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Graffiti

Der endlose Kampf gegen Schmierereien

Die Ludwigsburger Innenstadt versinkt seit Monaten in einer Welle von Schmierereien. Die Verwaltung kommt mit dem Putzen von Mauern und Wänden kaum noch hinterher. Die Verantwortlichen werden fast nie erwischt.

Einsatz am Bauernbrunnen auf der Bärenwiese: Giulio Damiano rückt den Schmierereien mit einem Granulat-Wasser-Gemisch zu Leibe (links und rechts unten). Seine Kollegin Fabienne Hackenberg assistiert ihm dabei. Ein Gebäude an der Ecke Karlsplatz/Stutt
Einsatz am Bauernbrunnen auf der Bärenwiese: Giulio Damiano rückt den Schmierereien mit einem Granulat-Wasser-Gemisch zu Leibe (links und rechts unten). Seine Kollegin Fabienne Hackenberg assistiert ihm dabei. Ein Gebäude an der Ecke Karlsplatz/Stuttgarter Straße (B 27) (rechts oben). Dort tauchen seit Monaten immer wieder neue Graffiti an der Hauswand auf. Der Eigentümer entfernt sie nicht. Foto: Holm Wolschendorf
Einsatz am Bauernbrunnen auf der Bärenwiese: Giulio Damiano rückt den Schmierereien mit einem Granulat-Wasser-Gemisch zu Leibe (links und rechts unten). Seine Kollegin Fabienne Hackenberg assistiert ihm dabei. Ein Gebäude an der Ecke Karlsplatz/Stutt
Einsatz am Bauernbrunnen auf der Bärenwiese: Giulio Damiano rückt den Schmierereien mit einem Granulat-Wasser-Gemisch zu Leibe (links und rechts unten). Seine Kollegin Fabienne Hackenberg assistiert ihm dabei. Ein Gebäude an der Ecke Karlsplatz/Stuttgarter Straße (B 27) (rechts oben). Dort tauchen seit Monaten immer wieder neue Graffiti an der Hauswand auf. Der Eigentümer entfernt sie nicht. Foto: Holm Wolschendorf
Einsatz am Bauernbrunnen auf der Bärenwiese: Giulio Damiano rückt den Schmierereien mit einem Granulat-Wasser-Gemisch zu Leibe (links und rechts unten). Seine Kollegin Fabienne Hackenberg assistiert ihm dabei. Ein Gebäude an der Ecke Karlsplatz/Stutt
Einsatz am Bauernbrunnen auf der Bärenwiese: Giulio Damiano rückt den Schmierereien mit einem Granulat-Wasser-Gemisch zu Leibe (links und rechts unten). Seine Kollegin Fabienne Hackenberg assistiert ihm dabei. Ein Gebäude an der Ecke Karlsplatz/Stuttgarter Straße (B 27) (rechts oben). Dort tauchen seit Monaten immer wieder neue Graffiti an der Hauswand auf. Der Eigentümer entfernt sie nicht. Foto: Holm Wolschendorf

Mit 270 Bar rückt Giulio Damiano der hässlichen Schmiererei zu Leibe. So viel Druck hat das knapp 100 Grad heiße Wasser-Granulat-Gemisch, das er auf die Kritzeleien feuert. Nur wenige Minuten dauert es, ehe der Kuhländler-Brunnen auf der Bärenwiese wieder sauber ist. „Das ist jetzt das dritte Mal, dass ich den Brunnen von Schmierereien befreie“, sagt Damiano. Eigentlich sei es an dieser Stelle der Bärenwiese gar nicht so schlimm. Richtung Schloss ist es viel übler. Die Wand des WC-Häuschens müsse mehrmals im Jahr gereinigt werden.

Seit vier Jahren ist Giulio Damiano bei den Technischen Diensten (TDL) für die Beseitigung von Graffiti auf städtischem Eigentum zuständig. Seit vier Jahren ist er tagein, tagaus in Ludwigsburg unterwegs und putzt mit Hochdruck oder Chemikalien Schmierereien und Aufkleber weg. Da das Problem nach Einschätzung der Stadtverwaltung in den vergangenen Monaten immer größer geworden ist, hat Damiano seit 1. August eine neue Kollegin. „Alleine komme ich nicht mehr hinterher“, sagt Damiano.

Immer mehr politische Botschaften

Nach Auskunft von Konrad Seigfried, dem Ersten Bürgermeister der Stadt, haben bei den Schmierereien vor allem die politischen Botschaften aus dem Bereich des Linksextremismus und dem Konflikt zwischen Kurden und Türken zugenommen. Auch Schulhöfe sind vermehrt betroffen. Künstlerisch anspruchsvolle Graffiti sind dagegen selten. Laut Damiano gibt es zudem verschiedene Banden, die mit Graffiti auf Hauswänden ihre Reviere markieren. Nach Aussage der Verwaltung gehen pro Tag mittlerweile fünf bis zehn Meldungen über illegale Graffiti bei der Stadt ein.

Im vergangenen April waren an vielen Mauern in der Innenstadt Schriftzüge der PKK oder das Wort „Haze“ in unterschiedlichen Kombinationen aufgetaucht. Etliche Betroffene haben Anzeige erstattet. Doch die Verursacher wurden bisher nicht gefasst. Auch in den meisten anderen Fällen kommt die Polizei den Tätern nicht auf die Spur (Infobox).

Wenigstens ist die technische Ausstattung der TDL so gut, dass alle Schmierereien beseitigt werden können. Natürlich muss Giulio Damiano darauf achten, dass jeder Untergrund anders ist. Auf dem Marmor des Kuhländler Bauernbrunnens funktioniert der Hochdruckreiniger aber einwandfrei. „Bei weichem Sandstein ist es manchmal schwieriger.“

Auch wenn kaum ein Sprayer erwischt wird, weist die Stadt darauf hin, dass illegales Graffiti eine Straftat und kein Kavaliersdelikt ist. Wird ein Verursacher erwischt, können auf ihn mehrere Tausend Euro Kosten zukommen – und im Extremfall auch eine Haftstrafe.

Durch die zusätzliche Mitarbeiterin hat die Stadt ihr Budget für die Beseitigung der Verunstaltungen praktisch verdoppelt. Etwa 100.000 Euro stehen dafür jetzt jährlich zur Verfügung. Größtenteils fließt das Geld in den Lohn der beiden Graffiti-Beseitiger. Mit der zusätzlichen Personalstelle möchte die Stadt aber auch ihre Strategie stützen, Schmierereien möglichst schnell zu entfernen. Denn wo eine Kritzelei ist, folgt schnell die nächste.

Privateigentümer oft zögerlich

Allerdings säubert die Stadt nur städtische Immobilien und städtischen Besitz. Privateigentümer sind selbst für die Reinigung ihrer Mauern und Wände verantwortlich, erklärt Konrad Seigfried. Und da hapert es manchmal offenbar am Engagement oder auch an den finanziellen Möglichkeiten. Einige Gebäude in der Innenstadt sammeln jedenfalls seit Monaten immer weitere Schmierereien.

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