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Zehn Jahre Zugwiesen
Eine Landschaft zum Genießen

Irina Mazingue-Desailly und Sohn Alex sind einfach gerne draußen in der Natur. Foto U. Ostarhild
Irina Mazingue-Desailly und Sohn Alex sind einfach gerne draußen in der Natur. Foto U. Ostarhild
Die Wasserralle ist ein seltener Vogel, der den Sichtschutz im Schilf und Unterholz braucht. Im abgesperrten Bereich der Zugwiesen ist die Wasserralle ab und zu anzutreffen. Man erkennt den scheuen Vogel auch an seinem eigenartigen Grunzen. Einen Bru
Die Wasserralle ist ein seltener Vogel, der den Sichtschutz im Schilf und Unterholz braucht. Im abgesperrten Bereich der Zugwiesen ist die Wasserralle ab und zu anzutreffen. Man erkennt den scheuen Vogel auch an seinem eigenartigen Grunzen. Einen Bru
In den Zugwiesen trifft man immer wieder auf Expertinnen und Experten, die sich in der Flora und Fauna gut auskennen. Wenn es am Morgen noch ruhig ist auf der Turminsel, lassen sich einige scheue Vögel wie die Gänsesäger, Bekassinen, Knäck- oder Krickenten auf dem Wasser oder an den Ufern des Turmsees erblicken . Doch die Ruhe ist vorbei, wenn die ersten Wandergruppen und Jogger über den Steg kommen. Doch es gibt auch geschützte Bereiche, in die kein Mensch kommt.

Ludwigsburg. Irina Mazingue-Desailly und Sohn Alex sind an diesem Sonntag auch früh unterwegs. „Wir leben in Oßweil, wir wohnen sozusagen direkt an der Quelle“, erzählt die Sportlerin strahlend. „In den Zugwiesen können wir frische Luft schnappen. Wir gehen oft an den Neckar zum Joggen und Radfahren. Einfach um die Natur zu genießen und zu entspannen.“ Irina Mazingue-Desailly, die in Stuttgart arbeitet, gefällt die Nähe zur Natur. „Das ist toll in Ludwigsburg. Man hat eine Top-Infrastruktur mit S-Bahn, Läden und Kultur – und ist dennoch in zehn Minuten mitten in der Natur. Von Oßweil aus haben wir es nur zwei Kilometer bis zum Neckar“.

„Wir machen keine speziellen Naturbeobachtungen, sondern erleben das Zugwiesengebiet in allen Tages- und Jahreszeiten. Mich interessiert eigentlich nur das Gesamtbild, die Bäume, die Gänse, die Seen. Manchmal machen wir Fotos von oben zu verschiedenen Tageszeiten. Morgens sieht das hier ganz anders aus als am Abend – das sind einfach schöne Naturerlebnisse. Wenn man die hohen Bäume sieht, dachte ich kürzlich: „An den Bäumen sieht man, wie schnell man doch älter wird“, sagt sie.

Dass einige Vogelgucker das Gebiet am liebsten für sich und natürlich für die Vögel beanspruchen, ist einerseits verständlich. Große und laute Besucherströme schrecken scheue Tiere auf und zertrampeln manchmal die Wiesen und Bachufer. Andererseits sind die Zugwiesen für alle da. Was für die einen nach Konflikt aussieht, ist für andere auch eine Chance, dass Natur und Landschaft noch mehr Freunde finden. Für die Biologin Petra Hille, die als Neckarguide Führungen auch für Schüler anbietet, ist es ganz wichtig, dass Kinder in der Natur sein können. Auch ohne erhobenen Zeigefinger. „Nur durch die Erlebnisse draußen in der Natur bekommen Kinder Zugang dazu, warum die Natur schützenswert ist“, so die ausgebildete Natur- und Landschaftsführerin. Hille plädiert dafür, dass Kinder in der Grundschule oder in der Mittelstufe mehr Exkursionen in die Natur machen, beispielsweise in die Zugwiesen mit den Neckarguides.

Das Neckarbiotop bei der Schleuse Poppenweiler bietet auch Rückzugsräume für seltene Pflanzen und Tiere. Auf den abgesperrten Halbinseln und Inseln im Gebiet haben sich Ringelnatter, Biber und einige Brutvogelarten angesiedelt und sollten nicht gestört werden. Es wurde noch nicht zum Naturschutzgebiet nach dem Naturschutzgesetz ausgelobt. Aber bereits seit 2013 gilt hier eine besondere städtische Schutzgebietsverordnung. Diese sieht unter anderem vor, dass Besucherinnen und Besucher auf den Wegen bleiben sollen, Hunde an der Leine bleiben müssen und Hund und Mensch nicht in Bach und Seen baden dürfen. Picknick auf der Wiese und Party sind in den Zugwiesen verboten. Für die aktive Freizeitgestaltung gibt es flussabwärts bei Hoheneck die Uferwiesen. Kanuverleih, Beachvolleyballfeld, Biergarten und Schiffsanleger stehen dort am naturnah gestalteten Neckarufer zur Verfügung.

Freizeitlandschaft in den Uferwiesen, Naturlandschaft in den Zugwiesen

Dass der entstehende Auwald, die Seen, Blühwiesen und der Bach im Neckarbiotop Zugwiesen schützenswert sind, ist offenbar bei den Ludwigsburgern angekommen. Die meisten Besucher halten sich an die Regeln. Wer sich als Hundehalterin oder Mountainbiker nicht an die Gebote hält, kann sich auf eine freundliche, aber klare Ansprache auf die Regeln im Schutzgebiet gefasst machen. Da sind sich Vogelschützer, Neckarguides und andere Stammgäste und einig.