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Fahrrad-Parkhaus gleich neben den Gleisen

Die Stadt Ditzingen will möglichst viele Fahrradabstellplätze auf dem Bahnhofsareal verteilen und so zum Umsteigen animieren. Für rund 1,37 Millionen Euro lässt sie ein Fahrradparkhaus und eine Fußgängerbrücke bauen.

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Vorentwurf der Fußgängerbrücke mit Mittelsteg zum Gleis. Im Hintergrund die Rampenkonstruktion mit integriertem Radhaus. Visualisierung: Büro Knippers Helbig

Ludwigsburg. Der Stuttgarter Planer Thorsten Helbig stellte am Dienstagabend im Ausschuss für Umwelt und Technik seinen überarbeiteten Vorentwurf vor. Ihm schwebt ein in eine Rampenkonstruktion integriertes Fahrradparkhaus vor, das er „Radhaus“ nennt. Es bietet 54 Anlehnbügel für bis zu 108 Räder sowie 14 abschließbare Fahrradboxen. Zusammen mit weiteren auf dem Areal verteilten Vorrichtungen sollen am Bahnhof 240 Abstellplätze geboten werden – auf der Nordseite des Bahnhofs 200 Plätze, auf der Südseite etwa 40. Bei Bedarf möglich wäre zudem ein automatisches Fahrradparksystem für 60 bis 120 Räder vor dem historischen Bestandsgebäude. Heute befinden sich am Ditzinger Bahnhof 120 Fahrradabstellplätze.

Das Radhaus auf der Rampe, 7,50 Meter hoch und fünf Meter breit, soll zwischen den Gebäuden parallel zu den Gleisen stehen, um die Freifläche weiterhin nutzen zu können. Fahrräder sollen auf den jeweils zum Gleis liegenden Rampen abgestellt werden können, die Rampen zum Platz hin frei bleiben. In den unteren Bereich können die Fahrradboxen integriert werden.

Die Planung der Fußgängerbrücke über die Gleise musste nach Rücksprache mit der Deutschen Bahn überarbeitet werden. Wie bisher basiert die Idee auf geometrisch identischen Brückensegmenten aus nichtrostendem Textilbeton. Der Baustoff habe erst kürzlich den Zukunftspreis bekommen, weil er wirtschaftliche Lösungen mit geringstem Unterhaltungsaufwand biete.

Mit den Änderungen wurde die Planung am Ditzinger Bahnhof zugleich flexibler: Die Rampe des Mittelstegs zum Bahngleis wird nun deutlich kürzer. Zudem können die Planer auf zwei Brückenstützen und Fundamente verzichtet.

Die vorherige Planung der Rampe bot allerdings bisher keinen barrierefreien Zugang, da dieser normgerecht höchstens sechs Prozent Steigung aufweisen darf, doch sollte er für Kinderwagen, Rollkoffertransport und begleitete Rollstuhlfahrer eine treppenfreie Querung bieten.

Hier musste das Büro nach intensiven Diskussionen, wie er anmerkte, nachbessern. Aus Sicht der Deutschen Bahn dürfe aus versicherungsrechtlichen Gründen nicht der Anschein geweckt werden, dass über die Rampe ein barrierefreier Zugang bestehe – da reiche auch kein Warnschild. „Die Bahn sagt, man könnte die Neigung unterschätzen, es ist ein zu großes Risiko“, so Helbig. Deswegen setzten die Planer Treppenstufen vor die Rampe.

Ergaben sich bei der bisherigen Planung für die Überwindung der acht Meter Höhendifferenz zwölf Prozent Rampensteigung, schrumpft sie durch die nun flexibleren Optionen auf 9,6 Prozent (untere Rampen) und 6,5 Prozent (oberste Rampe). Der normgerechte barrierefreie Zugang zum Bahnsteig wird, wie zuvor geplant, weiterhin allein über den Aufzug sichergestellt. Aber man kommt auch vom P&R-Parkhaus über die Rampe ins Radhaus und weiter ohne Stufen über den Steg auf den Bahnsteig oder Richtung Gewerbegebiet Süd.

Die Ausschussmitglieder waren im Großen und Ganzen einverstanden mit den Änderungen. Grünen-Ratsherr Ulrich Steller lobte die Planung, da sich auf der Südseite „landschaftsgestalterisch Potenzial ergibt“, äußerte aber Bedenken, dass die Geometrie des Radhauses schwierig sei, wenn man in Eile eine S-Bahn erreichen will.

Horst Ludewig (FDP) hakte nach, ob geprüft sei, dass auf der Begegnungsfläche, wo Fußgänger und Radfahrer unterwegs seien, keine Unfälle passieren. Helbig verwies auf die extra transparente Ausführung, die „ich will nicht sagen wie ein Käfig“, aber von allen Seiten einsehbar sei. „Die gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr gibt es nicht, das ist ein Traum“, warf Bernhard Arzt (Freie Wähler) ein. Konrad Epple (CDU) fand die Planung „ansprechend“.

Der Zugang von der Dornier-straße wird über ein Erdbauwerk mit einer Steigung von neun Prozent hergestellt. Die Situation an der Dornierstraße lässt durch die neue Planung mehr Gestaltungsraum. Fest steht aber trotzdem, machte Bürgermeister Ulrich Bahmer deutlich, dass je nach Anlage der Böschung Stellplätze für die Autos wegfallen würden.

Info: Am kommenden Dienstag befindet der Ditzinger Gemeinderat über den Vorentwurf.