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„Der Bahnhof ist ein Problem“

Sanierungsbedürftig, mangelnde Sicherheit, kaputte und dreckige Aufzüge: Was der Jugendgemeinderat in seiner Bahnhofsumfrage zu hören bekam, ist kein Ruhmesblatt für Ludwigsburg. Derzeit funktioniert der Aufzug in die Unterführung und zum Gleis 1 nicht. Jugendliche und auch Stadträte geizen nicht mit Kritik: Seit Jahren werde nur diskutiert.

Problemkind Bahnhof: Die Beschwerden über den Zustand und die Atmosphäre des zentralen Verkehrsknotens reißen nicht ab.Foto: Andreas Becker
Problemkind Bahnhof: Die Beschwerden über den Zustand und die Atmosphäre des zentralen Verkehrsknotens reißen nicht ab. Foto: Andreas Becker

Durch die Bank holte sich der Jugendgemeinderat am Dienstag für seine Umfrage am Bahnhof viel Lob im Bauausschuss ab – kein Wunder, waren die Stadträte doch der Meinung, sie hätten damit eine längst überfällige Aufgabe der Stadt erledigt. Das Fazit kam weniger an: Viele Leute fühlen sich am Bahnhof nicht wohl. „Sie haben gemacht, was wir von der Verwaltung gefordert haben“, sagte Reinhold Noz (CDU), Rügen ob der gefühlten Tatenlosigkeit kamen von SPD und Grünen, und Elga Burkhardt (Lubu) erinnerte daran, dass die Probleme schon seit dem Neubau 1989 ein Thema gewesen seien. Es habe „eigentlich null Verbesserungen“ gegeben.

Immerhin 30 Prozent sprachen bei der Umfrage des Jugendgemeinderats unter 208 Nutzern von einem schlechten Gesamteindruck, bei 37 Prozent positiven Bewertungen (siehe Text rechts). Wie Vithusan Vijayakumar, der Vorsitzende des Jugendgemeinderats, zu Beginn sagte, habe sich „das Gerücht“, Ludwigsburg habe den kriminellsten Bahnhof Baden-Württembergs, bei aller Kritik nicht bestätigt. „Wir haben einen anderen Eindruck.“

Das wird Harald Prasky mit Freude vernommen haben. Der Leiter des Polizeireviers Ludwigsburg stellte an dem Abend die aktuelle Kriminalstatistik für 2018 vor – und berichtete von einem Anstieg der Straftaten von 393 (2017) auf 435 am Bahnhof. Dies sei vor allem dem Anstieg der Ladendiebstähle und der Drogendelikte geschuldet, sagte er. Im Gespräch mit unserer Zeitung betonte er, die Umfrage des Jugendgemeinderats liefere „wertvolle Erkenntnisse“. Der Ruf nach mehr Polizei sei verständlich, aber bilde sich mit den zahlreichen Streifen nicht ab.

Mit der interdisziplinären Lenkungsgruppe Pro Sicherheit und einer Arbeitsgruppe habe die Stadt ein Instrument geschaffen, das Wirkung zeige. „Wir passen unsere Einsatzkonzeption ständig an“, sagte er, „der Bahnhof ist ständig auf der Tagesordnung.“ Wie auch die Umfrage der Jugendlichen zeige, „gibt es eine Diskrepanz zwischen der objektiven Lage und dem subjektiven Empfinden“.

Auch wenn er die Videoüberwachung im Inneren des Bahnhofs seit über zwei Jahren als äußerst positiv für „Gefahrenabwehr und Strafverfolgung“ bewertet, wollte er sich zu der geforderten Videoüberwachung außen und auf den Bahngleisen nicht äußern. Die große Mehrheit der Befragten, nämlich 83 Prozent, plädierte für eine Videoüberwachung. Die befürwortete auch der Großteil der Stadträte – SPD-Rätin Margit Liepins schlug gleich einen Zeitraum von 22 bis 6 Uhr vor, während Andy Rothacker (FW) davor warnte, einen Überwachungsstaat zu installieren.

Konkreter wurde es bei den Aufzügen, die der Jugendgemeinderat als zu klein für Räder, dreckig, stinkend und als oft kaputt anprangerte. Wenig schmeichelhaft die zitierten Assoziationen der Nutzer: Zwielichtige Gestalten, Unwohlsein, zu eng, Alkohol, sanierungsbedürftig, mangelnde Sicherheit, Drogen oder zu viele Zigaretten. Die damit fehlende Barrierefreiheit in Kombination mit den zu niedrigen Bahnsteigen wurde ebenso kritisiert wie die Beleuchtung am Busbahnhof sowie der fehlende Wartebereich im Bahnhof selbst. Vijayakumar wurde deutlich: „Gewisse Sachen lassen sich zügig verändern.“ Noz sah dies als „Handbuch, was er jetzt zu machen hat“ für den neuen Bahnhofsmanager Axel Müller.

Im Juli werde es ein Treffen der Lenkungsgruppe Pro Sicherheit mit dem Jugendgemeinderat geben, sagte Müllers Chef Heinz Mayer, Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung. Auch die Gespräche mit dem Gebäudebesitzer würden „wieder aufgenommen“, die Deutsche Bahn muss ebenfalls mit dazu. Arne Wintermeier, der Ende 2015 nach dreieinhalb Jahren als Bahnhofsmanager das Handtuch warf, hatte bereits eine Umfrage erstellt, die werde nun ebenfalls abgeglichen. „Wir gehen das wieder an.“

Die schwierigen Besitzverhältnisse hob auch Rothacker hervor. „Der Bahnhof ist ein Problem“, das Bahnhofsgebäude sei aber in privater Hand. Ilk wiederum reagierte leicht verschnupft auf die Kritik von Liepins, die Stadt habe das Thema verschlafen und zweieinhalb Jahre keinen Bahnhofsmanager gehabt. „Wir haben nicht die Lust verloren, sondern die Stelle.“ Heute Abend um 17 Uhr werden im Bauausschuss (Rathaus) die Pläne für das Bahnhofsareal vorgestellt. ZOB und der gesamte südliche Bereich sollen wie berichtet ab 2020 umgestaltet werden.

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