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Gastronomie

Debatte: Was geht am Marktplatz, was nicht?

Kaum kommt an einem Wochenende die Sonne raus, schon stürmen die Menschen die Cafés und Restaurants auf dem Ludwigsburger Marktplatz. Also alles gut? Mitnichten. Nach wie vor gibt es zähe Debatten zwischen Gastronomen und Behörden um das, was erlaubt ist und was nicht. Letztes Beispiel: Thekenbretter zwischen den Arkadensäulen.

Der Tatort am Marktplatz: die zwei Bretter zwischen den beiden mittleren Arkadenbögen. Lange am Markt hat sie nach den Fragen aus der Lokalpolitik fürs Erste wieder entfernt. Was manche Gäste bedauern, soll Zeit für klärende Gespräche bringen. Foto:
Der Tatort am Marktplatz: die zwei Bretter zwischen den beiden mittleren Arkadenbögen. Lange am Markt hat sie nach den Fragen aus der Lokalpolitik fürs Erste wieder entfernt. Was manche Gäste bedauern, soll Zeit für klärende Gespräche bringen. Foto: Werner

Ludwigsburg. Die sogenannte Sondernutzungssatzung, in den vergangenen Jahren mit Leidenschaft und bis ins Detail vom Gemeinderat diskutiert, hat es in sich. Wie groß, wie farbig, mit oder ohne Aufschrift – für die Sonnenschirme hat die Stadt bis ins Detail Auflagen festgelegt. Ebenso ist bei Kübelpflanzen die Größe, Anzahl und Artenvielfalt pro Restaurant genau geregelt. Das Ziel: Den denkmalgeschützten Marktplatz vor optischem Wildwuchs bewahren. Bei all diesen Regulierungen wurde die Lokalpolitik jetzt aber von einer ganz neuen Erkenntnis kalt erwischt. Es gibt tatsächlich noch eine unregulierte Zone: die Arkadengänge. Dort wo die Säulen beginnen, sind die Flächen kein öffentlicher Raum mehr, sondern Privatbesitz der Hauseigentümer. Dort muss der Besitzer nur ein Durchgangsrecht gewähren. Ist dieser Bereich des Marktplatzes damit womöglich unregulierbar? Es schrillen die Alarmglocken in der Lokalpolitik und im Rathaus. Der Anlass: Ein Gastronom hatte zwischen zwei Arkadenbögen vor seinem Restaurant zwei Thekenbretter montiert, als Möglichkeit für Gäste, dort im Stehen oder auf Barhockern zu essen und zu trinken.

Darf der das? Und verstößt das nicht gegen die städtische Gestaltungssatzung zum Schutz des historischen Marktplatzes? Die Frage ist der Lokalpolitik so wichtig, dass gleich alle vier große Fraktionen im Gemeinderat – also CDU, Grüne, SPD und Freie Wähler – die Fragen an die Stadtverwaltung richteten und um Klärung baten. Deren Antwort im Bauausschuss kennt der betroffene Gastronom Florian Fleischmann von Lange am Markt schon längst: Es handelt sich um privaten Raum, und hier greift die Gestaltungssatzung nicht.

Eigentlich sei das Thema seit 2017 erledigt, sagt Fleischmann. Denn er habe die Bretter nicht einfach angebracht, sondern sich zuvor mit dem Denkmalschutz abgestimmt. „Wir haben die Erlaubnis.“ Also alles gut? Mitnichten. Es bleiben Bedenken und Befürchtungen. Zum Beispiel Sorgen um die Sicherheit der Marktplatzbesucher. Blockieren die Bretter bei einer Gefahr die Fluchtwege aus dem Haus und aus den Arkaden heraus? Und wenn sich jetzt herumspricht, dass die Gestaltungssatzung für die Arkaden gar nicht gilt, ist das der Anfang eines unbeherrschbaren Wildwuchses an und unter den Arkaden? Wenn jetzt einer zwei Bretter anbringt, was kommt dann als nächstes?

Florian Fleischmann hält die Sorgen zwar für unbegründet, hat die Bretter aber dennoch erst einmal wieder abmontiert. Nicht wegen der Sicherheitsvorschriften, die kein Hindernis seien. Aber er will ein Zeichen setzen und Gesprächsbereitschaft zeigen. „Ziel sollte es sein, einen kleinen Kreis mit Vertretern von Geschäftsleuten und Vertretern der Stadt zu etablieren, der bei offenen Fragen vermittelt und zu sinnvollen Lösungen kommt.“

Schnell zusammensetzen, das ist auch die Linie der Stadtverwaltung. Das Ziel sollte sein, so die neue Bürgermeisterin Gabriele Nießen, für die Arkadengänge möglichst schnell im Gespräch eine gemeinsame Haltung und Leitlinien zu finden. Das unterstützen auch die Fraktionen, sehen ihren Antrag als sinnvoll, weil er die Klärung einer offenen Frage angestoßen habe.

Konstruktiv und sinnvoll sind zwei Adjektive, die Florian Fleischmann gerne nutzt. Mit dem Lange am Markt ist auch die Interessengemeinschaft Marktplatz entstanden, die sich für den Marktplatz im Gesamten einsetzt. Das war nicht immer so. Der eine beschwerte sich über die Einhausung des anderen, der nächste stellte seine Tische irgendwo hin, die dritte installierte Geweihe, der vierte setzte auf Masse statt Klasse. „Jetzt können wir endlich gemeinsam agieren“, sagt Fleischmann.

Die Verkürzung der Sperrzeiten sei sichtbares Beispiel, wie gemeinsame Wünsche auch gemeinsam umgesetzt werden könnten. Worauf er stolz ist: „Bei den Gesprächen mit der Stadt waren wir alle beteiligt.“ Auf dem Marktplatz gebe es unterschiedliche Richtungen, aber „es ist für jeden genug da“. Die gute Stube müsse auch gepflegt werden. Seit kurzem ist Fleischmann auch im Gastro-Beirat von Luis, dem Verein der Innenstadthändler. Deswegen sieht er die Pflege der guten Stube auch als Geben und Nehmen. Er will durchaus Regeln, aber weniger zähe Diskussionen um zweifarbige Stühle oder gelbe Sonnenschirme, sondern ein Gesamtbild, mit dem jeder leben kann – Gastronomen wie Stadt.

Jetzt soll es erstmal eine gemeinsame Bestandsaufnahme auf dem Marktplatz geben. Dann, so hofft er, kommt Bewegung in die Sache. „Wir haben gemerkt, dass sich der Marktplatz positiv verändert.“ Was ihm wichtig ist: Die Gastronomen seien ein Aushängeschild für Ludwigsburg, das gewürdigt werden sollte. Konstruktiv: „Wir erhalten den Charme und arbeiten miteinander daran.“

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