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Museumspause

Experten für handgemachte Musik

Besucher der jüngsten Museumspause im Ludwigsburg Museum erhielten jetzt Einblicke in die beeindruckende Vergangenheit des Tonstudios Bauer. Um zu überleben, musste sich das Unternehmen immer wieder neu erfinden. Die einzige Konstante ist das Expertentum für handgemachte Musik.

Mithilfe alter Dias ermöglichten Eva Bauer-Oppelland (rechts) und Bettina Bertók bei der jüngsten Museumspause im Ludwigsburg Museum Einblicke in die ruhmreiche Geschichte der Bauer Studios.Foto: Holm Wolschendorf
Mithilfe alter Dias ermöglichten Eva Bauer-Oppelland (rechts) und Bettina Bertók bei der jüngsten Museumspause im Ludwigsburg Museum Einblicke in die ruhmreiche Geschichte der Bauer Studios. Foto: Holm Wolschendorf

Wenn Eva Bauer-Oppelland anhand von alten Dia-Lichtbildern Einblicke in die Geschichte der Tonstudios Bauer gibt, wird schnell deutlich, welch herausragenden Stellenwert die Ludwigsburger Tonschmiede in den 60er oder 70er Jahren in der Musikwelt genoss. „Das ist der Chick Corea“, meint Bauer-Oppelland, als sie den berühmten Fusion-Musiker bei ihrer Einführung in die Museumspause im Stadtmuseum MIK auf dem Diafilm ausmacht. „Und das ist der Stevie Wonder.“

Es war damals alles andere als ungewöhnlich, dass berühmte Künstler Alben in den Bauer Studios aufnahmen. Udo Jürgens und Ernst Mosch legten Stippvisiten in Ludwigsburg ein, Miles Davis war 1991 zu Gast. Das Ludwigsburger Tonstudio – das älteste seiner Art in Deutschland, das sich in privater Hand befindet – zeichnete auch für die Aufnahme von Keith Jarretts „Köln Concert“ verantwortlich. Jarrett selbst hasst das Album bis zum heutigen Tag angeblich abgrundtief. Das änderte freilich nichts daran, dass das 1975 vom Tonstudio Bauer in der Kölner Oper aufgezeichnete Konzert als meistverkauftes Jazz-Album aller Zeiten gilt.

Bauer-Oppellands Vater Rolf Bauer hatte Ende der 40er Jahre den Grundstein für das Tonimperium gelegt, als er sich mit einem Betrieb in der Solitudestraße selbstständig machte. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es praktisch keine Tonstudios. Zu den ersten Kunden zählten Sänger, erklärt Bauer-Oppelland. „Sie hatten nun die Möglichkeit, ihre eigene Stimme auf Tonband zu hören und zu kontrollieren – das war damals noch etwas Besonderes.“

Auch Chöre nutzten die moderne Technik und ließen ihre Konzerte aufzeichnen. Beispielsweise Gotthilf Fischer, der damals als junger Dirigent ein Ensemble in seinem Heimatort Deizisau leitete. „Mein Vater fuhr zu den Festen und nahm die Chorkonzerte auf“, erinnert sich Bauer-Oppelland, die das Tonstudio fast drei Jahrzehnte als Geschäftsführerin leitete. In seinem VW-Bus sei ihr Vater in ganz Deutschland oder auch in Österreich unterwegs gewesen.

Erfolgreich konnte das Unternehmen nur bleiben, weil immer wieder neue Geschäftsmodelle entwickelt wurden. Beispielsweise Kinowerbung – in früheren Jahrzehnten eine beliebte Werbeplattform des lokalen Einzelhandels. In den Bauer-Studios wurden im 14-tägigen Rhythmus Werbetexte am Fließband aufgenommen, auf Schallplatte gepresst und dann an die Kinos verteilt.

Mit den Einnahmen konnte das Tonstudio den Kauf eines ehemaligen Vorstadtkinos in Eglosheim finanzieren und den Künstlern dort ein professionelles Umfeld bieten. „Wir haben auch immer mit studierten Tonmeistern gearbeitet“, betont die ehemalige Chefin. Eine gründliche Ausbildung sei angesichts des nicht zuletzt in technischer Hinsicht anspruchsvollen Berufs unverzichtbar.

Mit Bettina Bertók, Philipp Heck und Michael Thumm übernahmen denn 2017 auch drei ausgebildete Tonmeister das Unternehmen. Sie verstehen sich als Rundum-Dienstleister, die Künstlern den Zugang zum Markt ermöglichen. Denn das Musikgeschäft ist eine komplexe Materie, die zahllose Fallstricke bereithält.

Deshalb stellt das Tonstudio Bauer nicht nur professionelle Aufnahmebedingungen zur Verfügung, sondern vermittelt auch externe Produktionskapazitäten, ermöglicht die Veröffentlichung auf hauseigenen Labels und berät über Rechtsfragen, Gema-Gebühren, Verlagsrechte oder Lizenzangelegenheiten. „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, Künstler dabei zu unterstützen, ihre beste Performance abzuliefern“, sagt Bertók.

Einfacher wird das im digitalen Zeitalter nicht. Mit der massenhaften Verbreitung der CD habe eine Entwicklung eingesetzt, die Bauer-Oppelland als „Werteverfall von Musik“ bezeichnet. „Das hat uns mehr geschadet als Home-Recording und andere Geschichten.“ Die Menschen seien es – von durchaus kostspieligen Konzertbesuchen mal abgesehen – einfach nicht mehr gewohnt, Geld für Musik auszugeben.

Die Bauer Studios hätten schon Anfang der 80er Jahre begonnen, auf diese Entwicklung zu reagieren. Trotz aller Digitalisierungszwänge sei das Unternehmen aber nach wie vor in der analogen Welt beheimatet, betont Bauer-Oppelland. „Wer uns braucht, sind Musiker, die vor dem Mikrofon stehen und abliefern. Wir sind immer noch auf handgemachte Musik spezialisiert, Pop und Hip-Hop brauchen uns nicht.“

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