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Große Liste mit Verkehrsprojekten

Wie lässt sich die angespannte Verkehrslage in der Region verbessern? Der Regionalverkehrsplan sammelt dafür Ideen und Projekte, die die Verkehrspolitik in den kommenden Jahren bestimmen sollen. Auch Ludwigsburg ist davon betroffen. Der Plan wurde jetzt im Gemeinderat diskutiert und verabschiedet. Viele Ideen bleiben umstritten.

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Ideen gegen den drohenden Verkehrskollaps auf den Straßen der Region dringend gesucht: Staus wie hier auf der A 81 sollen möglichst verhindert werden. Ideen zur Verbesserung der Lage auf Straßen und Schienen sind im Regionalverkehrsplan aufgelistet und werden derzeit in den Kommunen diskutiert.Archivfoto: Sebastian Kahnert/dpa

Ludwigsburg. Der Regionalverkehrsplan ist das Kursbuch der Verkehrspolitik bis 2025: Rund 300 Projekte und Ideen sind in seiner Neufassung mit verschiedenen Dringlichkeitsstufen aufgelistet, von denen sich die beteiligten Kommunen in der Region Stuttgart Verbesserungen der Lage auf Straßen und Schienen versprechen. Jetzt haben Stadtverwaltung und die Fraktionen des Gemeinderats eine gemeinsame Stellungnahme mit weiteren Vorschlägen erarbeitet. Am Mittwoch wurde die Stellungnahme mit Gegenstimmen von Grünen und Lubu im Gemeinderat verabschiedet. Hier ein Überblick:

Der Regionalverband will unter anderem den Bau der Stadtbahnverbindung von Markgröningen über Ludwigsburg nach Aldingen in dem Plan festschreiben. Oberbürgermeister Werner Spec präferiert indes für Ludwigsburg ein Schnellbussystem und die Reaktivierung der Einsenbahnstrecke Markgröningen – Ludwigsburg, eventuell kombiniert mit weiteren Verbindungen in die Region. Die Fraktionen votieren jedoch einstimmig für einen Antrag der SPD, der parallele Planungen und Prüfungen zum Bau der Stadtbahn fordert. Dies alles ebenfalls mit dem Vermerk höchster Dringlichkeit.

Auch der Nord-Ost-Ring um Stuttgart, eine Schnellverbindung zwischen Kornwestheim und Fellbach, soll mit höchster Dringlichkeit Eingang in den Verkehrsplan finden, um die B 27 zu entlasten. Dies gegen den Widerstand der Grünen, die den Eingriff in ökologische Räume und Naherholungsgebiete, der mit dem Bau des Rings verbunden wäre, verhindern möchten, sich aber mit einem entsprechenden Antrag nicht durchsetzen konnten. Auch Teile der SPD-Fraktion lehnen den Nord-Ost-Ring ab.

Die Weiterverfolgung des Ausbaus derAutobahnanschlussstelle Ludwigsburg-Süd möchte die Region nicht weiterverfolgen. Hier widersprechen der Ludwigsburger Gemeinderat und die Verwaltung: Eine entsprechende Trasse soll freigehalten werden, denn die Verlegung der Anschlussstelle nach Süden würde die Wege zum möglichen Nord-Ost-Ring Richtung Kornwestheim verkürzen.

Über die höchste Dringlichkeit der angestrebten Erweiterung der Autobahn 81 zwischen Ludwigsburg-Nord und Zuffenhausen auf vier Fahrspuren als Maßnahme gegen den Dauerstau sind sich der Regionalverband und die Ludwigsburger Kommunalpolitiker einig. Bis es soweit ist, sollen die beiden Standstreifen für den Verkehr freigegeben werden können.

Der geplanten Neckarquerung südlich von Remseck Aldingen stimmt Ludwigsburg nur unter Vorbehalt zu. Denn es wird befürchtet, dass die Brücke – ohne den Nord-Ost-Ring – zusätzliche Verkehrsbelastungen für Ludwigsburg bedeuten würde. Die Brücke soll aus Ludwigsburger Sicht nur im Verbund mit dem Nord-Ost-Ring verwirklicht werden. Auch hier konnten sich die Grünen mit der von ihnen geforderten Ablehnung der Brücke nicht durchsetzen.

Auf Antrag verschiedener Faktionen sollen zudem noch eine Reihe zusätzlicher Vorschläge in den Maßnahmenkatalog mit einfließen:

Der Vorstoß der Grünen, einen Radschnellweg von Bietigheim-Bissingen über Ludwigsburg und Kornwestheim bis nach Stuttgart, beispielsweise parallel zur B 27, zu bauen, hat nach etlichem Ringen die volle Unterstützung der Fraktionen des Ludwigsburger Gemeinderats. Radschnellwege müssen mindestens vier Meter breit und möglichst kreuzungsfrei sein. Die Grünen wollen auch darauf hinwirken, dass die betroffen Kommunen schon eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben.

Auf Antrag von Elga Burkhardt (Bürgergruppe Lubu) soll geprüft werden, ob im Zusammenhang mit der Reaktivierung der Stadtbahnlinie von Markgröningen nach Ludwigsburg und darüber hinaus die bereits im Berufsverkehr fahrende Linie Kornwestheim-Untertürkheim ganztägig in Betrieb genommen werden kann.

Nach langer Diskussion und mit nur einer Stimme Mehrheit konnte die CDU ihre Forderung durchsetzen, eine Tunneltrasse mit in den Plan aufzunehmen, der von Eglosheim unter dem Favoritepark bis zu der Landstraße nach Freiberg führen soll (wir berichteten). Grüne, SPD und Lubu halten das Projekt für zu teuer, auch der Nutzen sei fragwürdig, da neue Verbindungen immer zusätzlichen Verkehr anziehen. Bei der erneuten Abstimmung im Gemeinderat blieb es bei der knappen Mehrheit für die Befürworter des sogenannten Favoritetunnels. Er bleibt also in der Stellungnahme zum Regionalverkehrsplan.

Ebenfalls auf Vorstoß der CDU, jedoch mit breiter Unterstützung aus den anderen Fraktionen wird zudem der Bau einer Fußgänger- und Fahrradbrücke über den Neckar im Bereich des Freibads Hoheneck sowie die Untertunnelung der Bahnlinie im Bereich der Mörikestraße als Verbindung zu Bismark- und Wilhelmstraße vorgeschlagen. Zudem wird die Verlängerung der Eisenbahnstraße bis zum Domertaltunnel in Kornwestheim und von dort die Querverbindung auf die Anschlussstelle der B 27 bei der Auffahrt Ludwigsburg-Süd gefordert – was im Gemeinderat am Mittwoch allerdings von den Grünen und der SPD-Fraktion abgelehnt wurde. Man befürchtet zusätzlichen Verkehr.

Die Anregungen und Wünsche aus Ludwigsburg und den anderen Kommunen wird der Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart nun seinerseits diskutieren. Denn eine ganze Reihe der aufgeführten Ziele stehen noch in Konflikt zueinander. Mit der Verabschiedung des Regionalverkehrsplans steht dann die Zielrichtung der Verkehrsentwicklung in der Region. Was davon wann umgesetzt wird, ist aber noch nicht abzusehen.