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Salonwald
Ein kleiner Wald und viele Wünsche

Im vergangenen Jahr wurden die Bauwerke der Jugendlichen bereits abgebaut, jetzt sind sie wieder da. Fotos: Holm Wolschendorf
Im vergangenen Jahr wurden die Bauwerke der Jugendlichen bereits abgebaut, jetzt sind sie wieder da. Fotos: Holm Wolschendorf
Raphael Müller (links) und Samuel Ziegler sind seit Januar 2020 für den Salonwald zuständig. Sie kennen die Artenvielfalt im Wald und die vielfältigen Ansprüche, die der Mensch an das Biotop stellt.
Raphael Müller (links) und Samuel Ziegler sind seit Januar 2020 für den Salonwald zuständig. Sie kennen die Artenvielfalt im Wald und die vielfältigen Ansprüche, die der Mensch an das Biotop stellt.
Diese Stelle schätzen die Förster als besonders gefährlich ein, weil sich dort die Wege der jugendlichen Mountainbike-Fahrer mit denen der Spaziergänger und Jogger kreuzen.
Diese Stelle schätzen die Förster als besonders gefährlich ein, weil sich dort die Wege der jugendlichen Mountainbike-Fahrer mit denen der Spaziergänger und Jogger kreuzen.
Spazieren gehen, den Hund ausführen, mit den Kindern durchs Unterholz schleichen, joggen, Klimmzüge machen, Händchenhalten auf der Bank unter der Eiche: Der Salonwald muss für vieles herhalten – vor allem während der Coronapandemie. Doch wenn es den Bäumen an die Wurzeln geht, greifen die Förster ein. Jungen Mountainbikern wollen sie jetzt einen Riegel vorschieben.

Ludwigsburg. Der Salonwald hat eher einen parkähnlichen Charakter als den eines Waldes. Das war schon früher so, als er Teil der barocken Schlossanlage war und sogar ein Theater beherbergt hat. Während der Coronapandemie ist der Salonwald für viele Ludwigsburger zu einem wichtigen Ort geworden. Vor allem, als fast alles geschlossen war, gehörte für viele Ludwigsburger eine Runde im Salonwald zur wichtigen, regelmäßigen Routine. Die Förster Samuel Ziegler und Raphael Müller haben die gestiegene Besucherzahl unter anderem an den Hinterlassenschaften der Spaziergänger und Sportler ablesen können. „Wir konnten eine verstärkte Vermüllung feststellen“, so Samuel Ziegler (Forst Baden-Württemberg). Bedingt durch die Pandemie waren die Menschen wieder vermehrt außen unterwegs. Ziegler und Müller, in deren Zuständigkeit auch der Favoritepark fällt, haben den Druck aus der Bevölkerung zu spüren bekommen, berichten sie. Denn zeitweise war sogar der Favoritepark coronabedingt geschlossen, weil er als Tierpark eingestuft wurde.

Nicht jede Art der Waldnutzung gefällt den Förstern. Im Mai 2020 fallen ihnen die Schanzen auf, die im Wald entlang der Königsallee entstanden sind. Mit Baumstämmen und Erde haben offenbar Jugendliche eine kleine Sprungschanze gebaut. Ein paar Meter weiter fällt ein kleiner Erdhügel auf. „Hier wurden Äste untergelegt und mit Erde aufgeschüttet.“

Eine Weggabelung bereitet Samuel Ziegler und Raphael Müller besondere Sorgen. Wer aus Richtung Hartensteinallee in den Wald geht, kreuzt die Strecke, die sich die jungen Mountainbiker modelliert haben. Das sei unübersichtlich und deshalb gefährlich. Einige Beschwerden seien bei Stadt und Forstamt bereits eingegangen. Die Förster wollen und können die Situation nicht hinnehmen. „Der Grundstückseigentümer ist für die Sicherheit zuständig“, so Ziegler. Und es geht nicht nur um die Sicherheit der Waldbesucher. Auch die Gesundheit der Bäume ist in Gefahr. „Es schadet den Bäumen, wenn Wurzeln freigegraben werden“, erklärt Raphael Müller. Deswegen wurden die selbst gebauten Rampen im Sommer des vergangenen Jahres abgebaut. Der Effekt hielt nur kurz: Inzwischen sind wieder Rampen aufgebaut.

Die Förster wollen nun mit einer neuen Strategie gegen diese Aktivitäten vorgehen und Alternativen bieten. „Derzeit befinden wir uns in Gesprächen mit der Stadtverwaltung, um für die Kinder ein Alternativangebot zum illegalen Radfahren zu entwickeln“, heißt es im Handzettel an die Eltern, die die Förster den Jugendlichen mitgeben wollen. „Wir freuen uns über Kinder, die ihre Freizeit im Wald verbringen“, steht darin. Eine Aussage, zu der die beiden Förster, selbst Familienväter, stehen. Schließlich ist es heute keineswegs selbstverständlich, dass Kinder und Jugendliche Zeit mit Bewegung im Wald verbringen. „Allerdings gilt auch für Kinder, dass zum Schutz anderer Waldbesuchenden und der Waldbewohner nur auf Wegen über zwei Meter Breite im Wald Rad gefahren werden darf“, erklären die Förster im Handzettel.

Auf 14 Hektar Salonwald muss ein Gleichgewicht zwischen Erholungsnutzung und Naturschutz geschaffen werden, so die Förster. Denn in dem bei Alt und Jung so beliebten Fleckchen von Ludwigsburg stehen erhaltenswerte Bäume, einige sind 150 bis 200 Jahre alt. Ohnehin haben es einige der prächtigen Riesen gerade schwer. „Viele Bäume sind am Absterben“, sagt Müller. „Ein Pilz verursacht das Eschentriebsterben.“ Von der Krone aus werden prächtige, große Eschen vom sogenannten Falschen Weißen Stängelbecherchen angegriffen und sterben schließlich ab. Andere Bäume leiden unter langen Trockenperioden. Zum Glück gebe es in dem Mischwald eine reiche Artenvielfalt bei den Bäumen. Auch seltene Tierarten wie Hirschkäfer fühlen sich wohl. Auch der Juchtenkäfer wird im Salonwald vermutet. Sicher ist, dass Buntspechte dort zu Hause sind und die alten Bäume lieben. Fledermäuse mögen die Allee und die offenen Strukturen durch die vielen Wege. Samuel Ziegler würde den Jugendlichen Tiere und Pflanzen im Wald gerne näherbringen und Alternativen zum Mountainbiken anbieten. „Derzeit befinden wir uns in Gesprächen mit der Stadt, um für die Kinder ein Alternativangebot zum illegalen Radfahren zu entwickeln.“

Info: Das Team vom Forstbezirk Unterland nimmt Ideen für ein Alternativangebot unter der E-Mail-Adresse waldabendteuer-im-unterland@forstbw.de entgegen.