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Für Demos gibt es kein Schulfrei

Als Teil der Fridays-for-Future-Bewegung gehen auch in Ludwigsburg junge Menschen für den Klimaschutz auf die Straße. Nach der Premiere am vorigen Freitag findet heute die zweite Demonstration statt. Dass dies während der Schulzeit geschieht, ist Teil des Protestes.

Für den Klimaschutz gehen auch in Ludwigsburg Schüler auf die Straße – und zwar während der Unterrichtszeit.. Foto: Holm Wolschendorf
Für den Klimaschutz gehen auch in Ludwigsburg Schüler auf die Straße – und zwar während der Unterrichtszeit.. Foto: Holm Wolschendorf

„Wir tragen die Schüler als fehlend ins Klassenbuch ein, das war’s“, berichtet Mathias Hilbert, Geschäftsführender Schulleiter der Ludwigsburger Gymnasien von einer Absprache mit dem Regierungspräsidium Stuttgart. Es gibt kein Nachsitzen oder andere Sanktionen, Wer allerdings bei Klassenarbeiten fehlt, kassiert die Note Fünf – auch kurz vor dem Ende des Schulhalbjahrs.

„Grundsätzlich ist das Engagement der Jugendlichen gut und richtig.“

Mathias Hilbert
Geschäftsführender Schulleiter der Ludwigsburger Gymnasien

„Grundsätzlich ist das Engagement der Jugendlichen gut und richtig. Wir wollen ja politische und engagierte Schüler“, betont Hilbert. Bedauerlich findet es der Schulleiter vom Otto-Hahn-Gymnasium, dass die Verantwortlichen keinen Kontakt zu den Schulen gesucht hätten. Für ihn sind nämlich durchaus gemeinsame Aktionen denkbar, wie ein großer gemeinsamer Sternmarsch der Ludwigsburger Schulen oder die Organisation eines Weltklimatages – zum Beispiel freitags im Anschluss an die sechste Schulstunde oder an einem Samstag. „Es sind viele Spielarten denkbar“, so Hilbert. Die Schulen versuchten, besonnen zu reagieren.

„Was bringen mir gute Noten, wenn ich keine Zukunft habe.“

Markus Moskau
Schüler und Organisator der Fridays-for-Future-Bewegung Ludwigsburg

Nicht nur Schüler geraten durch die Protestbewegung, die von einer Schülerin aus Schweden initiiert worden ist, in eine Konfliktsituation. „Die Schulen können nicht dulden, dass die Jugendlichen wochenlang dem Unterricht fernbleiben.“ Wenn sie mehrere Male den Unterricht in einem Fach versäumten, sei es schwer, den Stoff nachzuarbeiten. Die Beteiligung von Schülern des OHG vorige Woche habe sich im Rahmen gehalten, so Hilbert.

Von einer „recht beträchtlichen Zahl von Teilnehmern aus Mittel- und Oberstufe“, berichtet dagegen Wolfgang Medinger, Leiter des Goethe-Gymnasiums. Die Namen der Schüler, die nicht zum Unterricht erscheinen, werden als „unentschuldigt fehlend“ im Klassenbuch festgehalten. „Wir gehen davon aus, dass sie den versäumten Unterrichtsstoff nachholen“, so Medinger. Wer während einer Klassenarbeit nicht da ist, bekommt eine glatte Fünf. „Man kann von den Lehrkräften nicht verlangen, eine zweite Klassenarbeit zu entwerfen“, argumentiert er.

Wie aus einem Schreiben hervorgeht, das an Elternvertreter verschickt wurde, haben die Lehrkräfte konkrete Handlungsempfehlungen erhalten. Darin heißt es, dass die Schüler nicht freigestellt werden dürfen. Medinger berichtete von Ideen, sich im Schulalltag intensiver mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Durch die Fridays-for-Future-Bewegung hätte dies an Dynamik gewonnen.

Verständnis für die Sache zeigt auch Bernhard Bleil, Geschäftsführender Schulleiter für Haupt-, Real-, Gemeinschafts-, Grund- und Förderschulen. „Es ist wichtig, dass Schüler Engagement zeigen“, findet er. Allerdings stelle sich für ihn die Frage, warum der Protest nicht freitagnachmittags stattfinden kann. „Es könnte spannend werden, wenn der Protest länger dauert“, so Bleil. Ebenso wie Hilbert bedauert er es, dass die Organisatoren nicht auf die Schulen zugekommen sind, um das Thema dort breiter aufzustellen.

„Man erzielt eine andere Wirkung, wenn man streikt“, sagt Markus Moskau, einer der Initiatoren der Fridays-for-Future-Demo. Das Fernbleiben von der Schule sei ein wichtiger Teil des Protestes. „Was bringen mir gute Noten, wenn ich keine Zukunft habe“, betont der 18-jährige Oberstufenschüler des Friedrich-List-Gymnasiums in Asperg. Für ihn sei es wichtiger, auf die Straße zu gehen, als auf der Schulbank zu sitzen. Er selbst verpasse zwar den Unterricht in Gemeinschaftskunde, findet es aber besser, selbst Politik zu machen.

Auch an seiner Schule gibt es ein „Ungenügend“ für versäumte Klassenarbeiten. „Ich selbst würde mir schon überlegen, ob ich an solch einem Tag demonstriere“, räumt er ein. Das betreffe Einzelfälle und nicht das Kollektiv. Seiner Meinung nach spricht nichts dagegen, wenn Schulen sich der Bewegung anschließen. Auf der anderen Seite wolle man durch den Schulstreik erreichen, wahrgenommen zu werden und damit den Druck auf die Politik zu erhöhen. „Wir werden solange politisch agieren, bis wir eine Veränderung erreichen, mit der wir zufrieden sind“, kündigt Markus Moskau an.

Der Demonstrationszug führt vom Bahnhof zum Landratsamt und über die Schorndorfer Straße zum Rathaus.

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