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Steillagen

Gegen den Wildwuchs im Weinberg

Auch in Zeiten umfangreicher Rettungsmaßnahmen für Weinberge in Steillagen sind dort verwilderte Brachflächen keine Seltenheit. In Benningen regt sich jetzt der Widerstand bei Wengertern, weil wuchernde Brombeerbüsche in ungepflegten Weinbergen einen Nährboden für die Kirschessigfliege darstellen, welche die Trauben befallen. Die Weinbauern sehen die Behörden in der Pflicht.

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In den Benninger Steillagen treffen bewirtschaftete und verwilderte Rebflächen aufeinander. Den Wengertern wird dadurch die Arbeit im Weinberg erschwert. Foto: Holm Wolschendorf
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Ludwigsburg. Ralf Streib aus Murr bewirtschaftet in den Benninger Steillagen eine acht Ar große Fläche. Was für ihn ein reines Hobby darstellt, gerät immer mehr zum Ärgernis. Der Grund: Weil einige Grundstücksbesitzer schon seit Jahren ihre Flächen nicht mehr bewirtschaften, verwildern diese zusehends. „Die Folge davon ist, dass beispielsweise Brombeerhecken wuchern und somit ein Brutplatz für die Kirschessigfliege vorhanden ist“, sagt Streib. Sie würde die Reben der benachbarten Grundstücke gefährden. Auch Trockenbaumauern würden bei fehlender Pflege mehr und mehr zerfallen. Da er nicht mehr bereit war, diese Zustände in den Benninger Steillagen hinzunehmen, hat er sich fachlichen Rat geholt und ist auf Paragraf 26 des Landwirtschafts- und Landeskulturgesetzes Baden-Württemberg gestoßen. Demnach sind „Besitzer von landwirtschaftlich nutzbaren Grundstücken verpflichtet, ihre Grundstücke zu bewirtschaften oder dadurch zu pflegen, dass sie für eine ordnungsgemäße Beweidung sorgen oder mindestens einmal im Jahr mähen. Die Bewirtschaftung und Pflege müssen gewährleisten, dass die Nutzung benachbarter Grundstücke nicht, insbesondere nicht durch schädlichen Samenflug, unzumutbar erschwert wird“.

Damit hat der Privatwengerter bereits 2015 die Gemeinde Benningen konfrontiert und darum gebeten, die betreffenden Grundstücksbesitzer auf ihre Pflicht zur Pflege aufmerksam zu machen. Die Gemeinde kam dieser Aufgabe nach – die angeschriebenen Besitzer von Rebflächen jedoch nicht. Die Konsequenz: Streibs Weinbergnachbar hat die Bewirtschaftung seiner Rebfläche bereits eingestellt, er selbst spielt auch mit dem Gedanken. „Es ist schade, wenn die mühsame Arbeit in den Steillagen durch benachbarte ungepflegte Grundstücke beeinflusst wird“, sagt Streib. Damit sei ein Anbau noch unrentabler und uninteressanter geworden.

Zwangsrodung der Rebflächen möglich

„Die Kommune kann nur tätig werden, wenn etwas in den öffentlichen Weg wächst“, sagt Bürgermeister Klaus Warthon. Er sei froh um jeden, der die Kulturlandschaft pflegt und habe vollstes Verständnis für die betroffenen Weinbergbesitzer, die unter dem Wildwuchs in der Nachbarschaft leiden. Weil die Grundstücke im Privatbesitz und die Eigentumsrechte geschützt seien, sei die Verwaltung „ohnmächtig“. „Wir können nur dafür werben, die Flächen dahingehend zu nutzen, wofür sie vorgesehen sind“, sagt der Benninger Rathauschef.

Siegfried Hundinger, Weinbauberater im Landratsamt Ludwigsburg, sieht die Benninger Gemeindeverwaltung weiter in der Pflicht. „Sobald ein öffentliches Interesse besteht, müssen sich die Behörden darum kümmern, eine Lösung zu erarbeiten“, sagt Hundinger. Indem mehrere Besitzer von Weinbergen betroffen seien, sei das öffentliche Interesse gegeben. Folglich müsste das Ordnungsamt der Benninger Gemeindeverwaltung die Pflegepflicht der Rebflächenbesitzer durchsetzen. Da die bisherigen Schreiben offenbar zu keinem Ergebnis geführt haben, sei es nun angebracht, einen Termin zwischen Behördenvertretern und den beiden Parteien zu vereinbaren. Führt auch dies nicht zum Erfolg, könne man eine Zwangsrodung anordnen. „Es ist Dienstaufgabe des Ordnungsamts, das durchzusetzen“, sagt Weinbauberater Siegfried Hundinger, räumt aber ein, dass „dies alles sehr mühevoll“ sei und am Ende „die Gemeinde unter Umständen auf den Kosten sitzenbleibt“.

Ralf Streib ist unterdessen fest entschlossen, weiterzukämpfen. „Wenn sich nichts tut, wende ich mich an die Landesregierung“, sagt er. „Die können sich ihre Zuschüsse für den Erhalt der Steillagen sparen, wenn sie denen nicht helfen, die die Weinberge pflegen.“