Logo

Der Baubranche geht das Holz aus

Zimmerer-Innung klagt über explodierende Preise – CDU-Politiker Bilger und Gramling informieren sich

Holz gilt mittlerweile als knappes und teures Gut.Foto: Jan Woitas/dpa
Holz gilt mittlerweile als knappes und teures Gut. Foto: Jan Woitas/dpa

Ludwigsburg. Deutschland ist bekannt für seine Heimwerker und der Südwesten als das Land der Häuslebauer. Doch der Baubranche geht das Holz aus – steigende Rohstoffpreise, die der Branche zu schaffen machen, sind die Folge. „Die Betriebe im Landkreis leiden unter der Holz-Flaute und den explodierenden Preisen“, betont Stefan Leibfried, Obermeister der Zimmerer-Innung im Kreis Ludwigsburg. Die Innung vertritt 40 Mitgliedsbetriebe im Kreisgebiet, die überwiegend im privaten Wohnungsbau aktiv sind.

„Aufträge können kurzfristig nicht mehr ausgeführt werden, geplante Gewerke müssen nachkalkuliert werden – mit erheblichen Preissteigerungen“, sagt Stefan Leibfried bei einem Informationsaustausch zu der sich zuspitzenden Lage mit den beiden CDU-Politikern Steffen Bilger und Fabian Gramling sowie Tanja Schöller, Geschäftsführerin bei Holzbau Link in Ludwigsburg. Die Initiative dazu hatte die Innung ergriffen. „Uns ist es ein großes Anliegen, im Gespräch mit den betroffenen Branchen Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren“, betonen der Ludwigsburger Bundestagsabgeordnete Bilger, Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, und Gramling, der bisherige Landtagsabgeordnete und Bundestagskandidat für den Wahlkreis Neckar-Zaber. „Der Holz-Notstand ist im Landkreis Ludwigsburg angekommen“, sagt Bilger. Die Holzbaubranche steht vor einem großen Problem. Seit Februar sind die Preise für Baumaterialien geradezu explodiert. Auch alle anderen Baugewerke sind betroffen. „Für eine Dachlatte, die vor der Coronakrise 50 Cent im Einkauf gekostet hat, kann man heute bis zu 1,50 Euro bezahlen“, erklärt Leibfried. Bei anderen Hölzern betrage der Aufschlag 200 bis 250 Prozent. Und bei Wärmedämmungen gebe es Aufschläge von 50 bis 70 Prozent, bei Rohren gebe es lange Lieferzeiten. Maurer und Stuckateure sind ebenfalls betroffen. Man munkle in der Branche, dass auch das Glas für Fenster knapper werde.

Das „Bauen mit Holz“ ist definitiv in der Gesellschaft angekommen. Aus Nachhaltigkeits- und Klimaschutzgründen wird dies auch von der Politik unterstützt. Die in Baden-Württemberg gestartete Holzbau-Offensive trägt zusätzlich zur Förderung bei. „40 Prozent der Ein- und Zweifamilienhäuser werden in Holz gebaut“, sagt Leibfried. Es wird in Zukunft also eher mehr als weniger Holz benötigt. Um die Klimaziele zu erreichen, ist Holz ein wichtiger Faktor – auch als Kohlendioxid-Speicher.

Die Zimmerer-Innung weist zudem darauf hin, dass sich der Handelsstreit zwischen den USA und Kanada rächt, auch viele weitere Baustoffe, wie Kanalrohre, Farben, Dämmstoffe, Schrauben, sind von Preissteigerungen und Verknappungen betroffen.

Der im Januar aus dem Amt geschiedene US-Präsident Donald Trump hatte in seiner Amtszeit auf kanadische Schnittholzimporte einen Strafzoll von 20 Prozent erhoben, weshalb der bis dahin größte Holzlieferant kaum noch Ware in die USA liefert.

Die Branche beklagt den Nachfrageboom aus Nordamerika und nicht voll ausgelastete Sägewerksbetreiber, die aufgrund der Lieferengpässe weniger Holz verarbeiten können. „Wir haben uns in Deutschland hohe Klimaziele gesetzt, heben den Wert des Waldes und des Holzes als CO-Speicher hervor“, sagt Leibfried. „Gleichzeitig verkaufen wir unser Holz an zwei Nationen, die unsere Klimaziele nicht teilen – die USA und China“, kritisiert der Innungsobermeister.

Autor: