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Klinikum

Die Corona-Prämie gibt es nicht für alle

Der Frust bei den Beschäftigten der Regionalen Kliniken Holding (RKH), zu der auch die Krankenhäuser in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen gehören, ist groß. Denn die Corona-Prämie erhalten nur die Mitarbeiter, die auf einer der ausgewiesenen Covid-19-Stationen ihren Dienst versehen haben. „Wir waren in dieser Zeit aber alle besonders gefordert“, betont Betriebsrat Hagen Klee.

Bis zur Erschöpfung: Dieses Bild zeigt Mitarbeiter eines Corona-Testzentrums in Südkorea. Nicht nur dort, auch hierzulande haben die Ärzte und Pflegekräfte bis an ihre Grenzen gearbeitet. Foto: dpa
Bis zur Erschöpfung: Dieses Bild zeigt Mitarbeiter eines Corona-Testzentrums in Südkorea. Nicht nur dort, auch hierzulande haben die Ärzte und Pflegekräfte bis an ihre Grenzen gearbeitet. Foto: dpa

Ludwigsburg. „Das Thema schlägt hohe Wellen im Klinikum“, sagt Klee. Denn auch die anderen Pflegekräfte möchten von dem Bonus profitieren und fühlen sich von der Klinikleitung ungerecht behandelt.„Wir hatten auch auf nicht speziell ausgewiesenen Covid-Stationen Patienten, die mit dem Virus erkrankt waren. Das Personal, das sich um die Menschen gekümmert hat, geht leer aus.“ Dabei seien diese Mitarbeiter noch nicht einmal so gut geschützt gewesen wie ihre Kollegen auf den Covid-Stationen, so der Betriebsrat.

Die RKH hatte mit ihren Mitarbeitern eigens eine „Betriebsvereinbarung Pandemie“ geschlossen. Demzufolge bekommen Mitarbeiter, die auf Covid-Stationen gearbeitet haben, eine Prämie von 25 bis 35 Euro pro Schicht. „Wer Vollzeit beschäftigt ist, der bekam ein paar Hundert Euro zusätzlich ausbezahlt“, erklärt Nadja Schmidt, Pflegereferentin bei der Geschäftsleitung. Inzwischen ist die Betriebsvereinbarung wieder außer Kraft gesetzt.

Der Betriebsrat will das so nicht stehen lassen. Er versucht nach wie vor, auch für den Rest der Mitarbeiter eine Prämie zu erwirken. „Alle Pflegekräfte haben eine enorme Leistungsbereitschaft gezeigt, sie haben alles gegeben und waren schon maximal belastet in die Krise reingegangen“, erläutert Hagen Klee. Nicht wenige hätten schon vor Ausbruch der Pandemie mehr als hundert Überstunden angehäuft. Dennoch hätte sich niemand geschont. „Ein Krankenhaus funktioniert nur als Team, deshalb sollten auch alle eine Prämie bekommen“, sagt Marc Kappler Gewerkschaftssekretär bei Verdi, der die Forderungen des Kliniken-Betriebsrats unterstützt.

Die Pflegekräfte in den Altenheimen erhalten einen Bonus von 1000 Euro vom Bund, der um weitere 500 Euro aufgestockt werden kann. Die Prämie für die Krankenhausmitarbeiter muss von den Kliniken selbst getragen werden. Geht man von einer Zahlung von 1500 Euro aus, würde das die Kliniken-Holding mit ihren rund 8000 Mitarbeitern zwölf Millionen Euro kosten. „Die Geschäftsführung sagt, das Geld sei nicht gegenfinanziert.“ In der Tat kann die RKH diese Kosten nicht in Rechnung stellen. Hinzu komme, dass „der ganze Betrieb Umsatzeinbußen“ verzeichnet, so Nadja Schmidt. Hagen Klee bleibt dabei: „Ein solches Defizit hätte man vertreten können.“

Die Pandemie hat in den Krankenhäusern alles auf den Kopf gestellt. Geplante Operationen wurden verschoben und Patienten auf andere Krankenhäuser verteilt. „Das Bietigheimer Krankenhaus zum Beispiel hatte einen Riesenbetrieb. Die Mitarbeiter dort waren sehr stark belastet“, erläutert Klee. Der sonst übliche Personalschlüssel sei nicht mehr eingehalten worden. Klee spricht von einer „heftigen Überlastung“.

Zudem hätten sich die Mitarbeiter zeitweise nicht ausreichend geschützt gefühlt. „Zwischendurch ist uns die Schutzkleidung ausgegangen“, erzählt Nadja Schmidt. „Ein Müllsack-Lieferant hat uns einen Schutzanzug-Bausatz geliefert aus Müllsäcken. So etwas ist für Mitarbeiter maximal belastend“, kritisiert der Betriebsrat, erkennt aber an, dass sich die Klinik „nach Kräften“ bemüht habe, an Schutzkleidung zu kommen. Die sei phasenweise eben schwer zu bekommen gewesen.

Dass Pflegekräfte nicht durch die Bank auf Covid-19 getestet wurden, sorgte innerhalb der Belegschaft für Unverständnis. „Die Geschäftsführung sagt, sie würde mehr testen, wenn sie könnte, aber offenbar gibt es nicht genügend Tests“, sagt Hagen Klee.

Dass in dieser Zeit die Mitarbeiter einen Gutschein für einen kleinen Blumenstrauß sowie eine Stofftasche mit dem Logo des Klinikums bekommen haben, sorgte, wie wir aus den Reihen der Pflegekräfte gehört haben, für Missstimmung. Statt der erhofften Prämie nur Blümchen und Einkaufsbeutel? „Das hatte nichts mit Corona zu tun“, betont Schmidt. „Das war eine kleine Aufmerksamkeit zum Tag der Pflege, das gibt es jedes Jahr.“ In diesem Jahr ist das von manch einem offenbar falsch verstanden worden. „Das war von Herzen gut gemeint, kam aber vielleicht zum falschen Zeitpunkt“, meint Klee.

Im September stehen die nächsten Tarifverhandlungen an. Betriebsrat Klee macht sich nicht allzu große Hoffungen, was das anbelangt. „Das wird schlechter für uns ausgehen.“ Der Applaus der vergangenen Monate, das seien alles „Lippenbekenntnisse“. Beim Geld höre die Solidarität auf. Das zeige sich schon jetzt bei der Prämien-Diskussion.

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