Logo

Electro-Festival
Dukeland am Ludwigsburger Monrepos: Maschinenmusik im Grünen

Die Massen feiern und tanzen auf dem Dukeland Open Air – unter anderem zu Klängen von DJ Sven Väth. Foto: Holm Wolschendorf
Die Massen feiern und tanzen auf dem Dukeland Open Air – unter anderem zu Klängen von DJ Sven Väth. Foto: Holm Wolschendorf
Die Massen feiern und tanzen auf dem Dukeland Open Air – unter anderem zu Klängen von DJ Sven Väth (im Bild). Foto: Holm Wolschendorf
Die Massen feiern und tanzen auf dem Dukeland Open Air – unter anderem zu Klängen von DJ Sven Väth (im Bild). Foto: Holm Wolschendorf
Die Massen feiern und tanzen auf dem Dukeland Open Air – unter anderem zu Klängen von DJ Sven Väth. Foto: Holm Wolschendorf
Die Massen feiern und tanzen auf dem Dukeland Open Air – unter anderem zu Klängen von DJ Sven Väth. Foto: Holm Wolschendorf
Die Massen feiern und tanzen auf dem Dukeland Open Air – unter anderem zu Klängen von DJ Sven Väth. Foto: Holm Wolschendorf
Die Massen feiern und tanzen auf dem Dukeland Open Air – unter anderem zu Klängen von DJ Sven Väth. Foto: Holm Wolschendorf
Rund 8500 Raver feiern Sven Väth und andere DJs beim ersten Dukeland-Festival am Monrepos in Ludwigsburg. Das Line-up ist eher traditionell, das Publikum in Feierstimmung – und die Macher sind zufrieden.

Ludwigsburg. Techno wird gemeinhin mit großstädtischen Kellerclubs in Verbindung gebracht. Hier im Südwesten Deutschlands (auch in großen Teilen Großbritanniens) hat die Geschichte der elektronischen Tanzmusik, die von Impulsen aus Detroit und Chicago ausging, jedoch vielfach unter freiem Himmel begonnen: Aufgelassene Militärbasen, abgelegene Steinbrüche und Freiflächen waren die Orte, an denen Menschen zu sogenannten Raves zusammenkamen, auf denen diese Musik zu hören war. Daher knüpft ein Festival wie das nun erstmals stattgehabte Dukeland auf dem Gelände der Domäne Monrepos an eine lange Tradition an: Maschinenmusikpartys in naturnaher Umgebung – das war hier ein Anfang.

350_0008_3129720_11_06_22Wolschendorf_32
Bildergalerien

Electro-Fans am Monrepos: Erste Ausgabe des Dukeland-Open-Airs

Unmittelbarer ist eine weitere Tradition, in der das Dukeland steht: Mit dem Electrique Baroque zog ein Musikfestival mit einem ganz ähnlichen Profil tausende von Ravern in den Innenhof des Residenzschlosses. Doch für dieses Jahr hatten die Veranstalter keinen Termin angekündigt. Stattdessen nun ein neues Festival an einer neuen Location. Einige der Acts und DJs, die dort auf der Bühne standen, sind auch jetzt bei dem von der LeBeMi GmbH – das sind der Stuttgarter DJ Marius Lehnert sowie Mladen Behtan und Sasa Mijailovic vom Club Kowalski – organisierten Event mit von der Partie (beziehungsweise: Party). Etwa Dominik Eulberg, der gerade auf der Kommandobrücke der mittig vor der Schlossfassade aufgebauten Bühne Position bezogen hat und den Faden von Lehnert, aufnimmt, der sowohl beim Electrique Baroque als auch hier vor und hinter der Bühne wirkt(e) und den langen Techno-Tag um 12 Uhr mit einem Set eröffnet hat.

Picknickdecken im Schatten der Kastanien

Die Bedingungen für die Premiere passen: In der Mittagssonne scheint es vor allem den Ravern der älteren Generation fast schon ein wenig zu heiß zu sein, viele haben ihre Picknickdecken erstmal im Schatten der großen Kastanien ausgebreitet. Der Dresscode ist Beachclubwear, die Stimmung relaxte, lockere, teils auch schon ausgelassene Feierfreude. Viele mögen bereits das Electrique Baroque besucht haben, doch eine kleine Umfrage ergibt, dass das Dukeland auch viele erstmals nach Ludwigsburg geführt hat: Timo Kosztovics ist mit seiner Schwägerin Corinna Fuchs und einer Gruppe von Freunden aus Welzheim angereist, andere kommen aus Heilbronn oder Mühlacker.

Noch ist der Dancefloor, eine rund 250 Quadratmeter große Rasenabdeckung vor der Bühne, recht übersichtlich gefüllt. Das mag auch daran liegen, dass die Einlassschlage auf der Monreposallee bis hinter der Unterführung der Landesstraße steht – verursacht durch Probleme bei der Datenverarbeitung des elektronischen Bezahlsystems, das – Bargeld besitz in Dukeland offiziell keine Kaufkraft – für die Besucher obligat ist, wie wir im Anschluss von Mijailovic erfahren. Mit einem Track des ukrainischen Duos Artbat zündet Eulberg die erste Stufe: Hände in die Luft, wenn nach dem Break der Bassdrop einsetzt – doch, das klappt hier und da schon. Dank moderner LED-Technik werkelt die Lightshow bereits etwas vor sich hin, Seifenblasen steigen über dem Dancefloor auf. „River“ ist von Stephan Bodzin, der später hier oben stehen wird. Progressiver Techhouse mit einem dezenten Neo-Trance-Einschlag folgt mit „Saltwater“ von Chicane feat. Moya Brennan im Kevin-de-Vries-Remix.

Die Befensterung der Schlossfassade zuckt im Viervierteltakt

Mit seinem mikrobiologisch informierten Minimal-Techno-Ansatz mag der studierte Ökologe Eulberg in diesem Setting keine schlechte Wahl sein, doch viele sind aus einem anderen Grund hier: Ob die Saat von Techno ohne Sven Väth in Deutschland im selben Maß aufgegangen wäre, wie das etwa der Loveparade der Fall war, ist fraglich. Der „Babba“, wie der 57-Jährige seit einer gefühlten Ewigkeit in der Szene so liebe- wie respektvoll genannt wird, verkörpert nach wie vor wie kein anderer hierzulande die Vorstellung davon, was es bedeutet, ein DJ zu sein. Der Mond steht über dem Gelände, die Befensterung der Schlossfassade zuckt im Viervierteltakt Tatsächlich interpretiert Väth sein Handwerk hier ganz traditionell: Das Setup ist ganz oldschool – zwei Plattenspieler, dazwischen ein kleiner Mixer, gegenüber die Plattentasche. Väth lässt „Radio Slaves „Another Club“ in „Warp“ von Rebuke übergehen, baut mit Robert Hoods „The Majestic“ auch mal einen aktuellen Track eines Detroit-Veteranen ein. Hinter ihm feiert die Crowd der Happy Few auf der Bühne, darunter auch Monika Kruse, die ebenfalls schon beim Electrique Baroque gebucht war und hier vor Väth und Bodzin an den Reglern stand. Mit Joey Medina & Fei-Fei „Lysergic Drop (Steve Mulder’s Hybrid Remix)“ läutet Väth das Finale ein, um es mit Monobox, Perdu und Krystal Klaer („Telephone“) in einer souverän gestalteten Eskalation zu beenden – noch einmal jubelt die tausendköpfige Menge im Break auf, noch einmal steigen die Rauchsäulen vor dem Dancefloor empor. Pünktlich um 23.30 Uhr beginnt der Abbau der Plattenspieler.

Die Planungen für nächstes Jahr laufen bereits

Mit einem ziemlich konservativen Techno-Line-up hat das Dukeland-Debüt die erhofften 8500 Besucher angezogen, damit sei man „sehr zufrieden“ und schreibe bei der Premiere „mindestens eine schwarze Null“, so Mijailovic. Die Planungen für nächstes Jahr laufen, ein genauer Termin stehe jedoch noch nicht fest. Dass die Organisation in manchen Bereichen (Einlass, Bars, Cashless-System, WCs) auch für Kritik und Unmut gesorgt hat, räumen die Betreiber auf ihrer Facebook-Seite ein. Man werde versuchen, entsprechende Lehren aus den gewonnenen Erfahrungswerten zu ziehen, verspricht Mijailovic. Die Afterparty im Kowalski werden dennoch nicht wenige besucht haben.