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Tarifkonflikt

IG Metall bietet Verhandlungen an

Im Streit zwischen Gewerkschaft und Südwestmetall zeichnen sich weitere Gespräche ab – Bis dahin gehen die Streiks weiter

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Gestern Morgen versammelten sich die Beschäftigten zum Streik vor den Toren von ElringKlinger Kunststofftechnik in Bietigheim.
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Konrad Ott von der IG Metall Ludwigsburg spricht zu den Streikenden. Fotos: Oliver Bürkle

Stuttgart/Ludwigsburg. Die Metalltarifparteien im möglichen Pilotbezirk Baden-Württemberg versuchen, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Am Wochenende werde zwar sicher noch nicht weiterverhandelt, vielleicht aber zu Beginn der kommenden Woche, hieß es gestern aus Kreisen des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall. Auch der Kontrahent IG Metall sendete Rauchzeichen, allerdings mit einer Ansage: Für einen neuen Verhandlungstermin müssten die Arbeitgeber „deutliche Bewegung“ signalisieren, forderte Bezirksleiter Roman Zitzelsberger. Dann könnten sie schon am Montag wieder zusammensitzen. Die Bilanz der 24-stündigen Warnstreiks, die seit Mittwoch in ganz Deutschland laufen, sei sensationell. „Ich hoffe, dass die Arbeitgeber endlich erkennen, dass sie deutlich über ihr letztes Angebot am Verhandlungstisch hinausgehen müssen.“

Derweil wurden die 24-stündigen Warnstreiks der Gewerkschaft auch gestern landesweit fortgesetzt, diesmal vor allem an Standorten der Autozulieferer Bosch und Mahle. Morgens um sechs Uhr begannen auch im Kreis Ludwigsburg die Ganzstages-Warnstreiks der IG Metall. Bei Valeo Wischersysteme und ErlingKlinger Kunststofftechnik in Bietigheim-Bissingen sowie bei Mahle in Markgröningen folgten die Arbeiter dem Streikaufruf der Gewerkschaft. Konrad Ott von der IG Metall Ludwigsburg zeigte sich zufrieden. „Die Betriebe stehen still“ ,sagte er. „Es funktioniert alles.“ Jeweils von sechs Uhr früh bis sechs Uhr früh legen die Beschäftigten bei den neuen ganztägigen Warnstreiks ihre Arbeit nieder.

Die Stimmung sei sehr gut, erklärte Ott. Bei Mahle wurden extra Pizzaofen aufgebaut, um die Streikenden zu versorgen. Ab mittags gab es zur Unterhaltung dann noch Live-Musik.

Insgesamt sei die Produktion in 23 Betrieben nahezu komplett ausgefallen, teilte die IG Metall mit. Bei Valeo legten 650 Arbeiter, bei Mahle 580 und bei ElringKlinger 400 Beschäftigte die Arbeit nieder. Am Bosch-Stammsitz in Stuttgart-Feuerbach hätten sich rund 5000 Beschäftigte aktiv am Warnstreik beteiligt. „Fakt ist, dass sowohl die Hallen als auch die Büros heute leer sind“, sagte Martin Röll, Geschäftsführer der IG Metall Stuttgart.

Mit dem Beginn der Nachtschicht am gestrigen Abend rückten dann erstmals auch die Autobauer selbst in den Fokus der Gewerkschaft. Im Mercedes-Benz-Werk in Untertürkheim soll ebenso für 24 Stunden gestreikt werden wie bei Mercedes in Sindelfingen und bei Porsche in Zuffenhausen. Landesweit sollen heute auch weitere Standorte der Unternehmen betroffen sein, etwa Mercedes in Rastatt, Gaggenau und Mannheim, aber auch Audi in Neckarsulm und der Traktorenhersteller John Deere in Bruchsal. Die Gewerkschaft erwartet bundesweit eine Rekordbeteiligung von bis zu 300 000 Metallern.

Außerdem soll es zahlreiche Kundgebungen geben; in Sindelfingen spricht am Mittag unter anderem der Bundesvorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, zu den Beschäftigten. Bei Porsche steht Betriebsratschef Uwe Hück auf der Bühne.

Vergangenes Wochenende hatten die Vertreter der IG Metall Baden-Württemberg und des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall die fünfte Verhandlungsrunde im laufenden Tarifkonflikt ergebnislos abgebrochen. Die IG Metall entschied sich daraufhin für 24-stündige Warnstreiks in bundesweit rund 275 Betrieben. Seit Mittwoch sind Zehntausende Metaller im Ausstand. Ab gestern Abend sollte es die Autobauer Daimler und Porsche treffen. Mancherorts werden die Bänder bis zum Samstag stillstehen.

Dass es bei neuen Verhandlungen am Montag zu wirklichen Lösungen kommt, bezweifelte Konrad Ott aber. Dennoch findet er es gut, dass es ein Gesprächsangebot gibt. „Wenn die Arbeitgeber sagen, sie sind gesprächsbereit, dann müssen sie ja ein Angebot haben“, sagt er. Sein Optimismus hielte jedoch sich Grenzen. Er hoffe aber, dass die Arbeitgeber die Signale aus der Region und dem ganzen Bundesgebiet verstehen und ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen. „Wir sind vorbereitet“, sagte der Gewerkschafter gestern. In der nächsten Woche werde es in neue Verhandlungen gehen. Falls es dann keine Ergebnisse gebe, werde es nach Fasnacht mit unbefristeten Wechselstreiks losgehen. „Da legen wir dann nochmal ein Scheidle drauf, wie wir auf schwäbisch sagen“, erklärte Konrad Ott.