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Eine große Unsicherheit bleibt

Ernteeinbußen im Weinbau sind sicher, aber das Ausmaß steht erst Mitte Mai nach den Eisheiligen fest

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Erfroren: Viele junge Triebe an den Rebstöcken haben die Nachtfröste nicht heil überstanden.Foto: Alfred Drossel

Ludwigsburg. Die anhaltenden Spätfröste haben insbesondere dem Weinbau zugesetzt. Im Land gibt es nahezu keine ungeschädigten Rebflächen. Wie hoch das Ausmaß an Schäden in den Weinbergen im Enz-und Neckartal ist, könne noch nicht abschließend gesagt werden, betont Kellermeister Sebastian Häußer von der Felsengartenkellerei Besigheim.

Mit dem Nachtfrost im April nach dem zu warmen März, setzen sich die schwierigen klimatischen Bedingungen für den Weinbau auch in diesem Jahr fort. Geöffneten Knospen macht Kälte mehr aus als geschlossenen. „Es sieht nicht gut aus“, sagt Hermann Hohl, Präsident des Württembergischen Weinbauverbands. Im Gegensatz zu punktuellen Schäden, die im vergangenen Jahr aufgetreten seien, sei in diesem Jahr ganz Württemberg vom späten Frost betroffen.

Im Bereich der Besigheimer Felsengartenkellerei seien vor allem die früh austreibenden Sorten wie Lemberger, Acolon und Cabernet Dorsa betroffen, stellt Kellermeister Sebastian Häußer fest. Geschädigt seien diesmal nicht Reben in den traditionellen Frostlagen, sondern selbst die in den ansonsten geschützten Steillagen.

Schuld daran sei der „Windfrost“, sagt Häußer, weil die polare Kaltluft immer in Bewegung gewesen sei. Sichtbar seien die jungen Triebe betroffen. „Wir wissen aber noch nicht inwieweit die Triebe, die noch in der Wolle waren, geschädigt sind“, stellt Häußer fest. Genaue Prognosen könnten erst nach den Eisheiligen Mitte Mai abgegeben werden.

Bis dahin könnten noch Frostnächte kommen und weitere Schäden anrichten. Sicher sei, so der Kellermeister, dass dieses Jahr weit weniger geerntet werden könne, als im üblichen Jahresdurchschnitt. Der Kellermeister ist dennoch zuversichtlich: Es sei nämlich durchaus denkbar, dass die Reben später noch einmal austreiben und eine vier Wochen spätere Ernte möglich sei.

Wieso Kälte den Pflanzen überhaupt schade? Bei Frost bildeten sich Eiskristalle im Gewebe. Die Eiskristalle zerstörten die Zellmembran, erklärt Kellermeister Sebastian Häußer. Es bildeten sich die bekannten braunen Frostflecken. Frühjahrsblüher sind auf späte Fröste eingestellt. Sie lagerten beispielsweise Zucker in den Zellen ein, der einen ähnlichen Effekt habe wie Streusalz: er senkt den Gefrierpunkt.

Die ursprünglich aus Kleinasien stammende Weinpflanze allerdings erreiche in Europa ihre absolute Kältegrenze. Deshalb sei sie besonders frostanfällig. Was für die Wengerter jedoch ein Desaster sei, könne für die Pflanze auf längere Sicht erholsam sein. Wenn eine Weinrebe zu viele Trauben tragen müsse, sei das für sie regelrechter Stress, erklärt der Fachmann.

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