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„Dieselnachrüstung läuft jetzt an“

Einbausätze allmählich verfügbar – Regierungspräsident Reimer appelliert an Bürger, ihre Autos sauberer zu machen

Präsentieren den Diesel-Kat (unten, von links): Bürgermeister Konrad Seigfried, Regierungspräsident Wolfgang Reimer, Petra Tschirner, Werner Hofsäß, Petra Haas und Innungsobermeister Torsten Treiber. Bild oben: Hofsäß legt letzte Hand an dem eingebau
Präsentieren den Diesel-Kat (unten, von links): Bürgermeister Konrad Seigfried, Regierungspräsident Wolfgang Reimer, Petra Tschirner, Werner Hofsäß, Petra Haas und Innungsobermeister Torsten Treiber. Bild oben: Hofsäß legt letzte Hand an dem eingebauten Katalysator an. Foto: Andreas Becker
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Ludwigsburg. Ein mögliches Fahrverbot umgehen und für sauberere Luft sorgen – das können Fahrer eines Euro-5-Diesel, wenn sie ihr Fahrzeug mit einem Katalysator umrüsten, der dann auch einen Adblue-Tank hat. Doch wegen nicht lieferbarer Nachrüstsätze war das bislang nicht so einfach oder gar nicht möglich. Das soll sich nun ändern. „Die Dieselnachrüstung kann jetzt anlaufen“ gab sich der Obermeister der Kfz-Innung Region Stuttgart, Torsten Treiber, gestern beim VW- und Audi-Autohaus Tschirner & Fuchs in Ludwigsburg-Neckarweihingen zuversichtlich.

Unter den Augen von Regierungspräsident Wolfgang Reimer, Erstem Bürgermeister Konrad Seigfried und dem Innungsgeschäftsführer Christian Reher hat das Team von Petra Tschirner den zehnten Nachrüstsatz eingebaut, und zwar in einen VW Sharan. Gerade mal eine Stunde hat es gedauert, bis Werner Hofsäß mit seinen beiden Kollegen das alte Teil abgetrennt und das neue Teil angeschraubt hatten. Dass dies so schnell ging, liegt an dem Kat-System, das für VW Sharan und Seat Alhambra bestimmt ist. „In diesen Fahrzeugen ist der Adblue-Tank schon vorgesehen, war aber von den Herstellern nicht miteingebaut worden“, erklärt Petra Haas von Oberland-Mangold Katalysatortechnik aus dem bayerischen Eschenlohe zu dem völlig unverständlichen Verhalten der Hersteller. Deshalb könne das sogenannte Neoplus-SCR-System leichter angeschlossen werden. Bei älteren Euro-5-Dieseln muss der komplexere Katalysator Neoblue mit einem separaten Tank verbaut werden, was dann vier bis fünf Stunden dauern kann. Und auch etwas teurer ist. „Das kann bis zu 1000 Euro ausmachen“, sagt Haas. Für die Light-Version reicht der Zuschuss von 3000 Euro, den der VW-Konzern für die Hardwarenachrüstung inzwischen übernimmt. Das ärgert Torsten Treiber bis heute, dass die Hersteller Autos ohne Adblue-Tank verkauft haben, obwohl der Platz dafür vorhanden war. „Für den Export ging es doch auch“, schimpfte er.

Umrüstprämie gefordert

Er und Innungsgeschäftsführer Reher fordern daher eine Umrüstprämie oder den Erlass der Mehrwertsteuer für den Kateinbau, damit die Halter ihre Fahrzeuge sauberer machen und noch länger fahren können. Das Kraftfahrzeuggewerbe, also vorwiegend die Werkstätten, hätten mit 400.000 Beschäftigten bundesweit ebenso viel Mitarbeiter wie jeweils die Hersteller oder die Zulieferer, betont Reher die Bedeutung dieser Branche. „Wir sind ein Servicebetrieb und leben zu 80 bis 90 Prozent von Stammkundschaft“, hebt Petra Tschirner die Wichtigkeit des Werkstattgeschäfts hervor. Deshalb habe sie sich zusätzlich aufs Umrüsten spezialisiert. Sie und Hahn Automobilie sind die einzigen der etwa 900 Betriebe in der Region Stuttgart, die derzeit eine Euro-5-Nachrüstung machen können.

„Solche Firmen bräuchten wir mehr“, meinte Petra Haas von Oberland-Mangold. Ihre Firma sieht in der Region für das Neonplus-System ein von 15.000 Fahrzeugen. Mit 1000 Nachrüstsätzen stehen sie jetzt bereit, nachdem zuletzt noch die Coronakrise für Verzögerung sorgte. Auch Baumot, Dr. Pley/Bosal oder HJS (Nutzfahrzeuge) liefern inzwischen Nachrüstsätze. Aber teilweise ist laut Kfz-Innung mit mehrwöchigen Lieferzeiten zu rechnen.

Regierungspräsident Wolfgang Reimer und Erster Bürgermeister Konrad Seigfried appellierten indes auch an die Bürger, Euro-5-Nachrüstsätze einzubauen. Und ergänzend mit dem Maßnahmenpaket der Stadt Ludwigsburg zum Luftreinhalteplan gibt sich Reimer optimistisch, den Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid nicht zu überschreiten und möglicherweise Fahrverbote verhindern zu können. Auch hält es Seigfried für nachhaltiger, ein gebrauchtes Auto sauberer zu machen und länger zu fahren.

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