Logo

Traditionsfest

Der Weihnachtsmarkt ist abgesagt

Jetzt also doch: Nur wenige Stunden vor Eröffnung des Weihnachtsmarktes hat die Stadt Ludwigsburg am Montagabend die Reißleine gezogen und den Weihnachtsmarkt abgesagt. Dieser wäre am heutigen Dienstag eröffnet worden.

Vergeblich aufgebaut: Der Weihnachtsmarkt wird auch dieses Jahr nicht stattfinden. Foto: Holm Wolschendorf
Vergeblich aufgebaut: Der Weihnachtsmarkt wird auch dieses Jahr nicht stattfinden. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Am Montagmorgen sah alles noch gut aus. Auf dem Marktplatz roch es schon nach Zuckerwatte und Würstchen, die Marktbeschicker legten letzte Hand an und richteten ihre Buden ein. Am Dienstagvormittag wäre eigentlich der Verkauf gestartet. Doch daraus wird nun nichts. Nach der Absage im vergangenen Jahr fällt der Weihnachtsmarkt bereits zum zweiten Mal aus.

Mario Kreh, Geschäftsführer des städtischen Eigenbetriebs Tourismus&Events, sagte auf unsere Anfrage: „Wir sind sehr enttäuscht, aber die Lage hat sich so verändert, dass es nicht anders geht.“ Man könne keinen Weihnachtsmarkt veranstalten, wenn wenige hundert Meter weiter das Klinikum die Bundeswehr angefordert habe.

Noch am Montagmorgen habe man sich Gedanken gemacht, wie man die 2G-plus-Regel hätte umsetzen können, sagt Kreh. Auch über eine Einzäunung des Areals habe man nachgedacht. „Aber dann haben sich die Ereignisse überschlagen.“ Gegen Mittag hatte die Stadt Esslingen ihren Weihnachtsmarkt mit Blick auf die dramatische Situation im Krankenhaus abgesagt. Kurz darauf habe sich das hiesige Gesundheitsamt gemeldet, Oberbürgermeister Matthias Knecht hatte zum Telefon gegriffen und mit Kliniken-Chef Professor Jörg Martin gesprochen. Danach sei klar gewesen: Auch Ludwigsburg wird seinen Weihnachtsmarkt absagen.

„Wir stehen kurz vor einer Überlastung unserer medizinischen Versorgungskapazitäten und müssen dringend gegensteuern“, wird Martin in einer Pressemitteilung zitiert. Oberbürgermeister Knecht fügt hinzu: „Wir stehen in der Verantwortung, eine Überlastung der Kliniken zu vermeiden. Es tut unheimlich weh, dass damit auch die Absage des Ludwigsburger Weihnachtsmarktes unumgänglich ist.“

Mario Kreh ist sauer auf die Politik. Die Landesregierung hätte, so sagt er, „schon längst reagieren müssen“. Nun trage man alles auf den Schultern der Marktbeschicker aus. „Ich hoffe, dass es zumindest eine Entschädigung vom Land für die Aussteller gibt.“ Moralisch sei das dringend nötig. Die Landespolitik hat bis Montag die Veranstaltung von Weihnachtsmärkten nicht grundsätzlich untersagt sondern es den Kommunen selbst in die Hand gegeben. Ludwigsburg hatte sich mit seinem Hygienekonzept gerüstet gesehen, den Weihnachtsmarkt zu veranstalten. „Aber natürlich müssen wir uns auch fragen, wie lange das gehalten hätte. Hätten wir nach zwei Wochen schließen müssen?“, so Kreh.

Jetzt hat die Stadt selbst die Entscheidung getroffen. Statt Eröffnung findet am Dienstag Abbau statt. Für die Marktbeschicker eine bittere und teils existenzielle Situation, wie Mario Kreht im Gespräch mit unserer Zeitung betont.

Autor: