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Wohnungsbau Ludwigsburg

Es wird viel gebaut, die Wohnungsnot bleibt

Mit einem satten Gewinn ist die städtische Wohnungsbau-GmbH ins Jahr 2020 gegangen. Prägend für die kommenden Jahre sollen vier Großprojekte werden. Dabei steigt der Anteil der Sozialwohnungen, für eine Linderung der Wohnungsnot werden in der Stadt indes immer noch zu wenig neue Wohnungen gebaut.

Der Abriss der alten Substanz ist beendet, die Bäume verpflanzt: In der Jägerhofkaserne baut die WBL zunächst eine Tiefgarage unter den Hof, im Innenbereich entstehen Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen. Insgesamt sollen 170 Wohnungen entstehen, 70
Der Abriss der alten Substanz ist beendet, die Bäume verpflanzt: In der Jägerhofkaserne baut die WBL zunächst eine Tiefgarage unter den Hof, im Innenbereich entstehen Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen. Insgesamt sollen 170 Wohnungen entstehen, 70 davon sind Sozialwohnungen, die Zahl der Eigentumswohnungen ist laut WBL noch unklar. Auch eine Kita sowie Gewerbe sind geplant. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. „Die WBL ist ein hochvitales Unternehmen“, sagte der zweite Geschäftsführer und Erste Bürgermeister Konrad Seigfried mit gewissem Stolz am Montag bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2019 der Wohnungsbau Ludwigsburg GmbH (WBL). Kein Wunder: Mit einem Jahresüberschuss von rund 5,4 Millionen Euro wurde der Gewinn vom Vorjahr (2,3 Millionen Euro) mehr als verdoppelt.

WBL-Geschäftsführer Andreas Veit sprach von „Sondereffekten“ – so seien beispielsweise 25 Grundstücke im Südwesten Grünbühls verkauft worden, „gezielt an Menschen mit vielen Kindern“ und zu Preisen, die bei vergleichsweise günstigen 650 Euro pro Quadratmeter begannen. In der Caerphillystraße in Sonnenberg wurden von 60 neuen Wohnungen 18 verkauft, 42 gingen in den WBL-Bestand über.

Das gute Ergebnis gibt mehr Spielraum im Spannungsverhältnis zwischen steigenden Grundstückpreisen bei fehlendem Bauland und hohen Baukosten einerseits sowie dem Druck auf dem Wohnungsmarkt andererseits. „Das macht mir Sorgen“, sagte Veit mit Blick auf die rasant steigenden Kosten. Der Verkauf von Eigentumswohnungen soll zur Finanzierung von preisgünstigen Wohnungen beitragen.

Die Stadt setzt mittlerweile verstärkt auf Nachverdichtung, rund die Hälfe des Wohnungsbaus entstehe nicht auf der grünen Wiese. Die Flächen jedoch seien endlich, sagte Seigfried. Das Ziel von 500 neuen Wohnungen pro Jahr werde längst nicht erreicht (siehe auch Bericht rechts). Laut Jahresbericht standen 2019 rund 1800 Wohnungssuchende auf der WBL-Liste, Veit sprach am Montag aktuell von 1500 bis 1600, die Fluktuation sei niedrig.

Trotz Corona in diesem Jahr habe man wichtige WBL-Projekte auf den Weg gebracht“, betonte OB Matthias Knecht, gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der WBL. Im Schauinsland in Neckarweihingen sollen 56 Wohnungen entstehen, in Grünbühl nach dem Abriss von 320 alten Wohnungen etwa 420 neue. Die Bebauung in der Jägerhofkaserne mit 170 neuen Wohnungen steht kurz bevor, der Fuchshof soll in den kommenden Jahren weitere Wohneinheiten bringen. 2019 fertiggestellt wurden 42 Wohnungen sowie zwei Cube-Projekte, eines für 30 minderjährige Flüchtlingen und 15 Studenten an der Karlshöhe sowie ein Ausbildungszentrum für die Pflege an der Evangelischen Hochschule. 2020 fertig wurden und werden 50 Wohnungen in der Heinrich-Schweitzer-Straße, 23 Wohnungen in der Römeraue, eine Cube-Flüchtlingsunterkunft in der Mörikestraße mit 90 Plätzen, 21 Wohnungen in der Marbacher Straße sowie fünf Wohnungen, die durch Dachaufstockung in der Adalbert-Stifter-Straße entstanden sind.

Viele Projekte verzögerten sich im aufgeheizten Markt, andere wegen Nachbareinsprüchen. Seigfried: „Man braucht beim Wohnungsbau einen unglaublich langen Atem.“ Ludwigsburg „steht vor einem großen Stadtumbau“, sagte er, so werde viel alte Substanz – wie etwa in Grünbühl – in den nächsten Jahren durch Neubauten ersetzt respektive saniert.

In ihrer Risikobewertung geht die WBL davon aus, dass Corona den Immobilienboom stoppen könne. In dem Zusammenhang wird die WBL laut Knecht auch die Mieten bis 31. Dezember 2021 nicht erhöhen. Mit einem Wirtschafts- und Finanzplan für 2020 mit rund 54,3 Millionen Euro könne die WBL ihren sozialen Auftrag – genügend Wohnraum mit soziokulturellem Mix – gut angehen.

Man wolle mehr Bauen möglich machen, sagte Matthias Knecht, der Mix von Gewerbe und Wohnen sei ebenso spannend wie Wohnungen auf Dächer, etwa von Kitas, zu bauen. „Die Akzeptanz steigt“, sagte er, Veit ergänzte: „Da werden wir dranbleiben.“

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