betont Albrecht.

Wenn die Gäste an den Ausgabestellen der Gastronomen erscheinen, warten dort Mitarbeitende aus dem Vesperkirchenteam, um mit dem gebotenen Abstand einen kurzen Plausch zu halten. Wer länger reden möchte, hat dazu an einem extra eingerichteten Plaudertelefon die Gelegenheit. Dieses ist an den Vesperkirchentagen, also Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, von 14 bis 16 Uhr geschaltet. Zusätzlich gibt es eine „Vesperkirchentasche“. Darin finden sich kleine Gaben wie ein Kartengruß, ein geistliches Wort oder selbstgestrickte Socken, immer dabei ist ein Stück selbstgebackener Kuchen – „alles, was die Seele wärmt und an die Vesperkirchenatmosphäre in der Friedenskirche erinnert“.

Gottesdienste gibt es zu Beginn und am Ende der vier Wochen

Vesperkirchen-Gottesdienste sollen nur zur Eröffnung am 17. Januar und zum Abschluss am 28. Februar jeweils um 9.30 Uhr stattfinden. Aber auf das zum Vesperkirchenalltag gehörende „Wort zur Mitte des Tages“ muss niemand verzichten. Es soll als Podcast zu hören sein oder schriftlich als Beigabe zum Mittagessen verteilt werden. „Auch wenn das Miteinander dieses Mal schwierig wird, müssen wir die Vesperkirche nicht ausfallen lassen“, sagt Bärbel Albrecht. „Und darüber sind wir sehr froh.“

Auch im Rest Baden-Württembergs zwingt Corona die Vesperkirchen zu neuen Konzepten. Diese sind für Bedürftige viel mehr als nur die Gelegenheit zu einer Mahlzeit. Sie bieten Kontakte, Beratung und konkrete Hilfen. Doch unter den Bedingungen der Coronapandemie wird in diesem Winter vieles anders und kleiner sein, wie die Evangelische Landeskirchen in Württemberg und Baden am Donnerstag mitteilten. Derzeit seien 25 Vesperkirchen im Südwesten geplant, neun weniger als 2019.

In Baden soll es Angebote in Karlsruhe, Mannheim, Pforzheim und Singen (Landkreis Konstanz) geben. Mannheim macht vom 6. Januar an den Anfang, Pforzheim schließt zuletzt am 14. Februar. Das Coronakonzept umfasst eine Begrenzung der Plätze, in Karlsruhe etwa auf 70. In Mannheim soll vor der City-Kirche Konkordien ein Zelt für wartende Gäste aufgebaut werden. Gegessen werden soll in drei Schichten mit Pausen zum Lüften und Desinfizieren.

Vesperkirchen im Südwesten werden entzerrt

Im Kirchenbezirk Ravensburg-Weingarten wollen die Verantwortlichen ihre Angebote vom 17. Januar bis zum 13. Februar räumlich entzerren und auf drei Gemeindehäuser in Leutkirch, Ravensburg und Wilhelmsdorf verteilen. In Kirchheim unter Teck (Landkreis Esslingen) soll eine „Vesperkirche zu Hause“ erprobt werden. Gemeindemitglieder werden gebeten, andere Menschen zum Essen einzuladen. „Natürlich streng unter Corona-Regeln“ so Gemeindediakon Uli Häußermann. In Stuttgart startet die Vesperkirche in der Leonhardskirche am 17. Januar und dauert bis zum 6. März. In diesem Jahr hatte es in Stuttgart mitten in der Coronapandemie eine „Vesperkirche light“ gegeben – dabei wurden 13000 Essen an unterschiedlichen Orten ausgegeben, gekocht vom Küchenteam des Rudolf-Sophien-Stifts.

Der Württembergische Landesbischof Frank Otfried July nannte Vesperkirchen unverzichtbar. „Sie legen den Finger in die Wunde des Sozialstaats.“ In der Pandemie verschärften sich die sozialen Gegensätze. „Als Christen stehen wir klar auf der Seite der Armen und Benachteiligten.“

info: Die Vesperkirche in Ludwigsburg findet von 19. Januar bis 25. Februar 2021 statt, Essen gibt es mit Essensbon für 1,50 Euro, dieser wird nur an Tafelausweisinhaber ausgegeben. Die Essenbons gibt es im Haus der Kirche & Diakonie in der Unteren Markstraße 3, verkauft wird Montag bis Donnerstag von 10 bis 12 Uhr. Mit dem Bon wird auch ein Tag ausgewählt, an dem man sich das Essen direkt bei dem gewählten Gastronomen abholt.

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