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Wachstum

Ernte bleibt von Notreife verschont

Mähdrescher holen jetzt die Wintergerste – Wengerter rechnen mit einem Lesebeginn bei den frühen Sorten schon im August

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Die Mähdrescher rücken zur Ernte des Getreides aus. Zuerst kommt die Wintergerste unters Messer.Fotos: Alfred Drossel
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Eine ungarische Helferin dünnt in einem Walheimer Weinberg aus.

Kreis Ludwigsburg. Die ersten Mähdrescher holen die Wintergerste. Der Mais schießt unterschiedlich in die Höhe. In den Weinbergen werden die Beeren täglich größer, so dass die Frühsorten schon in den letzten Augustwochen geerntet werden könnten. Im Landkreis Ludwigsburg, so stellt Eberhard Zucker, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ludwigsburg/Heilbronn, fest, sei von einer drohenden Notreife nicht die Rede.

In anderen Teilen der Bundesrepublik, etwa in Brandenburg, haben die Landwirte Probleme. Dort läuft die Ernte bereits in vollem Umfang. Im Landkreis Ludwigsburg dagegen habe vergangene Woche die Ernte der Wintergerste eingesetzt, betont Eberhard Zucker. Richtig los geht es in der nächsten Woche. Insgesamt habe die Reife beim Getreide einen Vorsprung von ein bis zwei Wochen.

Von einer Notreife könne man aber nicht reden, sagt Zucker. Durch die Niederschläge im Mai und Juni habe es bei der Wintergerste einen sogenannten „Zwiewuchs“ gegeben, also einen Nachtrieb, eine zweite Ähre neben dem Haupthalm. Dieser „Zwiewuchs“ sei in der Reife dem Haupthalm hinterher. Jetzt wolle man versuchen, bis zum Schnitt die Reife beider Ähren abzuwarten, betont Zucker.

Zwei bis drei Wochen nach dem Schnitt der Wintergerste folgen auch in diesem Jahr Sommergerste und Weizen. Das sei normal und wenn nicht Wetterkapriolen den Verlauf störten, laufe alles normal, stellt Eberhard Zucker zufrieden fest.

Beim Mais dagegen sehe es unterschiedlich aus. Auf einem Feld sind die Pflanzen schon auf eine Größe von 2,50 Meter hochgeschossen und daneben sind sie kaum einen Meter groß. Das hänge damit zusammen, wann der Mais gesät wurde, betont Zucker. In diesem Jahr wirke sich eine späte Aussaat nachteilig aus. Die Wasserversorgung beim Mais sei jedoch fast überall ausreichend. Beim Mais sei, so Zucker, möglicherweise mit einer etwas geringeren Ernte zu rechnen.

Jubel im Weinberg

Friedrich Fink aus Mundelsheim, Vorstandsmitglied der Lauffener Weingärtner, jubelt. „Das was jetzt im Weinberg passiert, hat es noch nicht gegeben“, sagt er. Im Juni seien die Beeren noch nie so groß gewesen. Fink rechnet mit einer ersten Lese der Frühsorten wie Acolon noch im August.

Das überdurchschnittliche Wachstum betreffe alle Sorten. Der Zustand der Trauben sei top, die Wasserversorgung sehr gut. Niederschläge habe es immer zur rechten Zeit und in der gewünschten Menge gegeben, betont Fink. Die Wengerter von Mundelsheim seien guter Hoffnung, einen schönen Herbst einfahren zu können.

Dr. Götz Reustle, Vorstandsvorsitzender der Felsengartenkellerei, ist auch der Meinung, dass im August die ersten Trauben gelesen werden könnten. Reustle gibt zu bedenken, dass sich diese frühe Lese auf die Aromatik des Weins auswirken könnte. Die typischen Württemberger, wie Lemberger, Trollinger und Riesling brauchten für die Bildung ihrer Aromen die kühlen Nächte im September und Oktober. So wie es aussehe, sind die Trauben aber zu diesem Zeitpunkt dieses Jahr schon geerntet.

Die Wengerter der Felsengartenkellerei seien aufgefordert, so Reustle, im Wachstum der Reben einzugreifen und mit Regulierungsmaßnahmen zu beginnen, also Trauben wegzuschneiden. Ziel sei es, markt- und bedarfsgerecht zu produzieren, betont Reustle. Die Kellerei müsse daher bei dem außergewöhnlichen Wachstum und einer frühen Ernte zeitnah reagieren. „Jetzt freuen wir uns erst einmal, dass es im Weinberg sehr schön aussieht, sagt Dr. Reustle.