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Wohnungsnot

Hilferufe nach nötiger Trendwende

Podiumsdiskussion zum Thema Wohnungsnot mit Experten am 1. März bei der Vesperkirche in Ludwigsburg – Zukunftsträchtige Konzepte gesucht

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Wohnungssuche – gegenwärtig ein mühseliges Unterfangen.Archivfoto: stock.adobe.com

Ludwigsburg. Die 25-Jährige lebte bei ihrem Freund, jetzt hat er die Beziehung beendet und wenn sie nicht ein Bekannter zu sich geholt hätte, wäre sie jetzt obdachlos. „Ich bin psychisch am Ende und brauche Hilfe“, schreibt die Frau an Heinrich Knodel, den Geschäftsführer der Wohnungslosenhilfe Ludwigsburg. Regelmäßig bekommt er derzeit E-Mails und Briefe von Menschen, die angesichts der Wohnungsknappheit nicht mehr weiterwissen.

„Schönen guten Tag. Ich bin ab morgen obdachlos. Ich habe so gut wie alles versucht. Sie sind meine letzte Hilfe. Ich hoffe, Sie können mir weiterhelfen“, heißt es in einer weiteren E-Mail. Da ist außerdem der allein lebende 50-Jährige, dem die Wohnung gekündigt wurde und der jetzt auch noch arbeitslos ist. 130-mal hat er sich für eine Wohnung beworben, ohne Erfolg. Oder das Ehepaar, bei dem eine Räumungsklage anhängig ist. Hinzu kommt die Krebserkrankung des Mannes, die sich als Hemmnis bei der Wohnungsvermittlung darstellt. Das Ehepaar steht zwar auf der städtischen Liste für Sozialwohnungen, mehr auch nicht. „Ich bin am Ende meiner Kräfte, ich kann nicht mehr“, schreibt die Frau. Oder die Schwangere, die mit arbeitssuchendem Mann und vierjährigem Sohn mangels eigener Wohnung bei den Schwiegereltern lebt, dort aber so schnell wie möglich weg will.

„Wir müssen die Menschen dann erst mal enttäuschen, weil wir gar keine Wohnungen vermitteln“, sagt Knodel. Die Wohnungslosenhilfe betreibt eine Tagesstätte und bietet Unterkünfte für Obdachlose an, zudem gibt es jetzt als Novum eine Fachstelle Wohnungssicherung, die sich laut Knodel bewährt hat. Vom Ziel, ihre Klienten dauerhaft in Wohnraum zu vermitteln und ihnen eine Perspektive zu bieten, ist die ökumenische Einrichtung aber weit entfernt. Das zeigt beispielhaft die Situation in der Uferstraße in Hoheneck, wo alle acht Apartments durchschnittlich eineinhalb Jahre belegt sind, sie sollten eigentlich als Übergangslösung dienen.

Die Suche nach Wohnraum wird nach Einschätzung der Diakonie für die Menschen immer mehr zum Alptraum. Der Markt ist leer gefegt und wer zum Zuge kommen will, der muss sich wie bei der Jobsuche mit Bewerbungsmappe präsentieren. Auf der Strecke bleiben Menschen mit niedrigem Einkommen und solche, die auf dem freien Wohnungsmarkt nicht punkten können.

Das ökumenische Sozialforum, eine Initiative aus Diakonie, Caritas und katholischer Kirche, veranstaltet daher am Donnerstag, 1. März, in der Friedenskirche eine Podiumsdiskussion: „Wie schaffen wir die Trendwende?“ Dieser Frage stellen sich im Rahmenprogramm der Vesperkirche Heinrich Knodel von der Wohnungslosenhilfe, der Ludwigsburger Sozialbürgermeister Konrad Seigfried, Dr. Eckard Bohn vom Mieterverein im Landkreis und Helga Schneller von „Haus und Grund Ludwigsburg“. Mit dabei sind auch Experten, die Lösungswege aufzeigen. Einem vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie dem Bündnis „Bezahlbares Wohnen und Bauen“ einberufenen Expertengremium steht Michael Sachs vor. Der einstige Hamburger Staatsrat und Aufsichtsratsvorsitzende der Berliner Wohnungsbaugesellschaft Gewobag erläutert das vom Expertengremium erarbeitete Zehn-Punkte-Programm für eine Wohnungsbau-Offensive. Die Kernelemente: 1. Bauland bereitstellen, Grundstücke der öffentlichen Hand verbilligt und nach Konzeptqualität vergeben. 2. Wohnsiedlungen nachverdichten, Brachflächen und Baulücken schließen. 3. Soziale Wohnraumförderung und genossenschaftliches Wohnen stärken. 4. Steuerliche Anreize schaffen. 5. Bauordnungen harmonisieren und Aufwand reduzieren. 6. Standards im Bauwesen auf den Prüfstand stellen. 7. Serielles Bauen forcieren. 8. Stellplatzverordnungen flexibler ausgestalten. 9. Verordnungen und Gesetze zur Energieeinsparung neu konzipieren. 10. Gemeinsam für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung für Neubau werben.

Bei der Podiumsdiskussion stellt außerdem Steffen Schäfer von der Fachstelle für Wohnungssicherung in Karlsruhe seinen Weg vor: Er akquiriert pro Jahr bis zu 70 leerstehende Wohnungen und schließt mit den Vermietern Kooperationsvereinbarungen mit zehnjährigem Belegungsrecht ab. Die Stadt bezuschusst Renovierungskosten, die Mieter werden zudem sozialpädagogisch betreut.

Info: Der Vortrag und die Podiumsdiskussion zum Thema „Wohnungsnot und kein Ende“ findet am Donnerstag, 1. März, um 19.30 Uhr in der Ludwigsburger Friedenskirche als Rahmenprogramm der Vesperkirche statt. Der Eintritt ist frei.