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Castortransporte

Jetzt warten alle auf Berlin

Seit über vier Wochen liegt die Genehmigung für den ersten Castortransport auf dem Neckar vor. Doch obwohl das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) darin den Sofortvollzug aus öffentlichem Interesse angeordnet und diesen sogar höherrangig als die Einspruchsrechte Dritter eingestuft hat, steht der für Neckarwestheim bestimmte Atommüll noch in Obrigheim. Über die Gründe hüllt sich die EnBW in Schweigen.

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Die Transportschiffe Edda und Ronja liegen startklar in Neckarwestheim vor Anker. Foto: Alfred Drossel

Ludwigsburg. Die drei Castoren für den ersten von insgesamt fünf Transporten, in denen die abgebrannten Brennstäbe aus dem bereits vor zwölf Jahren abgeschalteten Atomkraftwerk Obrigheim ins GKN-Zwischenlager nach Gemmrigheim gebracht werden sollen, würden noch beladen, heißt es in der Karlsruher EnBW-Zentrale auf Nachfragen lapidar. Warum das Beladen noch nicht abgeschlossen, die ersten Castoren nicht längst in Gemmrigheim angekommen sind, dazu will sich der Stromkonzern nicht äußern. Die Erörterung dieser Frage könnte Rückschlüsse auf den Transporttermin zulassen und scheide deshalb aus Sicherheitsgründen aus.

Das Bündnis Neckar castorfrei indessen glaubt der Darstellung der EnBW nicht. Vielmehr sind sich die Gegner der geplanten Castortransporte sicher, dass die Sicherheitsbehälter in Obrigheim nicht nur längst transportbereit sind, sondern auch schon Pfingsten auf die Reise nach Neckarwestheim hätten gehen sollen. Gestoppt habe sie offenbar der Eilantrag der Gemeinde Neckarwestheim gegen die Transportgenehmigung des BfE.

Sollte das zutreffen, so müsste man von einer politisch motivierten Rücksichtnahme der EnBW auf die Standortgemeinde ausgehen. Denn der Neckarwestheimer Eilantrag hat keine aufschiebende Wirkung, wie der Sprecher des zuständigen Verwaltungsgerichts in Berlin bestätigt. Tatsächlich könnten die Berliner Juristen, deren Entscheidung nächste Woche fallen soll, den vom BfE angeordneten Sofortvollzug außer Kraft setzen und damit „Rechtsbehelfen“ etwa der Standortgemeinde doch noch eine aufschiebende Wirkung geben, wenn der Transport bis dahin Obrigheim aber bereits verlassen hätte, käme diese Entscheidung zu spät.

Wie berichtet, hat das Neckarwestheimer Rathaus einen weiteren, gegen die eigentliche Einlagerung der Obrigheimer Castoren in Gemmrigheim gerichteten Einspruch zurückgezogen. Damit rücken die Berliner Verwaltungsrichter nun ganz in den Fokus. Auch das Bündnis Neckar castorfrei nimmt an, dass der Transport, der nach seiner Einschätzung bei störungsfreiem Verlauf zehn Stunden dauern dürfte, erst nach der Berliner Entscheidung startet, die für Dienstag erwartet wird. Allerdings sind nächste Woche mehrere Neckarschleusen für Reparaturen gesperrt, darunter, als einzige an der Transportstrecke, die in Lauffen. Das nährt neue Spekulationen um den Termin. Es spricht nämlich nur auf den ersten Blick alles für einen Start nach dem 26. Juli. Wären die Reparaturen in Lauffen kurzfristig zu erledigen, so wäre die Schleuse schneller wieder passierbar. Und die wegen der anderen Schleusen eingeschränkte Neckarschifffahrt würde von den Castoren nicht zusätzlich behindert. Kommentar