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Favoritepark

Darum müssen einige Bäume im Favoritenpark gefällt werden

Mehr als 300 Jahre alt ist der Favoritepark bereits. Das Gebiet wurde als Hutewald angelegt. Um diesen Charakter zu erhalten, müssen im kommenden Herbst einige Bäume gefällt werden. Bei einem Spaziergang erklären die zuständigen Förster, welche Bäume wegmüssen und warum.

Damit die Eiche in der Mitte eine weite Krone entwickeln kann, müssen die Buchen weichen, so Förster Raphael Müller. Fotos: Holm Wolschendorf
Damit die Eiche in der Mitte eine weite Krone entwickeln kann, müssen die Buchen weichen, so Förster Raphael Müller. Foto: Holm Wolschendorf
Alle Bäume mit einer pinkfarbenen Markierung werden im Herbst gefällt.
Alle Bäume mit einer pinkfarbenen Markierung werden im Herbst gefällt. Foto: Holm Wolschendorf
Dieser Baum ist zwar beschädigt, darf aber stehen bleiben. Er bietet so manchen Insekten Lebensraum, erklärt Förster Christian Feldmann.
Dieser Baum ist zwar beschädigt, darf aber stehen bleiben. Er bietet so manchen Insekten Lebensraum, erklärt Förster Christian Feldmann. Foto: Holm Wolschendorf

Von einem „naturschutzfachlichen Kleinod“ und einem „Park zur Erholung“ sprechen die Förster von ForstBW, die staatliche Behörde, die seit einem Jahr auch für den Favoritepark zuständig ist. „Wir wissen um die Bedeutung dieses Parks“, sagt der Leiter des Forstbezirks Unterland, Christian Feldmann. Ihm und seinen Kollegen ist klar, dass den Ludwigsburgern viel am Favoritepark liegt, dass jeder Baum, der gefällt wird, für Entrüstung sorgt. Deshalb haben sie Monate vor den Arbeiten Naturschützer zu einem Spaziergang eingeladen. Das Ziel: Sie wollen ins Gespräch kommen und erklären, warum im Herbst und Winter 2021 Bäume gefällt werden müssen.

Großteil der Bäume bleibt als Totholz im Wald

ForstBW mache das nicht, um Geld zu verdienen, betont Raphael Müller, der das Forstrevier Neckar-Enz leitet. Man wolle den Charakter des Favoriteparks als Hutewald bewahren. Bäume, die mit einem pinkfarbenen Strich markiert wurden, sollen deshalb in ein paar Monaten weg. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Bäume, die weit entfernt von den Spazierwegen stehen. Gerade in den hinteren Beständen solle sich der Hutewaldcharakter weiterentwickeln, so Müller. Ein Merkmal des Hutewalds sind Eichen mit breiten Kronen (siehe Infotext rechts).

Raphael Müller zeigt auf eine Eiche, die bereits eine ausladende Krone hat. Nach Meinung der Förster könnte sie sich aber noch viel weiter ausbreiten, wenn die benachbarten Buchen nicht so nah an der Eiche stehen würden. „Deshalb werden hier zwei Buchen entnommen“, so Müller. Auch eine Rotbuche wird gefällt. Diese mache starke Probleme, weil die Baumart nicht so resistent gegen Dürre ist. Deshalb wolle man stattdessen die Eichen fördern. „Die Eiche ist einer der klimastabilsten heimischen Bäume“, so Feldmann.

Ein Baum, der schon sichtlich beschädigt ist, kann hingegen stehen bleiben. „Wir nennen das Käferbar“, erklärt Christian Feldmann. Solche Bäume würden gezielt stehen gelassen, damit sich im Totholz Insekten ansiedeln können. Abgestorbene Eichen bieten zum Beispiel dem Mittelspecht ein Habitat. Deshalb bleiben auch diese stehen. Auch der Großteil der gefällten Bäume werde als Totholz im Wald erhalten bleiben. Nur ein kleiner Teil – rund 15Prozent – wird energetisch verwertet.

Eichen werden innerhalb von Zäunen nachgezogen

Doch der Wald soll ein Wald bleiben. Deshalb gehe es jetzt darum, die Hutewald-Eichen kontrolliert nachzuziehen, so Feldmann. Doch neue Bäume zu pflanzen sei im Favoritepark nicht einfach wegen des Wilds, das diese schnell abfressen würde. Deshalb plant ForstBW, an großen Freistellen kleine Flächen mit Zäunen anzulegen. Innerhalb sollen natürliche Sämlinge die Chance bekommen, zu wachsen. Möglich sei es auch, kleine Bäume zu pflanzen, so Müller. Mehrere Flächen von jeweils zehn auf zehn Metern sollen eingegrenzt werden. Geplant sind Holzpfosten mit Drahtzaun, der etwas eingegraben wird, damit das Wild nicht unter dem Zaun durch kann.

Bis dann die Bäume tatsächlich so weit sind, dass das Wild ihnen nichts mehr anhaben kann, dauert es. Die Bäume müssen zuerst verborken, damit die Rinde den Hirschen nicht mehr schmeckt. Sonst schälen die Tiere die Bäume ab. „Die Zäune müssen wir sicherlich 20 bis 30Jahre stehen lassen“, so Raphael Müller.

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