Logo

„Haben nur Ungeimpfte auf der Intensiv“

Die Zahl der Coronapatienten auf den Intensivstationen im Land ist übers Wochenende wieder angestiegen. Wie wirkt sich das auf die Intensivstationen aus, und wie ist die aktuelle Situation konkret in Ludwigsburg?

350_0900_37311_dpa_5FA6B6007A2187D9.jpg
Foto: Kliniken

Ludwigsburg. „Wir sind immer voll. Durch die Pflegeknappheit ist nie wirklich ein Bett frei“, sagt Professor Dr. Götz Gelnder im Live-Interview auf dem Instagram-Kanal unserer Zeitung, das auf unserer Internetseite abzurufen ist. Geldner ist Leiter der Intensivmedizin am Klinikum Ludwigsburg und Koordinator für die intensivmedizinische Versorgung von Covid-Patienten im Land.

Gemessen an den absoluten Zahlen gibt es aktuell weniger Covid-Patienten auf der Intensivstation als zum gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr. Dennoch ist die Situation derzeit prekärer, denn es stehen weniger Intensivbetten zur Verfügung. Das liege eindeutig am Pflegekräftemangel, so Geldner. Im Vergleich zum Jahr 2020 habe man in ganz Baden-Württemberg 25 Prozent weniger Pflegekräfte zur Verfügung. Die Kollegen in der Intensivpflege hätten teils gekündigt, teils ihre Stunden reduziert oder sich auf andere Stationen versetzen lassen. Um dennoch alle Patienten versorgen zu können, habe man den Operationsbetrieb „deutlich runtergefahren, um Pflegepersonal aus dem OP auf die Intensivstation zu bekommen“. Momentan können aber noch alle Notfälle auf der Intensivstation versorgt werden. „Wir haben immer drei, vier Patienten, die wir verlegen können.“ Stand heute liege kein einzig Geimpfter auf der Intensivstation, sagte Geldner. Bei den Patienten handele es sich ausschließlich um Ungeimpfte. Sogar eine Schwangere habe ihr Baby auf der Intensivstation entbunden, während sie an der Herz-Lungen-Maschine angeschlossen war. Das Altersspektrum der Patienten liege derzeit zwischen 27 und 62 Jahre, und damit „deutlich jünger“ als beispielsweise im Frühjahr. Die Sterberate liege bei Patienten mit Covid-Lungenversagen bei 30 Prozent. Natürlich gebe es auch Impfdurchbrüche. „Je länger die zweite Impfung her ist, desto wahrscheinlicher ist ein Impfdurchbruch“, so Geldner. Allerdings landeten diese Personen in der Regel nicht auf der Intensivstation. „Wir hatten zwar auch schon Impfdurchbrüche auf der Intensiv, aber das sind Menschen, die vorher schon sehr, sehr krank waren.“

Autor: