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Internationalisierung
Filmakademie mit weltweiter Strahlkraft

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350_0900_25497_Schadt_Thomas_web_c_FABW_Roland_Moench_Po.jpg Foto: Filmakademie
Studenten Fehlanzeige: An der Filmakademie (links oben), der Pädagogischen Hochschule (rechts oben), der Verwaltungshochschule (rechts unten) und der Evangelischen Hochschule sieht man derzeit kaum junge Menschen. Alle Lehrveranstaltungen wurden abge
Studenten Fehlanzeige: An der Filmakademie (links oben), der Pädagogischen Hochschule (rechts oben), der Verwaltungshochschule (rechts unten) und der Evangelischen Hochschule sieht man derzeit kaum junge Menschen. Alle Lehrveranstaltungen wurden abgesagt. Foto: LKZ-Archiv
Thomas Schadt hat die Filmakademie seit 2005 zu einer der erfolgreichsten Filmhochschulen der Welt gemacht. Jetzt will er ihre internationale Strahlkraft noch weiter ausbauen: mit mehr internationalen Studenten und Dozenten und mehr Unterricht auf Englisch.

Ludwigsburg. Es ist geschafft. Am Montag hat Thomas Schadt den Vertrag für seine vierte Amtszeit bis 2025 als Direktor der Filmakademie unterschrieben. Und am Mittwoch hat der Landtag den Haushalt für die kommenden beiden Jahre abgesegnet. Damit erhält die Ludwigsburger Hochschule für ihre Grundfinanzierung gut 2,5..Millionen Euro zusätzlich jedes Jahr.

Das zusätzliche Geld will Thomas Schadt vor allem in die Internationalisierung und in das Animationsinstitut stecken. Denn ohne internationale Netzwerke (Text unten) sei das Filmgeschäft heute nicht mehr vorstellbar. Für den Alltag an der Filmakademie bedeutet das: „Deutsch ist nicht mehr die einzige Sprache“, sagt Thomas Schadt. Als Branchensprache habe sich längst Englisch durchgesetzt. In einem Strategiepapier mit dem Titel „Filmakademie 2030“ hat die Hochschule ihren Weg in eine internationalere Zukunft skizziert.

Ein Abbild der Gesellschaft

Unter anderem sind folgende Schritte geplant: „Wir möchten ein internationales Büro mit zwei bis drei Mitarbeitern eröffnen“, sagt Thomas Schadt. Diese sollen dabei helfen, weltweit Studenten, aber auch Lehrkräfte und Filmschaffende anzusprechen. Damit rückt Deutsch als Unterrichtssprache an der Filmakademie zunehmend in den Hintergrund. Schon ab dem Wintersemester 2021/22 soll es mehrere bilinguale (Deutsch/Englisch) Studiengänge geben. Am Animationsinstitut, das schon sehr international aufgestellt ist, soll das Studium komplett auf Englisch umgestellt werden. Thomas Schadt möchte durch diese Schritte ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den anderen deutschen Filmhochschulen schaffen.

Der Direktor sieht zudem die Möglichkeit, die Interkulturalität der Gesellschaft künftig besser an seiner Hochschule abzubilden. Ohne ein internationales und interkulturelles Verständnis könne heute kein Filmschaffender mehr erfolgreich sein. Der Erfolg des regionalen Filmstandorts hänge unmittelbar mit der Fähigkeit der Absolventen zusammen, sich international zu vernetzen und zu behaupten. Sie müssten heute die regionalen, aber auch die internationalen Spielregeln des Marktes beherrschen.

Studenten sollen ins Ausland gehen

Doch die Welt soll nicht nur nach Ludwigsburg kommen – auch die Ludwigsburger sollen hinaus in die Welt. „Bisher machen gut 40 Prozent unserer Studenten ein Auslandssemester“, sagt Thomas Schadt. Das soll sich ändern. „Im Idealfall absolviert künftig jeder Student ein Auslandssemester.“ Dafür sollen in Zukunft die Partnerschaften mit anderen Universitäten, aber auch mit außereuropäischen Medienstandorten – von Hollywood bis Bollywood – ausgebaut werden.

Das Know-how des Animationsinstituts, an dem viel in den Bereichen Animation, Virtual Reality und Künstliche Intelligenz entwickelt und geforscht wird, soll dagegen stärker in der Region gehalten werden. Bisher, so Schadt, seien das Institut und seine Absolventen vor allem Dienstleister für Unternehmen, die außerhalb der Region agieren. Durch mehr Produktionsfirmen, die beispielsweise abendfüllende Animationsfilme hier am Standort umsetzen, könnte das geistige Eigentum vor Ort eingesetzt werden. Die eine oder andere technische Erfindung könnte sogar hier patentiert werden. „Das ist doch ein urschwäbischer Gedanke“, sagt Schadt.

Der Ausbau der Forschungsabteilung des Animationsinstituts und seiner Studiengänge sowie Förderprogramme für Absolventen sollen die Region als Animationsstandort weiter stärken.

Gute Geschichten weiter im Zentrum

Auch mit einer internationalen Filmakademie und einem veränderten Markt werde sich allerdings die grundlegende Frage nicht verändern. Und die lautet für Thomas Schadt: „Welche Geschichten sind erzählenswert und welche nicht.“ Und: „Gute Geschichten fallen nicht vom Himmel. Ein gutes Drehbuch muss man schreiben können.“ Im Rückblick ist der Leiter der Filmakademie aber überzeugt, dass die Filme in den vergangenen Jahren an Qualität gewonnen haben. „Die Technik hat sich revolutioniert, aber auch inhaltlich sind sie besser.“

Auch die Produktionsmöglichkeiten seien heute völlig andere als zu seiner Anfangszeit. „Amazon oder Netflix sind internationale Konzerne, die anders funktionieren und andere Spielregeln haben“, sagt Schadt. Diese Unternehmen sind ebenso potenzielle Arbeitgeber für seine Absolventen wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das in Deutschland nach wie vor sehr potent sei.

Die Branche denke längst international, entwickle immer neue Formate – die Streamingdienste derzeit zum Beispiel vor allem Serien nach internationalen Verkaufskriterien. Auf all das müsse die Filmakademie reagieren. Auch das Kino ist nicht tot. „Das wird nicht aussterben.“

Als Produktionsstandort habe die Region durchaus noch Wachstumspotenzial. „Dafür müssen aber auch die Anreize stimmen“, sagt Schadt. Dafür brauche man gut vorbereitete und finanziell gut ausgestattete Projekte, die dann zu Firmengründungen führen können.

Gemeinsam mit der Stadt und dem Land wollte die Filmakademie in Ludwigsburg daher ein Gründerzentrum mit modernster technischer Ausstattung aufbauen. Das Land gibt dafür momentan aber kein Geld frei. Schadt sucht jetzt nach einer Lösung mit privaten Partnern.