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Studentenwettbewerb

Formula Student: Stuttgarter DHBW-Studenten bauen Elektro-Rennauto in Teamarbeit

Ein Hauch von Maranello schwebt in der Aula der Waldorfschule Ludwigsburg: Wie im echten Formel-1-Zirkus präsentierten dort am vergangenen Freitag Studenten von der DHBW-Engineering der Dualen Hochschule Baden-Württemberg den neuen Elektro-Rennwagen für die kommende Saison der „Formula Student“.

Im Festsaal der Waldorfschule Ludwigsburg wird der Rennwagen „eSleek22“ von Stuttgarter DHBW-Studenten sowie Teamleitern der verschiedenen Technik- und Wirtschaftsbereiche präsentiert (von links): Jannik Kaiser (Stuttgart), Tim Welzel (Notzingen), Ol
Im Festsaal der Waldorfschule Ludwigsburg wird der Rennwagen „eSleek22“ von Stuttgarter DHBW-Studenten sowie Teamleitern der verschiedenen Technik- und Wirtschaftsbereiche präsentiert (von links): Jannik Kaiser (Stuttgart), Tim Welzel (Notzingen), Ol

Ludwigsburg/Stuttgart. Unter einem Tuch verhüllt, steht der kleine Flitzer auf der großen Bühne. Gut 250 Gäste aus Hochschulen und Industrie warten gespannt, bis der Schleier gelüftet wird. Musik und eine Lichtshow steigern die Spannung. Dann wird das neue Fahrzeug, seine Entstehung präsentiert und mit allerlei technischen Details, einem professionellen Video vorgestellt. Alles läuft fast so ab wie bei den Premieren der großen Autoshows.

Zwei Jahre hat der Rennstall der Dualen Hochschule Stuttgart an dem Rennwagen getüftelt und geschraubt. Er sieht aus wie seine großen Brüder: Flach wie eine Flunder, Spoiler vorne, Flügel hinten, Monocoque aus Karbon und Aluminium mit ergonomischem Fahrersitz, Werbung von den Sponsoren auf allen Flächen. Lediglich die Abmessungen ähneln eher einem Kart.

Vollelektrisch wird der Bolide angetrieben. Die vier Nabenmotoren leisten zusammen über 200 Pferdestärken. Diese Kraft wird direkt und verlustfrei auf jedes der Räder freigelassen. Das sorgt für ein gewaltiges Drehmoment bei dem Fliegengewicht mit nur 180 Kilo. Der „eSleek22“ beschleunigt von 0 auf 100 in 2,2 Sekunden. Damit ließe er einen konventionellen Porsche 918 Spyder mit seinen 890 System-PS hinter sich. Der mögliche Topspeed ist offiziell nicht bekannt. Bis Tempo 130 schafft es die Tachonadel maximal, dann wird allerdings abgeregelt.

Etwa 110 junge junge Frauen und Männer am Projekt beteiligt

Die Formula Student ist ein internationaler Konstruktionswettbewerb für Studierende unter der Schirmherrschaft des Vereins Deutscher Ingenieure. Inhalt des Wettbewerbs ist es, alle zwei Jahre in Teamarbeit einen einsitzigen Formelrennwagen zu konstruieren und zu fertigen. Rund 110 junge Männer und Frauen (darunter auch Studierende aus dem Kreis Ludwigsburg) vom ersten bis zum sechsten Semester aus fast allen Fachbereichen der Dualen Hochschule beteiligen sich an dem Projekt, für das ein Verein gegründet wurde. Außerhalb des Lehrplans ihres Studiengangs. Der Anspruch des Wettbewerbs ist, das Studium um Erfahrungen mit Konstruktion und Fertigung sowie mit den wirtschaftlichen Aspekten des Automobilbaus zu ergänzen. Außerdem werden dabei wertvolle Kontakte zur Industrie und damit potenziellen Arbeitgebern geknüpft.

Seit der Saison 2007/08 sind die Stuttgarter mit im Rennen. Sie rangieren im internationalen Gesamt-Ranking in den Top Ten, sagt der Sprecher Gabriel Götz. Dass die Waldorfschule als Präsentationsort gewählt wurde, liege alleine an der bestens geeigneten Location.

Auch die Fahreigenschaften der Autos werden beim Wettbewerb getestet

So ein Wettbewerb wird in acht Disziplinen ausgetragen. Zur Ermittlung des Gewinnerteams bewertet eine Jury aus Experten der Motorsport-, Automobil- und Zuliefererindustrie in den statischen Disziplinen die Konstruktion, Kosten- und den Businessplan jedes Teams. Zusätzlich werden auf der Rennstrecke in verschiedenen dynamischen Disziplinen die Fahreigenschaften der Autos getestet. Eine liegende Acht wird gefahren, ein Dragrace über 75 Meter, bei dem die Beschleunigung gemessen wird. Im Autocross muss das Fahrzeug außerdem durch einen 800 Meter langen Handling-Kurs gesteuert werden, der Geraden, Haarnadelkurven, Schikanen und Slalomstrecken enthält. Die Haltbarkeit und Zuverlässigkeit des Wagens werden auf einer Strecke über 22 Kilometer getestet. Darüber hinaus wird der Energieverbrauch gemessen, der anschließend zur Bewertung der Effizienz herangezogen wird. Um die Gefahr gering zu halten, wird nicht gegeneinander gefahren, sondern nacheinander. Anschließend werden die Werte verglichen. Unterwegs sind sie auf international anerkannten Strecken wie dem Hockenheimring, dem Hungaroring in Ungarn oder dem niederländischen Assen.

Komponenten für autonomes Fahren verbaut

Mit dem „eSleek22“ eröffnet sich nun eine neue Dimension: Erstmals wurden Komponenten entwickelt und verbaut, die den Piloten überflüssig machen. Autonomes Fahren auch im Rennsport.

Die After-Show-Party ist etwas weniger glamourös als beim Original. Es gibt Bier statt Champagner, Teamshirts statt dem knappen „kleinen Schwarzen“. Schwarz, Rot und Silber in schickem Karo-Design trägt nur das Auto, das auf der Bühne im Rampenlicht steht.

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