Logo

Unwetter

Kaum Hagelschäden an den Reben

Glimpflich davongekommen ist der Landkreis bei dem starken Gewitterregen vom Dienstag. Weingärtner und Obstbauern stellten nur wenige Schäden an Reben und Kernobst fest. In Asperg und Tamm allerdings zerdellten teils tischtennisballgroße Hagelkörner Vordächer und Autos.

350_0900_16617_COKRHagel_Asperg.jpg
Foto: Privat

Kreis Ludwigsburg. „Wir sind mit einem blauen Auge davon- gekommen“, sagt Reinhard Schäfer vom Weingut Schäfer in Kleinbottwar. Als er gestern Vormittag einen Kontrollgang durch seine Wengert gemacht hat, entdeckte er lediglich am Forstberg einige aufgeplatzte Beeren. Der Bio-Winzer schätzt, dass unter acht Prozent der Beeren Schäden davongetragen haben. „Ich habe gerade beschlossen, es nicht der Versicherung zu melden“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Dafür hofft Schäfer, dass das Wetter in den kommenden Tagen trocken bleibt; dann verdorren die aufgeplatzten Weinbeeren am Rebstock und fallen schließlich ab. In der vom Hagel betroffenen Lage baut Schäfer Riesling an, was in dem Fall ein Vorteil ist, weil Weißweine schnell abgepresst und von der Schale genommen werden. „Bei Rotwein wäre es problematischer“, sagt Schäfer, „da müssen penibel alle verletzten Beeren aussortiert werden, weil Rotwein lange auf der Schale bleibt.“

Dass die Winzerkollegen weiter nördlich von Regen und Hagel verschont geblieben sind, wundert Schäfer nicht. „Wir sind der erste Berg vor den Löwensteiner Bergen; am 352 Meter hohen Götzenberg laden die Wolken, die vom Süden heraufziehen, erst mal ab – das ist ein ganz normales Wetterphänomen.“ Man könne das auch in der Rheinebene beobachten.

Immanuel Gröninger von den Bottwartaler Winzern, der Kellerei in Großbottwar, stellte bei einem ersten Rundgang zunächst keine Schäden fest. Es habe durchaus ordentlich geregnet, aber nicht gehagelt. Erst in Kleinbottwar entdeckte er in einzelnen Parzellen einige vom Hagel verletzte Trauben. Es handle sich allerdings nur um „leichte Schäden“, so Gröninger, und er erwarte nur minimale Einbußen beim Ertrag. Bei dieser Gelegenheit stellte er fest, dass die Reife der Trauben schon weit fortgeschritten ist, man werde wohl mit der Lese der frühen Sorten um den 10. September herum beginnen können.

Die Obstbauern beklagen vor allem Laubschäden durch Hagelschlag und auch das nur ganz punktuell. Als Martina Rist, Obstbauberaterin beim Landratsamt, gestern bei Obstbauern und auch bei Kollegen herumtelefonierte, klafften deren Aussagen ziemlich auseinander.

Während es in Rielingshausen und Affalterbach überhaupt nicht gehagelt habe – die Affalterbacher hätten sich sogar ein bisschen mehr Regen gewünscht –, habe es in Freiberg und Eberdingen durchaus Schäden gegeben. Betroffen sind Äpfel, Birnen und Zwetschgen, überwiegend jedoch am Laub und weniger bei den Früchten. „Der Hagel ist rein punktuell nieder- gegangen“, sagt Martina Rist. Allerdings könne es durchaus sein, dass es Schäden gebe, von denen sie nichts wisse. Dort wo es Schäden gegeben habe, konnten die Obstbauern sie gestern noch nicht beziffern. Aus Asperg und Tamm, den wohl am stärksten betroffenen Kommunen im Kreis, habe man keine Schadensmeldungen, sie seien freilich auch nicht das Zentrum des Obstanbaus.

Das Polizeipräsidium Ludwigsburg verzeichnete keine größeren Schäden und am Dienstag zwischen 16.15 und 22.50 Uhr in den Kreisen Ludwigsburg und Böblingen insgesamt 13 Unwetter-Einsätze. In Bietigheim-Bissingen, Eberdingen, Markgröningen, Remseck, Tamm, Vaihingen und Walheim kam es zu kurzzeitigen Überflutungen von Straßen, Äste brachen ab und Schachtdeckel wurden hochgehoben.

In Kornwestheim musste ein Open-Air-Konzert auf dem Marktplatz vorzeitig beendet werden. „Eine halbe Stunde früher als geplant haben wir uns entschieden, das Konzert zu beenden, weil ein Gewitter im Anmarsch war“, sagte der Erste Bürgermeister Dietmar Allgaier auf Nachfrage der LKZ. Dem heftigen Regen hätten Musiker und Besucher bis dahin getrotzt. Drei Blitzeinschläge in Wohnhäuser blieben laut Polizei ohne nennenswerte Folgen.

Auch wenn der Landkreis Ludwigsburg beim Unwetter vergleichsweise glimpflich davongekommen ist, melden einige LKZ-Leser doch Schäden durch den den teils heftigen Hagel. Auf Facebook postet Frank aus Ludwigsburg: „Unsere Autos hat es ordentlich erwischt.“ In Eglosheim seien tischtennisballgroße Hagelbrocken runtergekommen, meldet Manuel. „Es wütete richtig draußen, Baumblätter fielen nur so zu Boden“. Und Gerlinde meint, dass man durchaus von größeren Schäden sprechen könne. In Asperg seien Balkone, Vordächer und Autos zerdellt worden.