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Zukunft

Ist die Zeit der Einkaufszentren vorbei?

Viele Experten sehen die Ära der Einkaufszentren zur Neige gehen. In den drei Ludwigsburger Häusern ist man dagegen trotz der Coronakrise zuversichtlich. Allerdings setzt man hier zunehmend auf Nahversorgung , Dienstleistungen und Unterhaltung.

Ludwigsburg hat drei Einkaufszentren: die Wilhelmgalerie (Foto: LKZ) und den Marstall in der Innenstadt sowie das Breuningerland im Gewerbegebiet Tammerfeld. Archivfotos: LKZ
Ludwigsburg hat drei Einkaufszentren: die Wilhelmgalerie ( Foto: LKZ) und den Marstall in der Innenstadt sowie das Breuningerland im Gewerbegebiet Tammerfeld. Archivfotos: LKZ

Ludwigsburg. Droht den Einkaufszentren in Deutschland das gleiche Schicksal wie den einst stolzen Kaufhäusern, allen voran Karstadt? Immer mehr Handelsexperten gehen davon aus – zumindest dann, wenn die Häuser nicht umsteuern und stattdessen weiterhin auf ein Angebot setzen, das die Kunden zunehmend über das Internet befriedigen, etwa Kleidung.

In Ludwigsburg ist man aber nicht so pessimistisch wie eine Umfrage bei den Managern im Marstall, der Wilhelmgalerie und dem Breuningerland ergeben hat:

Marstall (70 Geschäfte): Eigentlich ist Manager Dirk Keuthen mit der Entwicklung in den vergangenen Wochen zufrieden. Die Besucherzahlen haben sich zuletzt fast auf dem Vorjahresniveau bewegt, trotz Störfaktoren wie der Maskenpflicht. In seinem Center stehen mehrere Verkaufsflächen leer, bei allen sei man aber in Verhandlungen mit potenziellen Nachmietern. „Die Coronakrise hat insbesondere den Konzepten stark zugesetzt, die auch schon vor Corona mit der aktuellen Marktsituation zu kämpfen hatten“, sagt Keuthen. Von einem Ladensterben im Marstall im Zuge der Coronakrise geht er nicht aus.

Das Innenstadtcenter hat schon vor der Pandemie umgesteuert und will seinen Nahversorgungscharakter ausbauen. Dazu gehört auch, dass Aldi eine Filiale im Marstall eröffnen wird. Auch eine Apotheke, ein Blumenladen oder ein Schuh- und Schlüsseldienst wären in den Augen von Keuthen eine sinnvolle Ergänzung für sein Haus.

Der Manager ist überzeugt, dass auch die Bekleidungsgeschäfte weiterhin eine Zukunft im Marstall haben. „Das war vor Corona so und wird auch nach der Krise weiter so sein.“ Von der Idee, einzelne Flächen mit Büros oder anderen Mietnutzungen zu belegen wie das andernorts bereits geschieht, sei man im Marstall weit entfernt.

Wilhelmgalerie (24 Geschäfte): „Unsere Frequenzen haben sich relativ gut erholt und wir sind unter den aktuellen Umständen durchaus zufrieden“, sagt die Managerin der Wilhelmgalerie, Sarah Leberle. Man merke aber, dass die Kunden geplanter einkaufen und ein Schaufensterbummel eher seltener stattfinde.

Auch die Wilhelmgalerie setzt weiterhin auf den Einzelhandel und hat noch nicht über andere Nutzungen für die Flächen, etwa Büros oder Ähnliches nachgedacht, sagt Leberle. Allerdings spielen auch ihrer Meinung nach Dienstleistungen und Service in Zukunft wohl eine immer größere Rolle in den Einkaufszentren.

Mit der Aufenthaltsqualität in der Wilhelmgalerie ist sie zufrieden. Änderungen sind momentan keine geplant. Aufgrund der Coronapandemie mussten die Sitzgruppen entfernt werden. „Wir hoffen jedoch sehr, die Aufenthaltsqualität bald wieder wie gewohnt ermöglichen zu können.“

Ob mit einzelnen Mietern schon Mietminderungen aufgrund der Coronakrise vereinbart wurden, möchten weder Dirk Keuthen vom Marstall noch Sarah Leberle von der Wilhelmgalerie genau sagen. Beide betonen aber, dass sie sich in einem engen Austausch mit den Mietern befinden und dass nach individuellen Lösungen gesucht werde, sollte ein Mieter in eine Schieflage aufgrund von Covid 19 geraten sein.

Breuningerland (120 Geschäfte): Zuversicht verbreitet auch Theda-Juliane Mustroph vom Breuningerland. Seit dem Sommer habe es bei den Umsätzen und den Besucherzahlen sehr positive Entwicklungen gegeben. „Wir befinden uns schon länger nahe oder auf dem Vorjahresniveau.“ Das Breuningerland ist derzeit voll vermietet, in diesem Punkt macht sich Mustroph keine Sorgen. Sollten einzelne Mieter wechseln, hätte das Breuningerland damit die Chance, sich weiterzuentwickeln und auf veränderte Kundenwünsche zu reagieren.

Mit dem Umbau und der Erweiterung, die im kommenden Jahr beginnen sollen – trotz der Coronakrise werde mit Hochdruck an den Plänen gearbeitet –, möchte das Breuningerland auch neue Angebote ins Haus holen. „Das betrifft die Bereiche Einzelhandel, Gastronomie und Freizeit sowie Unterhaltung“, sagt Mustroph. Weitere Details will sie derzeit noch nicht bekannt geben.

Auch die Bekleidungs- und Sportgeschäfte sieht Mustroph in ihrem Haus nicht in der Krise. Andere Bereiche hätten sich zwar schneller vom Lockdown im Frühjahr erholt, aber im Breuningerland gebe es eine Menge Beispiele, „die eine sehr positive Entwicklung“ gemacht hätten.

Eine Sache ist dem Breuningerland allerdings sehr wichtig und spielt auch bei der Erweiterung und der Modernisierung eine große Rolle: Die Aufenthaltsqualität soll verbessert werden. Dies soll dazu beitragen, „das Breuningerland noch stärker als Treffpunkt für ein besonderes Shopping- und Freizeiterlebnis zu positionieren.“

Dem neuerlichen Teil-Lockdown, von dem der Einzelhandel allerdings ausgenommen ist, blicken alle drei Manager mit einer gewissen Skepsis entgegen. Man wolle die konkreten Verordnungen der Landesregierung und der Stadt abwarten und dann in den Punkten, die den Einzelhandel betreffen, darauf reagieren. Mit einem Einbruch der Besucherzahlen rechnet keiner der drei Manager. Dass die maximale Kundenzahl in den einzelnen Geschäften nicht überschritten wird, liege im Verantwortungsbereich der Mieter, sagt Dirk Keuthen vom Marstall. Eine Center-Eingangskontrolle werde es nicht geben.

Schon jetzt ist allerdings klar, dass das Fitnessstudio und alle Geschäfte aus dem Bereich Beauty (etwa Nagelstudios) im Marstall schließen müssen. Und die Restaurants dürfen ihr Essen nur noch für den Verzehr außerhalb des Centers verkaufen.

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