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Schwimmbäder

Fällt die Freibadsaison ins Wasser?

Normalerweise wäre es in vier Tagen so weit: Die Freibäder öffnen am 1. Mai. Laut den Stadtwerken ist auch Hoheneck bis Ende der Woche startklar, doch eine Inzidenz von über 200 im Kreis verbietet die Öffnung. Los geht es wohl erst bei einer Inzidenz von unter 100, das Sozialministerium arbeitet derzeit an möglichen Öffnungsszenarien.

Startklar: Laut dem Betreiber Stadtwerke ist das Freibad Hoheneck bis Ende der Woche rausgeputzt und könnte öffnen. Könnte. Denn die Coronaverordnung erlaubt das nicht.Foto: Ramona Theiss
Startklar: Laut dem Betreiber Stadtwerke ist das Freibad Hoheneck bis Ende der Woche rausgeputzt und könnte öffnen. Könnte. Denn die Coronaverordnung erlaubt das nicht. Foto: Ramona Theiss

„Wir sind auf einen möglichen baldigen Start vorbereitet, also in Stand-by-Betrieb“, sagt Astrid Schulte, Pressesprecherin der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB), die auch das Freibad Hoheneck betreiben. Doch die SWLB weiß auch: Bei einer kreisweiten Sieben-Tage-Inzidenz von aktuell 211,2 (Stand Montag, 16 Uhr) ist an eine Öffnung nicht zu denken. Die Corona-Landesverordnung setzt die Grenze bei 100, auch die Notbremse des Bundes nennt eine Inzidenz von 100.

Mögliche Öffnungszenarien diskutiert

Darauf verweist das Sozialministerium auf Anfrage unserer Zeitung, die Eindämmung der Coronapandemie sei erstes Gebot. Gleichzeitig jedoch wird betont, dass sich das Sozialministerium „jetzt schon mit Öffnungsszenarien beschäftigt, um vorbereitet zu sein, wenn sinkende Inzidenzen wieder Öffnungsschritte zulassen“, auch mit Blick auf Freizeitangebote. Dabei sei man auch mit kommunalen Landesverbänden im Gespräch. Mit Blick auf eine höhere Impfrate und bessere Teststrategien arbeite man „an entsprechenden Perspektiven“.

Der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister hatte laut der Nachrichtenagentur dpa gefordert, wenigstens Freibäder zu öffnen, mit entsprechenden Hygienevorgaben. Auch der Dezernent des Deutschen Städte- und Gemeindebunds (DStGB), Uwe Lübking, berichtete von Druck an der Basis. „Städte und Gemeinden sind entschlossen, ihre Freibäder zu öffnen, sobald sie dies dürfen und es die Wetterlage erlaubt.“ Ein Start zum 1. Mai, so der Konsens, sei wohl nicht möglich, aber viele Kommunen planten mit einer Öffnung Mitte bis Ende Mai.

Badegäste waren verantwortungsvoll

2020 war das Freibad Hoheneck wie viele Bäder erst am 15. Juni an den Start gegangen, und das unter strengen Hygieneauflagen: mit zwei Schichten, Anmeldung und Zeitlimits, höchstens 800 Besucher pro Tag. Gleichwohl hatte die SWLB eine positive Bilanz gezogen, zudem die Saison bis 30. September verlängert worden war. Jetzt ist es anders: „Aufgrund fehlender Planungssicherheit nimmt der Optimismus in der Branche zunehmend ab“, teilte der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen, Christian Mankel, der dpa mit. Sportliche Aktivität im Freien werde jedoch nicht den Sommer verboten werden können. Badegäste hätten im Jahr 2020 großes Verantwortungsbewusstsein an den Tag gelegt, so Mankel.

Auf jeden Fall werden sich Besucherinnen und Besucher der Freibäder auch in der diesjährigen Saison auf Einschränkungen einstellen müssen. Die allermeisten Bäder richteten sich auf vergleichbare Szenarien wie im vergangenen Jahr ein, teilte Mankel von der Gesellschaft für das Badewesen mit. Onlinetickets, feste Zeitfenster, Besucherlimits auch in den Becken und Schnelltests stehen im Raum. Der Schwimmverein Ludwigsburg hatte Ende März gefordert, mit Hygieneauflagen die Bäder zu öffnen. So dürfe nur rein, wer ein negatives Schnelltestergebnis vorlege, möglich sei auch ein Schnelltest vor Ort. Mit ins Spiel gebracht wird bundesweit auch die Luca-App zur Nachverfolgung, falls Besucher sich infizieren sollten.

Die Spitzenverbände des Schwimmsports in Baden-Württemberg sorgen sich zudem um die Schwimmfähigkeit der Kinder. Auch habe das Schwimmabzeichen 2020 im Vergleich zu 2019 massiv abgenommen. Freibäder seien für die Kommunen ein Zuschussgeschäft, betonte der DStGB, gleichwohl hielten viele daran fest. Dies müsse belohnt werden, so der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister: „Was wir vermeiden sollten, ist ein Bädersterben.“

In Hoheneck wird die Zeit genutzt. und es werden noch die letzten Arbeiten am Kleinkindbereich gemacht. Diese sollen Mitte Mai abgeschlossen sein.

Wie sieht es bei Freibädern im Kreis aus?

Die Gemeinden Steinheim und Murr als Betreiber des Wellarium in Steinheim stehen in den Startlöchern, aus ihrer Sicht könnte das Bad am 1. Mai öffnen. Doch „wir haben noch keine Signale vom Land, ob und unter welchen Bedingungen der Freibadbetrieb starten kann“, bedauerte Murrs Bürgermeister Torsten Bartzsch jüngst vor seinem Gemeinderat. Am kommenden Donnerstag werden Vertreter der beiden Kommunen das Bad besichtigen, möglicherweise gibt es dann mehr Informationen.

Auch in Oberstenfeld steht der Zeitpunkt der Eröffnung noch nicht fest, im Gegensatz zum vergangenen Jahr soll das Mineralfreibad aber auf jeden Fall seine Pforten öffnen. Beide Einrichtungen planen mit begrenzten Besucherzahlen in Schichten, zwischen denen die Becken gereinigt werden.

Noch Ende März hatte man inAsperg auf eine Öffnung ab Pfingstsamstag gehofft – doch daran glaubt Bürgermeister Christian Eiberger nicht mehr. Angesichts der Inzidenz rechnet er auch nicht so schnell mit der nötigen Verordnung – und wenn, dann sehr kurzfristig. Vorbereitet ist man dennoch, mit einem Hygienekonzept, das zwei Zeitkorridore für je 750 Besucher vorsieht. Auch in Eberdingen – dort war wegen Arbeiten an Wasserleitungen ab Juli 2020 ganz zu – bereitet man sich vor, hat unter anderem einen gesonderten Ausgang beauftragt. Zudem sucht die Verwaltung Ehrenamtliche für Desinfektions- und Reinigungsarbeiten sowie Einlass- und Abstandskontrollen. (fri/jsw)

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