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Jugendmusikschule

Erfolg mit sozialer Herausforderung

Die Jugendmusikschule erreicht mehr Kinder und Jugendliche in der Stadt als je zuvor. Die finanzielle Lage der Einrichtung ist stabil, auch weil die Gebühren jährlich steigen. Ein Thema, das die Verantwortlichen am Sitz Karlskaserne dabei umtreibt: Familien mit niedrigeren Einkommen dürfen nicht abgehängt werden.

Die Jugendmusikschule erreicht immer mehr Kinder und Jugendliche.Archivfoto: dpa
Die Jugendmusikschule erreicht immer mehr Kinder und Jugendliche. Foto: dpa

Ludwigsburg. Dieses Jahr feiert die Jugendmusikschule ihren 50. Geburtstag. Die Zahlenbilanz zur Mitte des Jubiläumsjahres: Die Lehrkräfte unterrichten 3170 Kinder und Jugendliche. Das entspricht im Vergleich zur Zeit vor zehn Jahren fast einer Verdopplung (siehe auch Infokasten rechts auf dieser Seite).

Der wesentliche Auslöser für diese Entwicklung ist die Entscheidung der Stadt, möglichst viele Kinder in den Kindertagesstätten und an den Grundschulen mit Musik und Gesang früh zu fördern. Die Initiative wurde auf „Ludwigsburger Musikimpulse“ getauft. Ausführende ist die Jugendmusikschule, die ihre Lehrkräfte an die Kitas und Schulen entsendet. Die Zahl der erreichten Kinder im Alter von vier bis acht Jahren ist seit dem Beginn im Jahr 2011 auf über 1000 Teilnehmer im Jahr 2019 angestiegen.

Stagnation herrscht dagegen in der Gruppe der 10- bis 18-Jährigen, was man in der Karlskaserne auf den Ausbau der Ganztagsangebote an den Schulen und damit ein knappes Zeitbudget der Jugendlichen zurückführt.

Automatische Zuschusserhöhung ein wichtiger Garant

Von einem positiven finanziellen Jahresergebnis berichteten vor der Sommerpause Jochen Schwemmle, Vorsitzender des Trägervereins der Jugendmusikschule, sowie die Schulleiterin Christiane Schützer vor Stadträten. Garant dafür sind nach ihren Worten zwei Bausteine: Zum einen die Tatsache, dass die Jugendmusikschule von der Stadt eine automatisch dynamisierte Zuschusserhöhung für tariflich steigende Personalkosten erhält; und zum zweiten eine regelmäßige Erhöhung der Gebühren für den Unterricht.

Die Gebührenerhöhungen allerdings bringe „viele Familien inzwischen an den Rand der finanziellen Leistbarkeit“, so Schützer. Zwar gibt es für jene Familien, die Anspruch auf Leistungen der Ludwigsburg Card haben, einen Zuschuss von 60 Prozent der Gebühren. „Das wissen wir sehr zu schätzen, aber es gibt auch viele Familien, die nur etwas über der Bemessungsgrenze liegen und da wird bei Erhöhungen zum Teil schon sehr geschluckt.“

Aufgabe der Zukunft sei es daher, eine weiterführende Gebührenermäßigung unter sozialen Gesichtspunkten zu entwickeln. „Da bleibt noch einiges zu tun“, betonte Schwemmle.

Einen Ansatzpunkt sieht Schulleiterin Schützer auch mit Blick auf die Musik- und Gesangsvereine der Stadt, wo Unterricht günstiger angeboten werden könne. Bei den Vereinen hat sich in den vergangenen Jahren ohnehin Gesprächsbedarf aufgebaut, vor allem in der Frage, wohin Kinder nach ihrer Zeit bei den Musikimpulsen an Kitas und Grundschulen gelenkt werden, vor allem in den Unterricht der Jugendmusikschule oder auch in die Stadtteile zu den Vereinen.

„Für uns ist auch die Zusammenarbeit mit den Vereinen wichtig“, betonte Jochen Schwemmle vor den Stadträten. Erste Gespräche habe es auf Vorstandsebene mit dem Stadtverband Musik über eine Zusammenarbeit in der musikalischen Nachwuchsförderung gegeben. Gemeinsam mit dem Institut für Kulturmanagement der Pädagogischen Hochschule soll „der Dreiklang von Jugendmusikschule, Vereinen und öffentlichen Schulen“ analysiert und ausgerichtet werden, so der Vorsitzende des Trägervereins der Jugendmusikschule.

Stadträte legen Wert auf Vereine und soziale Komponente

„Es ist wichtig, den Dreiklang auszubauen“, forderte bei der Präsentation des Jahresberichts die CDU-Stadträtin Edith Klünder. Reinhardt Weiss (FW) erklärte: „Es ist wichtig, dass das alles sozial verträglich gemacht wird. Und es ist entscheidend für uns, wie die Kinder sich später in den Vereinen einbringen. Wir werden sehr genau ein Auge darauf werfen, dass die Verbindung hergestellt und nachhaltig gestärkt wird.“

Mit Blick auf die soziale Frage bei den Gebühren sagte Michael Vierling (Grüne): „Wir bitten um große Sensibilität, wenn Eltern von der Höhe der Gebühren überfordert sind und musikbegeisterte Kinder verloren gehen.“

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