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Inzidenz

Gastro bereitet sich auf Öffnung vor

Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter 100, dann darf die Gastronomie zwei Tage später unter bestimmten Vorgaben öffnen. In Ludwigsburg stehen die Gastronomen in den Startlöchern.

Noch ist die Gastronomie geschlossen, auf dem Marktplatz herrscht gähnende Leere. Wenn die 7-Tage-Inzidenz aber weiter unter 100 bleibt, könnte die Gastronomie allerdings in der nächsten Woche wieder öffnen. Foto: privat
Noch ist die Gastronomie geschlossen, auf dem Marktplatz herrscht gähnende Leere. Wenn die 7-Tage-Inzidenz aber weiter unter 100 bleibt, könnte die Gastronomie allerdings in der nächsten Woche wieder öffnen. Foto: privat

Ludwigsburg. Die Hoffnungen waren groß, als das Landratsamt am Montag um 16 Uhr die aktuelle 7-Tage-Inzidenz für den Landkreis vermeldete: 99,9! Doch auf die Hoffnung folgte schnell Ernüchterung, denn das Land meldete für den Landkreis Ludwigsburg einen anderen Wert. Und der lag aufgrund von Nachmeldungen dann doch wieder über 100, genauer gesagt bei 100,3. Die „magische“ 100er-Grenze wurde somit doch noch nicht am Montag geknackt, die erhoffte Öffnung also wieder etwas nach hinten verschoben. Doch am Dienstag war es dann so weit: Der Landkreis meldet eine 7-Tage-Inzidenz von 96,8 (Stand 16 Uhr). Wenn der Wert am Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Samstag ebenfalls unter 100 bleibt, dann dürfen die Lokale ab Montag öffnen, wie das Landratsamt auf Anfrage mitteilt.

Viele Gastronomen planen Testmöglichkeiten vor Ort

Im Gegensatz zu den Öffnungen im vergangenen Jahr gelten diesmal allerdings strengere Regeln. So müssen Besucher entweder einen negativen Test vorlegen oder genesen beziehungsweise geimpft sein. Ansonsten ist der Zutritt untersagt. Die Kontaktdaten müssen weiterhin erfasst werden. Das könne analog oder digital geschehen, wie das Land Baden-Württemberg mitteilt. Zunächst dürfe die Gastronomie zwischen 6 und 21 Uhr öffnen, im Innenbereich ist ein Gast je 2,5 angefangene Quadratmeter Gastraumfläche erlaubt. Außen gibt es zwar keine Personenbegrenzung, doch sowohl im Innen- als auch im Außenbereich muss ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Tischen gewährleistet sein.

„Die Mitarbeiter sind bereits informiert, dass es bald wieder losgehen soll“, sagt Peter Buhl vom Restaurant Post Cantz. „Alle freuen sich schon.“ Auch Christoph Rieger und das Allgäu-Team haben „auf eine Öffnung hingearbeitet“. „Wir sind bereit, wieder an den Start zu gehen“, sagt er. Die Hygienekonzepte der Gastronomen sind vorhanden, Luftreiniger, Trennwände, Plexiglasscheiben und ähnliche „Hilfsmittel“ stehen bei vielen noch aus dem vergangenen Jahr bereit.

Die wohl größte Änderung, die auf die Gastronomie zukommt, ist, dass die Lokale nur von geimpften, genesenen oder negativ getesteten Personen betreten werden dürfen. Deshalb wollen Buhl und viele seiner Gastro-Kollegen auch eine Testmöglichkeit direkt vor Ort anbieten. Diesbezüglich seien auch extra Kurse des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Baden-Württemberg angeboten worden. So können Gäste in Sachen Selbsttest vor Ort angeleitet werden, sollten sie ohne den benötigten negativen Coronatest vor der Tür stehen. Dies sei beispielsweise auch im Goldenen Pflug beziehungsweise im Rössle in Pflugfelden, im Uferstüble in Hoheneck, im Gasthaus Allgäu und dem Café und Restaurant im Heilbad Hoheneck geplant.

„Wir haben am Montag eine provisorische Terrasse für unser Gasthaus Rössle errichtet“, sagt Christian Köhle vom Goldenen Pflug in Pflugfelden. „Lange war ja nicht klar, ob sofort auch innen geöffnet werden darf. Deshalb haben wir uns zusätzlich für die temporäre Nutzung der Pop-up-Terrasse entschieden.“ Das hohe Gefälle sei bereits aufgeschüttet worden, neue Terrassenmöbel und Pflanzen sollen nun die Aufenthaltsqualität erhöhen. „Wir stehen in den Startlöchern, auch wenn die Wiedereröffnung logistisch eine enorme Herausforderung ist.“ Gerade in Sachen Speisen und Getränke könnte es für viele Gastronomen zu einer zusätzlichen finanziellen Belastung kommen, wenn die Lagerbestände aufgefüllt, die Lokale aber nach kurzer Zeit wieder schließen müssen.

Personal und Kontrollen: Noch viele offene Fragen

Neben der großen Vorfreude auf die Wiedereröffnung plagen viele Gastronomen aber auch weitere Sorgen. Das Signora Moro am Marktplatz möchte zwar möglichst früh öffnen, wenn es geht, Anfang oder Mitte nächster Woche. Doch es reiche nicht aus, einfach die Tür aufzusperren, sagt Inhaber Franceso Moro. Restaurants stünden vor erheblichen Problemen, etwa beim Personal. Manche Mitarbeiter im Service oder der Küche seien in den vergangenen Monaten ganz abgesprungen, weil ihnen das Kurzarbeitergeld zu wenig war und sie andere Jobs gefunden haben. „Wir sind noch auf der Suche nach Service-Personal“, heißt es beispielsweise auch aus dem Restaurant Lange am Markt.

Ähnliches treibt auch Orhan und Silke Özbagci, die Inhaber vom Uferstüble in Hoheneck, um. „Das Stammpersonal ist da und weiß Bescheid, dass wir, sobald es geht, öffnen“, sagt Orhan Özbagci. „Es ist nicht so, dass wir kein Personal mehr haben. Aber wir werben schon länger für die neue Saison, doch bisher sind noch keine neuen Bewerbungen eingegangen“, fügt Silke Özbagci hinzu. „Ein Job in der Gastro scheint für viele aktuell zu unsicher und somit unattraktiv.“

Viele Gastronomen sorgen sich auch um die zahlreichen Kontrollen, die anstehen, um zu prüfen, wer wirklich genesen, geimpft oder aktuell negativ getestet ist. „Ein Biergarten hat ja normalerweise mehr als einen Eingang“, sagt Orhan Özbagci. „Wir müssen jetzt schauen, wie wir das handhaben, damit wir die ganzen Angaben der Gäste genau überprüfen können. Brauchen wir vielleicht sogar Security? Es sind noch viele Fragen offen.“

Doch alle verbindet die Hoffnung darauf, dass die Besucher nach monatelanger Abstinenz wieder zahlreich in den Restaurants, Biergärten, Cafés oder Gaststätten erscheinen. „Wir hoffen alle auf ein wenig Normalität“, sagt Peter Buhl.

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