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Nachhaltigkeit

Große Börse für den Kleidertausch

„Tauschen statt kaufen“ hieß es am Samstag im Saal der Gemeinde St. Johann. Die Ludwigsburger Fairtrade Agendagruppe hatte zum mittlerweile achten Mal zur Klamotten-Tauschbörse eingeladen. Der Andrang war groß – auch wenn zum Schluss etliche Kleidungsstücke liegen blieben.

Großer Andrang an den Tischen, auf denen sich gebrauchte Kleider stapeln. Foto: Holm Wolschendorf
Großer Andrang an den Tischen, auf denen sich gebrauchte Kleider stapeln. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. „Es ist kein no-go mehr, etwas Gebrauchtes zu tragen“, sagt Susanne Schreiner vom Agendabüro der Stadt Ludwigsburg, das die ehrenamtlich tätigen Mitglieder der Fairtradegruppe unterstützt. „Hier kann man etwas mitnehmen und einen neuen Stil ausprobieren, ohne Geld auszugeben“, sagte sie. Auch wenn sich die Tauschbörse vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene richtete, waren am Samstag alle Altersgruppen vertreten, in erster Linie Frauen.

Mit diesem Second-Hand-Markt wollen die Organisatoren ein Zeichen für die Nachhaltigkeit im Textilbereich setzen. Anstatt Kleidung zu entsorgen, die nicht mehr passt oder nicht mehr gefällt, konnten die Besucher diese gegen andere Teile eintauschen. Dass der Bedarf groß ist, zeigte der Andrang mit fast 200 Besuchern. Teilweise waschkörbeweise wurden die ausrangierten Sachen zum Gemeindesaal gebracht.

Alle Hände voll zu tun hatten Ute Babel und Christian Schröck, die die Kleidung in Empfang nahmen. Für jedes mitgebrachte Teil händigten sie eine Marke aus, die wiederum gegen ein anderes gebrauchtes Kleidungsstück eingetauscht werden konnte. Wer viel mitbrachte, konnte auch viel mitnehmen.

Nach Kategorien geordnet warteten Blusen, Kleider, T-Shirts, Schals, Hosen und Schuhe darauf, entdeckt und mitgenommen zu werden. Sogar ein Tisch mit Männerkleidung war eingerichtet worden. Ganz bewusst war die Zeit auf eineinhalb Stunden begrenzt worden. „Jeder soll ungefähr die gleiche Auswahl haben“, beschrieb Susanne Schreiner der Hintergrund. Teile, die keinen neuen Besitzer fanden, wurden entweder in den Gebrauchtladen der Diakonie auf der Karlshöhe gebracht oder in einem Fairtrade-Kleidercontainer entsorgt. Einzelne Jeans sollen bei einem Nähworkshop weiter verarbeitet werden.

„Wir müssen wegkommen von der Fastfashion und der Billigproduktion“, sagt Susanne Schreiner. Die Qualität mancher neuer Kleidungsstücke sei mittlerweile so schlecht, dass sie nur noch wenige Wäschen überstehen und so gar nicht mehr zur Verwertung taugen.

„Für die Umwelt ist es besser, Kleidung aus zweiter Hand zu tragen als neue zu kaufen“, meint Nina Hug. Die 32-Jährige war aus Mühlacker nach Ludwigsburg gekommen. Sie beschäftige sich intensiv mit diesem Thema, sag sie. Für ihre Eltern sei es normal gewesen, als Kinder Kleidung von Geschwistern oder anderen Verwandten aufzutragen. „Für viele junge Leute ist es heute eine Hürde, etwas aus zweiter Hand zu tragen“, hat sie festgestellt. Für Nina Hug ist das jedoch kein Problem: Richtig glücklich war sie über die beiden Strickjacken, die sie gefunden hatte. Ihr Rezept gegen Fastfashion: „Man sollte beim Kauf auf gute Qualität und klassische Farben achten.“

Mit Anne Braun, Anneke de Kleer und Alina Kapfenstein stürzten sich drei Freundinnen – 21 und 20 Jahre alt –ins Getümmel. Die Studentin Anne Braun war auf der Suche nach etwas Schickem für einen besonderen Anlass. Worin der Reiz der Tauschbörse besteht? „Dass keine neue Kleidung produziert werden muss“, so die junge Frau. Die Chancen, dass sie fündig wurde, standen gut.

„Ich habe gerade einen Hosenanzug von einem angesagten Designer gesehen“, sagte Carolin Weiß, Mitglied der Fairtrade-Agendagruppe, die die Kleidung sortierte. „Es sind schon einige schöne Sachen dabei“, so ihre Einschätzung. Bei vielen jungen Frauen sei der Druck groß, sich ständig neue Klamotten zuzulegen. „Wir hoffen, dass das Bewusstsein sich durch solche Aktionen wie diese verändert“, sagte sie. Nicht ohne Grund liegen ihrer Meinung nach Strategien zum Entrümpeln und Aufräumen des Kleiderschranks im Trend.

Wie auch bei anderen Einkaufstouren war die Geduld der Männer gefragt. Mit einer Tasse Fair-Trade-Kaffee konnten sie die Wartezeit verkürzen. „Es wäre super, wenn diese Klamotten-Tausch-Börse häufiger angeboten würde“, sagte Steven Daniels aus Besigheim, der mit Ehefrau und Schwiegermutter hierher gekommen war. Die meisten Frauen hätten doch Kleidung ohne Ende. Norbert Seitz, der Ehefrau und Tochter begleitete, nickte mit Blick auf die Kleidungsstücke, die sich auf den Tischen stapelten, zustimmend.

Dass zum Schluss etliche Teile übrig blieben, entsprach nicht unbedingt der Absicht der Fairtrade-Agendagruppe. „Wir überlegen, die Zahl der Teile, die mitgebracht werden dürfen, beim nächsten Mal auf zehn zu beschränken“, kündigte Christian Schröck an. „Schließlich geht es um den Tauschgedanken.“

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