Logo

Fetzige Musik zugunsten von Frauen für Frauen

Die Brenz Band gibt es seit dem Jahr 1977, der Verein Frauen für Frauen ist drei Jahre später gegründet worden. Höchste Zeit also für das erste gemeinsame Event. Am Freitagabend haben die Musiker mit und ohne Handicap zugunsten des Vereins in der Erlöserkirche gespielt.

Immer beschwingt: die Brenz Band in der Erlöserkirche. Foto: Holm Wolschendorf
Immer beschwingt: die Brenz Band in der Erlöserkirche. Foto: Holm Wolschendorf

Zahlreiche Fans der Brenz Band, aber auch Menschen, die sich dem Verein Frauen für Frauen verbunden fühlen, erlebten einen unterhaltsamen Abend, bei dem die Musik natürlich die Hauptrolle spielte. Zustande gekommen war der Kontakt durch das Bandmitglied Gerhard Ruhl, dessen Tochter Hannah bei Frauen für Frauen aktiv ist.

„Wir machen so viel Benefizkonzerte, wir spielen deshalb gerne auch für den Verein, der sich gegen Gewalt an Frauen und Kindern engagiert“, so Gerhard Ruhl, Pfarrer im Ruhestand und ein echtes musikalisches Multitalent. Pfarrer Joachim Stricker, Hausherr in der evangelischen Erlöserkirche, hatte sofort zugestimmt, als er gefragt worden war, ob er das Gotteshaus für das Benefizkonzert der Brenz Band zur Verfügung stellt. Unterstützung gab es auch von Oberbürgermeister Werner Spec. Er hatte nicht nur die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen, sondern griff gleich zu Beginn des Benefizkonzerts zur Trompete und spielte bei „Que sera sera“ mit.

Die Vereinsfrauen sorgten mit Häppchen und Getränken für einen schönen Rahmen. Sie servierten den Besuchern aber auch Informationen über den Verein und dessen breitgefächertes Tätigkeitsfeld. Nach der Begrüßung durch die Vereinsvorsitzende Uschi Höschele stellten die Mitarbeiterinnen sich und ihr Betätigungsfeld vor.

„Wir werden bei Konzerten immer gefragt, wann wir üben“, sagte Gerhard Ruhl. „Jetzt“, lautet immer die Antwort. Denn abgesehen von einem Probenwochenende auf einer Berghütte in der Schweiz wird nicht geübt. Ruhl berichtete, wie das Stück „Que sera sera“ ins Repertoire aufgenommen wurde. Er hatte es auf der Fahrt zu einem Konzert in Heilbronn im Radio gehört, später den anderen Musikern vorgespielt. „Nach einer halben Stunde machten alle mit“, erzählte er.

„Nicht auszumalen, wie gut wir wären, wenn wir auch noch regelmäßig proben würden“, ergänzte Gründungsmitglied Horst Tögel. Er erinnerte daran, wie es im Jahr 1977 zur Gründung der Brenz Band kam: Er sei als Lehrer an der Schule für Bildungsschwache tätig gewesen, damals habe man von Hilfsschule gesprochen. In der Nachbarschaft seien die Kinder auf Ablehnung gestoßen. Türen und wohl auch die Herzen blieben sogar verschlossen, als man Geburtstagsständchen bringen wollte.

In der Fußgängerzone wollte man den Lehrer und seine behinderten Schüler und ihre Musik dagegen durchaus hören. „Plötzlich hatten die Behinderten ein Gesicht und einen Namen“, so Horst Tögel. Es folgten viele Auftritte, Reisen ins Ausland und Auszeichnungen. „Vielleicht merken auch Sie sich heute Abend ein Gesicht oder einen Namen“, richtete sich Tögel an die Zuhörer in den Kirchenbänken. Und so stellte er jeden einzelnen der Musiker mit Handicap vor; den temperamentvollen Sänger und Akkordeonspieler Salvatore ebenso wie den zurückhaltenden Bernd am Schlagzeug und natürlich die anderen Mitwirkenden. Auch Anekdoten aus dem langjährigen Bandleben und den Erlebnissen in fernen Ländern durften nicht fühlen. Ob gefühlvoll wie „Highland Cathedral“, lebensfroh wie „Marina“ oder nachdenklich wie „Heute hier, morgen dort“: Die Musiker beherrschen die gesamte Klaviatur der Gefühle. Erst zum zweiten Mal öffentlich gespielt wurde „Pomp und Circumstance“. „Wenn das jetzt gut geht, sind wir richtig zufrieden“, so Tögel. Die Nähe zum Publikum ist den Musikern wichtig, der Gang von Musikern durch den Kirchenraum durfte bei dem Konzert am Freitagabend nicht fehlen.

„Wir geben alles weiter, was wir bekommen“, betonte Gerhard Ruhl. Deshalb verzichten die Musiker nicht nur auf die Gage und hoffen auf die Spendenbereitschaft der Besucher. Wer am Freitagabend ein Exemplar des Buches „Die Brenz Band - von Quito in die Cannstatter Kurve“ kaufte, auch der füllte die Spendenkasse von Frauen für Frauen. Die Musiker spendeten nämlich einen Teil aus dem Verkaufserlös.

Autor: