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Hunde erobern zum Schluss das kühle Nass

Springen vom Beckenrand ausdrücklich erlaubt: Der letzte Tag der Freibadsaison gehört den Hunden, zum dritten Mal. Vom kleinen Pekinesen bis zum riesigen irischen Wolfshund sahen am Ende alle aus wie die begossenen Pudel.

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Rein mit euch: Einige der Hunde sind geübte Springer und Schwimmer – und können es kaum erwarten, einzutauchen.Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Vor drei Jahren hat Manuela Kaiser, Mitarbeiterin der Stadtwerke, den Badetag für Vierbeiner im Hohenecker Freibad eingeführt. „Es gibt kaum noch Freiräume, wo Hunde sich ohne Leine austoben können und schwimmen dürfen“, begründet die Hundeliebhaberin, warum sie die Idee auch in Ludwigsburg einführte. Dabei sei das gelenkschonende Schwimmen für das Tier so gesund wie für den Menschen. Außerdem ist das große Gelände eingezäunt.

Es werden Stichproben gemacht: Ist die Hundesteuer bezahlt? Ist der Impfpass aktuell? Haben Herrchen und Frauchen Kotbeutel dabei? Ansonsten ist erlaubt, was gefällt. Toben auf der Liegewiese, mit anderen spielen, markieren, schnüffeln, vor allem aber: Ab ins kühle Nass. Es werden Artgenossen wedelnd kontaktet oder grummelnd angezickt. Überwiegend geht alles gut. Solange Mensch sich nicht einmischt.

Seit zwei Wochen schon wird das Wasser nicht mehr gechlort. Deshalb dürfen Menschen nur auf eigene Gefahr mit ins Becken. Das sind bei knapp 16 Grad aber ohnehin nicht allzu viele. Nass werden trotzdem alle. Schüttelt sich der Hund, wird er zum Rasensprenger.

Einer, der ins Wasser geht, ist Uli Kwasny aus Ludwigsburg. Er macht mit einer Sportkamera Unterwasserfotos, die er den Hundehaltern über Internet anbietet. „Bei Babyfotos kam das schon sehr gut an“, hofft er auf ähnlichen Zuspruch. Auch sonst wird viel fotografiert. Einige Besucher kommen, obwohl sie keinen Hund haben, nur des Spektakels wegen.

Am Samstag waren 365 Hunde und 663 Zweibeiner im Freibad. Trotz schönstem Spätsommerwetter weniger als 2016. Korb im Rems-Murr-Kreis hatte ebenfalls Schwimmtag. Manuelas Kaisers Sammy ist ein kleiner Schisser. Der Multimix braucht einen Schubs, damit er sein Spielzeug aus dem Wasser holt. Er trägt Schwimmweste. Ein Leckerli tröstet ihn über die feige Attacke hinweg. Und plötzlich geht er von alleine ins Wasser.

Ein gutmütiger Riese ist Patyon, der irische Wolfshund. „Er ist ein Planschbeckenhund, der mit den Füßen Bodenkontakt braucht, freiwillig schwimmt der nicht“, sagt Monja Sasse, die extra aus Neuwirtshaus gekommen ist. Sein Fell trockne an der Luft schnell. Ganz im Gegensatz zu Shadow, eine Husky-Dame, die nach dem Schwimmen gut abfrottiert und für die Heimfahrt gut eingepackt werden muss, damit sie sich nicht erkältet. Sie schwimmt nur in Begleitung von Frauchen. „Zwei Stunden reichen, dann sind die beiden ausgepowert“, so Sasse. Nicht nur das Wasser, die vielen Eindrücke, der Trubel, die Gerüche strengen an.

Apropos Gerüche. So ein nasser Hund hat durchaus seine ganz eigene Duftnote, die sich im warmen Auto so richtig frei entfaltet und zur Geltung kommt. „Dagegen gibt es kein Mittel“, meint die Ludwigsburgerin Maria Tonndorf. „Ein Hundefreund ignoriert das Bouquet und atmet das weg.“ Ihre französische Bulldogge ist etwas eigensinnig: Sie geht gern ins Wasser und liebt Matschlöcher, aber nur, wenn sie das nicht soll. Heute dürfte Wilma, also mag sie nicht. „Ihr Schwimmstil sieht etwas trottelig aus“, sagt selbst die Besitzerin. Weil es dem Tier schwerfällt, die Schnauze über Wasser zu halten, sieht das eher aus wie Schnorcheln.

Lena dagegen ist Wasserjunkie. „Sie schwimmt auch eine halbe Stunde am Stück“, erzählt Doris Lok aus Pleidelsheim. Auch Louis, ein Golden Retriever, ist rassetypisch eine Wasserratte. Unermüdlich rein und raus, rettet er selbstlos Spielzeug derer, die sich nicht so recht ins Becken trauen. Herrchen Daniel von Streng hat für hinterher einen passenden Hundebademantel dabei. Die Idee des Abschwimmens mit Hunden findet der Oßweiler „mega“. „Das könnten andere Freibäder doch auch machen.“

Die Reaktionen auf diese Aktion sind nur positiv. „Ein Supertag für Mensch und Tier“, sagt Tina aus Markgröningen. Es gebe viel zu beobachten und die Hunde würden sich so freuen, man treffe Gleichgesinnte. 50 Cent pro Pfote und Bein sei der Eintritt für diesen Spaß allemal wert. Macht zusammen knapp 2800 Euro, die gespendet werden.